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DJ Börse Frankfurt/Anleihen: Euro-Armageddon abgewendet

03.12.2012 19:10
 
30. November 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Aufatmen nach den 
Beschlüssen über neue Hilfen für Griechenland war nur von 
kurzer Dauer: "Der Bund-Future fiel nach der Einigung knapp unter die 
Marke von 142, um sich in den folgenden Tagen wieder nach oben zu 
bewegen", meldet Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. 
Bei der dritten Verhandlungsrunde der Euro-Finanzminister war es in der 
Nacht zum Dienstag zu einer Einigung gekommen: einer Kombination aus 
Schuldenrückkaufprogramm, Zinssenkungen und längeren 
Kreditlaufzeiten. Außerdem sollen die Gewinne, die die EZB mit 
griechischen Anleihen erzielt, an Athen gehen. 
 
"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", bemerkt Arthur Brunner von 
ICF Kursmakler mit Blick auf den vorerst vermiedenen Schuldenschnitt. 
"Ob der Plan aufgeht, wird die Zukunft zeigen." Wichtig für 
die Bundesregierung sei vor allem, dass dieses Problem kein Wahlkampfthema 
werde. 
 
Nur vorläufige Lösung 
 
 
"Die Einigung kann über das eigentliche Problem nicht 
hinwegtäuschen: Die Troika kann sich nicht auf eine endgültige 
Lösung einigen", kommentiert die HSH Nordbank. Griechenland 
könne zwar erst einmal durchatmen, vor dem Hintergrund der scharfen 
Rezession im eigenen Land und dem gesamten Euroraum bleibe die Luft aber 
dünn. "Auch wenn das Thema Schuldenschnitt für dieses Jahr 
vom Tisch ist, wird es spätesten 2014 an die Märkte 
zurückkehren." 
 
Daneben bremste in dieser Woche der US-Haushaltskonflikt die Zuversicht: Am 
gestrigen Donnerstag schürte die Äußerung des 
republikanischen Repräsentantenhaussprechers John Boehner, er sehe 
keine substanziellen Fortschritte bei der Bewältigung der fiskalischen 
Klippe, die Nervosität. Der Euro-Bund-Future bewegte sich in dieser 
Woche jedenfalls leicht nach oben, nach 142,12 Punkten am vergangenen 
Freitag notiert das für den deutschen Anleihemarkt richtungsweisende 
Barometer heute bei 142,91 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen 
rentieren mit 1,37 Prozent. 
 
Zweijahres-Renditetief für Italien 
 
 
Daniel 
 
An den Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer ist die 
Entspannung dennoch deutlich abzulesen: "Die Renditen spanischer, 
italienischer und portugiesischer Anleihen sind stark zurückgegangen, 
in Italien sogar auf ein Zweijahrestief", meldet Gregor Daniel von der 
Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Aktuell rentierten 
zehnjährige italienische Papiere mit 4,55 nach 7 Prozent vor einem 
Jahr. Für Spanien seien es heute 5,36 nach 7,75 Prozent im Juli. 
"Das Euro-Armageddon ist abgewendet. Die Griechenlandhilfen 
signalisieren, dass auch Spanien und Italien nicht im Regen stehen gelassen 
werden." 
 
Griechenland-Anleihen mit anziehenden Kursen 
 
 
Brunner 
 
Nach dem Beschluss der Finanzminister über den Rückkauf 
griechischer Staatsanleihen profitierten diese, wie Arthur Brunner von ICF 
Kursmakler beobachtet hat -obwohl das Rückkaufangebot für 
ein Drittel der ausstehenden Anleihen nicht höher als die Schlusskurse 
von vergangenem Freitag liegen dürfe. Es werde erwartet, dass vor allem 
griechische Banken das Angebot annähmen, für die daraus 
entstehenden Buchverluste stünden Mittel der EFSF bereit. "Die 
übrigen Anleihehalter spekulieren entweder auf ein weiteres 
verbessertes Rückkaufangebot oder sogar auf die volle Rückzahlung 
am Laufzeitende." Details zum Programm will die griechische Regierung 
Anfang kommender Woche bekannt geben. 
 
Daniel zufolge führte der Plan zu "etwas lebhafteren" 
Handel in den Papieren. Die bis 2023 laufende Anleihe (WKN A1G1UA) sei 
leicht im Kurs gestiegen. "Der eigentliche Anstieg fand aber schon 
vorher statt." Der Kurs lag Ende Mai noch bei 13,50 Prozent, jetzt 
sind es 35,77 Prozent. "Ob sich genügend Anleger finden, die 
einen hohen Abschlag hinnehmen wollen, ist noch offen." 
 
Magerzinsen von soliden Unternehmen 
 
 
Stopp 
 
Wenig Aufregendes gibt es in dieser Woche aus dem Handel mit 
Unternehmensanleihen zu vermelden. Daniel berichtet von Verkäufen in 
einem Daimler-Floater (WKN A1GQ9C) und einer Rabobank-Anleihe in 
türkischen Lira (WKN A1G83M). 
 
Unverändert gut läuft das Geschäft mit Neuemissionen. 
"Von vorweihnachtlicher Ruhe ist in diesem Markt noch nichts zu 
spüren", meldet Klaus Stopp von der Baader Bank. Solide Adressen 
kommen dabei weiter günstig weg: Etwa muss der Chemiekonzern BASF 
für eine am Dienstag begebene Anleihe (WKN A1R0XG) mit Fälligkeit 
im Dezember 2022 nur 2 Prozent zahlen. Daimler (WKN A1R0TN) bietet für 
ein bis 2020 laufendes Papier sogar nur 1,75 Prozent. Etwas attraktiver ist 
eine neue Lanxess-Anleihe (WKN A1HCNS) mit Kupon von 2,625 Prozent und 
Laufzeit bis November 2022. 
 
Daneben stockte Renault einen bis September 2017 laufenden Bond (WKN A1G9HU) 
auf. Der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge war die Nachfrage gut, bei 
Preisen um 100,3 bis 100,4 Prozent. "Trotzdem gab der Kurs im 
Wochenverlauf etwas nach bis zum Tief bei 100. Danach erholte er sich wieder 
auf das heutige Niveau." Aktuell kostet die Anleihe 100,26 Prozent. 
 
Anleihe für "Traumschiff"-Fans 
 
 
Daneben gibt es zahlreiche neue Mittelstandsanleihen: Zum einen begibt die 
MS Deutschland-Beteiligungsgesellschaft eine Anleihe (WKN A1RE7V) mit einem 
Volumen von bis zu 60 Millionen Euro, wie Daniel erklärt. "Die 
Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Zinssatz liegt bei 6,875 
Prozent." Die Zeichnungsfrist beginnt am 5. Dezember und läuft 
bis zum 14. Dezember geplant. Die MS "Deutschland"-Beteiligungsgesellschaft 
ist Eigentümerin des Kreuzfahrtschiffes MS "Deutschland", auch als 
"Traumschiff" bekannt. 
 
Zum anderen startet am 3. Dezember die Zeichnungsfrist für eine Anleihe 
der  Homann Holzwerkstoffe GmbH, einem Anbieter von Holzfaserplatten 
für die Möbel-, Türen-, Beschichtungs- und Automobilindustrie 
(WKN A1R0VD). Hier liegt der Kupon bei 7 Prozent, die Laufzeit beträgt 
fünf Jahre. 
 
PORR komplett platziert 
 
 
Petz 
 
Die PORR-Anleihe (WKN A1HCJJ) konnte unterdessen erfolgreich platziert 
werden. Das Papier des österreichischen Baukonzerns bietet einen Kupon 
von 6,25 Prozent und läuft bis Dezember 2016. Der Handel startete 
heute. "Aktuell liegt der Preis bei 99,5 Prozent, das ergibt eine 
Rendite von 6,4 Prozent", erklärt Rainer Petz von Close Brothers 
Seydler. 
 
© 30. November 2012 / Anna-Maria Borse 
 
 
 
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December 03, 2012 14:10 ET (19:10 GMT)