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DJ Börse Frankfurt/Marktsentiment: Berlusconi verdirbt Anlegern die Stimmung

27.02.2013 16:00
 
Zusammenfassung der Analyse 
 
 
Das unerwartet gute Abschneiden Berlusconis hat die hiesige Marktstimmung 
verhagelt, wie die heutige Erhebung zeigtUnd zwar erheblich stärker, 
als es die 150 Punkte Verlust des DAX erwarten ließen. Denn 13 Prozent 
der etwa 300 befragten institutionellen Anleger haben seit vergangenem 
Mittwoch ihre DAX-Aktien verkauft, 8 Prozent sind short gegangen. Den 
Bull/Bear-Index drückt diese Bewegung von knapp 70 Punkte auf unter 58 
Punkte. Gianni Hirschmüller von von Cognitrend glaubt, dass die 
Enttäuschung im Verlauf des Montags eine viel stärkere Reaktion 
provoziert hat. Und dass weiterhin ausländische Nachfrage den deutschen 
Aktienmarkt stützt, ein Lichtblick für Anleger. 
 
Was den erwarteten DAX-Stand angeht, sind Optimisten und Pessimisten jetzt 
gleichweit vom tatsächlichen Stand entfernt. Bei den Einzwelwerten 
konnte E.ON die Erwartungen bislang nicht erfüllen und ist nun von VW 
als Spitzenwert abgelöst worden. Den stärksten Verlust trauen 
Anleger weiterhin der Commerzbank zu. 
 
  · DAX-Sentiment 
  · Detailanalyse 
 
Bull/Bear-Index: 57,8 Punkte 
 
 
Vorwoche: 69,4 Punkte. Oberhalb 50 Punkte ist der Markt optimistisch, 
unterhalb pessimistisch. 
 
Hirschmüller 
 
27. Februar 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bundekanzlerin Angela 
Merkel dürfte am Montagabend wohl mit Grauen an einige politische 
Treffen der vergangenen Jahre gedacht haben, als sie das Endergebnis der 
italienischen Wahl vernommen hatte. Die Rückkehr Silvio Berlusconis auf 
die internationale politische Bühne ist aber nicht nur für sie, 
die von ihm verbal diffamiert oder beim Nato-Gipfelempfang einfach stehen 
gelassen wurde, ein Albtraum. 
 
Auch Finanzmarktteilnehmer hätten sich gewünscht, dass dieser Name 
nicht mehr mit der Regierung der drittgrößten Volkswirtschaft 
Europas in Verbindung gebracht wird. Immerhin, Frau Merkel scheint den 
jüngsten Rückschlag für den europäischen 
Sanierungsprozess mit mehr Fassung zu tragen als so mancher Investor. Der 
Terminkontrakt italienischer Staatsanleihen erlitt den größten 
Tagesverlust seiner Geschichte. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg 
um mehr als ein halbes Prozent und die Aktienkurse in Mailand gaben 
kräftig nach. Auch der Rest Europas konnte sich der Verkaufswelle nicht 
entziehen. 
 
Psychische Achterbahnfahrt 
 
 
Analyse zum Anhören 
 
 
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*Analyse im TV:* 
Jeden Donnerstag 
 
  · 11.15 Uhr auf n-tv 
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In unserer Sentiment-Umfrage hat sich diese Verkaufsbereitschaft ebenfalls 
bemerkbar gemacht. Die von der Börse Frankfurt befragten 
institutionellen Anleger haben regelrecht Reißaus genommen. 13 Prozent 
der Händler flüchteten aus dem Bullenlager, 8 Prozent von ihnen 
haben sich zu den Bären, 5 Prozent zu den Neutralen abgesetzt. Dies ist 
die stärkste Verschiebung des laufenden Jahres. 
 
Lässt man den vergangenen Montag noch einmal Revue passieren, wird die 
Angstreaktion der Anleger sofort verständlich: Bis Montagmittag stiegen 
die Kurse an den europäischen Aktienmärkten stetig an. Nach 
Schließung der Wahllokale stimmten dann die ersten Hochrechnungen mit 
den letzten offiziellen Prognosen, die 14 Tage zuvor veröffentlicht 
wurden, überein, da sie eine knappe Mehrheit für das 
Mitte-Links-Bündnis ankündigten. Am frühen Abend kam dann der 
Schock: Die Mehrheit im Senat ging knapp an das Berlusconi-Lager verloren 
- die Börsen rutschten tief ins Minus. 
 
Einen solchen Verlauf der Dinge verarbeiten und empfinden Menschen nach 
einem Muster, dass sich verheerend, aber immerhin vorhersehbar auf ihr 
Verhalten auswirkt. Die schönen Kursgewinne, an denen sie sich bis zum 
frühen Nachmittag erfreuten, wurden ihnen schlagartig weggenommen. Und 
Letzteres wiegt mental gut doppelt so stark, wie das zuvor wahrgenommene 
Gewinnerlebnis. 
 
Unser Bull/Bear-Index zeigt nun den zweitniedrigsten Optimismus des Jahres 
an. Die jüngsten Verkäufe und Absicherungen dürften demnach 
einen beträchtlichen Umfang gehabt haben. Daran gemessen hat der DAX 
aber nicht allzu viel bullishes Terrain abgegeben. Mit anderen Worten: 
Nachfrage nach DAX-Werten ist auch außerhalb Deutschlands noch immer 
reichlich vorhanden. 
 
 © 27. Februar 2013/Gianni Hirschmüller, cognitrend 
 
  · Instutionelle Anleger 
  · Private Anleger 
 
Verhältnis Optimisten zu Pessimisten 
========================================= 
 
                      Bullish Bearish Neutral 
 
Total                      42 %    28 %    30 % 
ggü. letzter Erhebung -13 %   +8 %    +5 % 
 
 
 
*Institutionelle Anleger: Stimmungs- und DAX-Verlauf * 
 
  · Stand DAX (27. Februar): 7.610 Punkte (-1,97 % gegenüber 
    der letzten Erhebung) 
  · Stand Bull/Bear-Index: 57,8 Punkte 
 
Verhältnis Optimisten zu Pessimisten 
========================================= 
 
*Mit Unterstützung von* 
 
                      Bullish Bearish Neutral 
 
Total                      58 %    28 %    14 % 
ggü. letzter Erhebung -4 %    +4 %    +0 % 
 
 
 
*Private Anleger: Stimmungs- und DAX-Verlauf * 
 
  · Stand DAX (27. Februar): 7.610 Punkte (-1,97 % gegenüber 
    der letzten Erhebung) 
  · Stand Bull/Bear-Index: 65,8 Punkte 
 
Weiterführende Links 
========================= 
 
  · Erhebungsregeln für Stimmungsindikatoren 
  · Alle Analysen des DAX- und TecDAX-Sentiment 
  · Zur Homepage von cognitrend (www.cognitrend.com) [1] 
 
Vorsicht war angebracht 
 
 
Goldberg 
 
Dass die Optimisten bei der vergangenen Stimmungserhebung der Börse 
Frankfurt sehr vorsichtig und nur halbherzig bei der Sache gewesen sind, 
scheint sich im Nachhinein als die richtige Strategie herausgestellt zu 
haben. Denn wir konnten vor einer Woche noch feststellen, wie die Prognosen 
dieser Marktteilnehmer deutlich hinter der tatsächlichen Entwicklung 
des DAX zurückgeblieben waren und selbst neutral eingestellte Akteure 
für den Aktienmarkt nicht viel Platz nach oben sehen wollten. Ganz 
anders die Pessimisten, deren Hartnäckigkeit sich per Saldo auszahlen 
sollte. 
 
Allerdings fiel das Börsenbarometer nur so stark, dass es gerade einmal 
die Oberseite des Prognosebandes touchierte. Die Ursache hierfür: 
Deutlich gewagtere Prognosen der Bären. Diese ungleiche Verteilung der 
Vorhersagen wurde mit der heutigen Erhebung allerdings wieder 
zurechtgerückt. Bullen wie Bären passten dabei ihre neuen 
Vorhersagen nicht einmal um 1 Prozent nach unten an, während der DAX 
während des gleichen Zeitraums immerhin 1,9 Prozent im Punktvergleich 
an Wert verlor. 
 
       Median höchster Wert* tiefster Wert* Streuung 
 
Bullen     7.850 / -60  8.025               7.730          150 / +20 
Bären 7.345 / -55  7.460               7.120          170 / -30 
Neutrale   7.600 / -80  7.690               7.555          70 / +/-0 
 
* = eine Standardabweichung vom Mittelwert aller Kursprognosen. 
 
Marktbereinigung 
 
 
Einzelwertanalyse 
 
 
Untersucht werden die Aktien, die für Bullen und Bären derzeit die 
größten Favoriten darstellen, also die mit der besten erwarteten 
Entwicklung und die mit der schlechtesten. 
 
Allerdings fällt auf, dass der Zentralwert der Pessimisten mit 7.345 
DAX Punkten nur um 55 Zähler gefallen ist, die Abweichungen der 
Prognosen nach unten von diesem Wert jedoch fast doppelt so groß wie 
die erste Standardabweichung nach oben ausgefallen ist. Möglicherweise 
sind die neu hinzugekommen Pessimisten wegen des zunächst unklaren 
Ausgangs der Wahlen in Italien recht spät in den Markt hineingekommen. 
Immerhin ist das Vertrauen innerhalb dieser Gruppe in die eigenen 
Prognosefähigkeiten gestiegen. 
 
Derartiges kann über die verbliebenen Optimisten indes nicht gesagt 
werden, deren Selbstvertrauen naturgemäß etwas gesunken ist. So 
sollte es auch nicht weiter erstaunen, wenn deren mittlere Prognose mit dem 
Einbruch des DAX während des Berichtszeitraums nicht mithalten konnte 
und lediglich um 60 Zähler auf 7.850 nachgab. Zumal dieser 
Investorenkreis auch die Aufwärtsbewegung der Vorwoche nur teilweise 
nachvollziehen konnte. Somit ist der Markt prognosetechnisch fast 
verzerrungsfrei. 
 
DAX-Gewinner und -Verlierer: E.ON gibt deutliche Führung bei den Tops ab 
 
 
Dass die Akteure im Vergleich zu den vergangenen Wochen hinsichtlich des 
Aufwärtstrends deutscher Aktien erheblich vorsichtiger geworden sind, 
spiegelt sich auch in der Liste der beliebtesten deutschen Aktien wider. 
Dort hat nämlich E.ON offenbar die Investoren enttäuscht und 
seinen in der Vorwoche noch massiven Vorsprung eingebüßt, wodurch 
die Spitzengruppe der Gewinner deutlich zusammengerückt ist. Hier 
tauchen mit einem mal VW auf, für die sich immerhin 8 Prozent der 
befragten Anleger entscheiden konnten und die damit den bisherigen Favoriten 
E.ON sogar überholen konnten. Fast gleichauf liegen BASF, während 
die Bankwerte, aber auch die Aktien der Deutsche Börse nur im 
Mittelfeld liegen. 
 
Die Verkaufsliste wird nach wie vor mit deutlichem Vorsprung von der 
Commerzbank angeführt (fast ein Fünftel der Befragten), gefolgt 
von der Deutschen Bank und den seit Wochen geschmähten ThyssenKrupp. 
Lufthansa konnten sich indes aus dem negativen Fokus herausstehlen und sind 
zuletzt in der Wahrnehmung der Vermögensverwalter unauffällig 
geblieben. Kein Interesse - im Positiven wie im Negativen - 
konnten Adidas, Continental und Lanxess auf sich ziehen. 
 
 © 27. Februar 2013/Joachim Goldberg, cognitrend 
 
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February 27, 2013 11:00 ET (16:00 GMT)