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DJ Börse Frankfurt/Peeters:"It´s the politics, stupid!"

03.12.2012 19:00
 
30. November 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es gehört zu den 
beliebteren Aussagen zahlreicher Politiker im In- und Ausland, dass die 
"Politik" in Abgrenzung zur "Wirtschaft" (bei Lichte 
betrachtet sind beide Begriffe ja sehr dehnbar zu interpretieren) wieder an 
Einfluss und Macht gewinnen solle. Vom "Primat der Politik", das 
Gültigkeit haben soll, ist in diesem Kontext immer wieder zu hören 
und zu lesen. 
 
Dass dieser Anspruch subjektiv von den Politikern erhoben wird, bezweifelt 
niemand. Dass die Politiker diesen Anspruch erheben dürfen, ist 
zumindest in allen Ländern, in denen es sich um vom Volk gewählte 
Vertreter handelt, ebenso wenig unumstritten. Dass es in der Praxis aber 
überhaupt dazu kommen muss, dass diese Ordnung erhoben wird, ist 
maßgeblich der modernen Welt mit Globalisierung und multinationalen 
Konzernen geschuldet. 
 
Über deren tatsächliche Macht, auch in Abgrenzung zur Reichweite 
der Politik, ist eigentlich alles geschrieben. Sehr gut nachvollziehen 
lässt sich der tatsächliche Einfluss bei solch heiklen Themen wie 
der effektiven Steuerlast, die manch prominente US-Hightech-Konzerne in fast 
schon dekadenter Weise durch ihre Internationalität und geschickte 
Verlagerung der Profite in Steueroasen drücken konnten. Auch die 
Diskussionen über Finanzkonzerne, die schlussendlich "too big to 
fail" waren und doch eher unfreiwillig von der Politik gerettet werden 
mussten, passt in dieses Raster. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass 
die Politik über Gesetze, Vorschriften oder auch fiskalische Methoden 
versucht, ein Mehr an Macht zu erlangen. Wie erfolgreich das schlussendlich 
ist, wird die Zeit zeigen. 
 
Vielleicht ist es ein Trost für die Politik, dass sie ausgerechnet 
dort, wo das Herz des Kapitalismus am lautesten schlägt, nämlich 
auf dem Börsenparkett, schon einen Schritt weiter scheint. Denn 
momentan lässt sich eines sicher konstatieren: Für die wesentliche 
Bewegungen im Aktienmarkt zeigen sich weniger Firmenlenker oder Geldgeber 
(Investoren) verantwortlich. Momentan ist nahezu jede Auf- oder Abbewegung 
an Entscheidungen der Politiker im Euroland oder den USA gekoppelt. 
 
Mal sind es Entscheidungen über weitere Hilfen für das am Abgrund 
stehende Griechenland, über die die Finanzminister der EU-Staaten 
wochenlang wechselhaft debattiert haben und dabei indirekt eine rasante 
Fieberkurve in den Kurszetteln veranlasst haben. Ähnliches gilt 
für die Diskussionen auf der anderen Seite des großen Teichs, wo 
die beiden großen US-Parteien der Demokraten und Republikaner 
über eine Fortsetzung oder einen Stopp wichtiger steuerlicher 
Vergünstigungen streiten. Ob dieses "Fiscal cliff" 
umschifft wird oder nicht, scheint momentan nach der zumindest kurzfristigen 
Lösung für Griechenland das Hauptthema auf dem Parkett zu sein. 
 
Alleine angesichts der Tragweite der Verschuldungen nahezu aller 
industrieller Staaten und den daraus resultierenden mitunter gravierenden 
Gegenreaktionen der Politiker könnte der Trend, dass politische 
Entscheidungen auf dem Parkett stärker wiegen als gute oder schlechte 
Firmenbilanzen, auch im kommenden Jahr aufrecht erhalten bleiben. Somit 
scheint sich der 1992 sehr erfolgreiche Wahlkampfslogan des späteren 
US-Präsidenten Bill Clinton ("It´s the economy, 
stupid") praktisch umzukehren. It´s the politics, stupid! 
 
 
 
© 30. November 2012/Roger Peeters 
 
 
 
*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer 
Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank, 
einer auf mittelständische Unternehmen fokussierte Bank. Zuvor leitete 
Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von 
ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde 
die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. 
Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt. 
 
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December 03, 2012 14:00 ET (19:00 GMT)