14+1=27

Vanguard preist seine ETFs als sehr günstig an. Doch wie günstig sind Sie für den Anleger in der Realität? Wir haben den Test gemacht. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht. 

Gordon Rose 17.01.2013

Der amerikanische Aktienmarkt kommt nicht zur Ruhe. Erst standen die Präsidentschaftswahlen im November 2012 an, dann hielt die Fiskalklippe Anleger in Atem. Nur ein Last-Minute-Kompromiss konnte zum Jahreswechsel das Schlimmste verhindern. Die Probleme wurden jedoch nur verschoben und nicht aufgehoben. Zudem erreichen die USA spätestens im März (wieder einmal) die Schuldenobergrenze. Wir erinnern uns: Eine Einigung im Kongress ist ein harter und steiniger Weg für alle Beteiligten. Die große Unsicherheit der US-Haushaltspolitik war der Ratingagentur Fitch Grund genug eine mögliche Herabstufung der Bonität ins Spiel zu bringen. Den Aktienmarkt hat es aber keinen allzu großen Dämpfer gegeben – zumindest bis jetzt.

Dennoch: Den USA trauen viele Analysten zu, deutlich schneller als Europa und die Eurozone aus der Konjunkturdelle herauszukommen. Dass die USA wieder die Rolle der Konjunkturlokomotive der Welt übernehmen können, sollte man nicht ausschließen. Aktienanleger sollten also keinesfalls S&P, Dow Jones und Co. abschreiben.

14 Dickschiffe plus ein aufstrebender Neuling

Grund genug für uns, ETFs auf den US-Aktienmarkt auf ihre Kosten abzuklopfen. Dabei schauen wir nicht nur auf die Management-Gebühren. Sie sind nur eine Kostenquelle. Die andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf an der Börse anfallen, also die Spreads. Gerade bei illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufig darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese – allzu oft übersehene - Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt gibt es über 50 Produkte auf den amerikanischen Aktienmarkt. Um die Übersicht jedoch zu behalten, haben wir uns auf die 14 größten Produkte konzentriert. Wir konnten uns allerdings einen kleinen Schlenker nicht verkneifen. Wir haben zusätzlich das Produkt von Vanguard in die Liste aufgenommen, obwohl der Vanguard ETF auf den S&P 500 beileibe nicht zu den großen gehört. Allerdings ist der US-Anbieter für seine extrem günstigen Produkte bekannt und hat mit seinem Markteintritt in den USA viel von sich reden gemacht. Wir wollten wissen, ob günstige Management-Gebühren – und das Vanguard-Produkt ist mit 9 Basispunkten hier zweifelsohne sehr günstig – notwendigerweise niedrige Handelskosten nach sich ziehen. 14 Dickschiffe und ein ambitionierter Newcomer also.

S&P 500 ist der Standardindex in den USA

Um US-Aktien abzubilden, greifen die Anbieter auf die verschiedensten Indizes zurück, wobei sich die Unterschiede bei der Indexkonstruktion meist in Grenzen halten. Der wohl prominenteste Index ist der S&P 500. Der Index besteht aus den Aktien der 500 größten Unternehmen mit Hauptsitz in den USA (mit der Ausnahme einer Handvoll ausländischer Unternehmen mit US-Listing). Gewichtet wird der Index anhand der Streubesitz-Marktkapitalisierung. Dabei repräsentiert der S&P 500 75% der Marktkapitalisierung des US-Markts.

Der MSCI USA Index gewichtet zwar auch anhand der Marktkapitalisierung, deckt aber insgesamt 85% des US-Aktienmarktes ab. Anders der DJ Industrial Average Index. Er beinhaltet 30 US-Aktien, die außer Transport und Versorger die gesamte Industriepalette abdeckt. Die Unternehmen werden hierbei durch die Redaktion des Wall Street Journals ausgewählt und unterliegen daher keinen quantitativen Auswahlkriterien. Im Vergleich zu üblichen Indizes, die anhand der Marktkapitalisierung gewichtet sind, ist der DJ Industrial Average Index Preisgewichtet. Diese Methode ist relativ einfach, da die Gewichtung der einzelnen Wertpapiere bestimmt wird indem der jeweilige Preis durch die Summe der Preise aller Indexbestandteile dividiert wird. Wertpapiere mit dem höchsten Preis werden also am stärksten gewichtet und haben daher den größten Einfluss auf den Indexwert.

Aber zurück zu den Kosten. Unsere Tabelle unten zeigt die durchschnittlichen Handelspannen an den 30 Handelstagen vom 29. November 2012 bis 16. Januar 2013. Das Rennen machen zwei Produkte von iShares aus Deutschland bzw. Irland auf den S&P 500 Index. Sie wiesen mit jeweils 4 Basispunkten die engsten Spreads auf. Die Handelsspanne bei den Produkten von Platz 3 bis 7 betrug zwischen 6 und 8 Basispunkte. Das ist vergleichbar mit den Kosten der iShares ETFs. Ab Platz 8 geht es allerdings mit dem HSBC S&P 500 ETF stark bergab bzw. bergauf mit den Kosten. 11 Basispunkte und mehr wurden hier im Handel fällig. Auf dem letzten Platz befindet sich der db x-trackers S&P 500 GBP Hedged TR mit einem Spread von 65 Basispunkten.

Tabelle: Die günstigsten Spreads auf US-Aktien-ETFs 

Einmal mehr ist es interessant zu sehen, dass die Größe der Produkte nicht unbedingt mit den Spreads positiv korreliert. So weisen zwar die drei größten Produkte die engsten Spreads auf, jedoch gibt es mit dem UBS-ETF MSCI USA auch relativ große Produkte mit wesentlich weiteren Spreads.

Das Beispiel des db x-trackers S&P 500 zeigt zudem, dass die Währungsabsicherung auch im Handel recht teuer sein kann. Die währungsbesicherten Produkte weisen einen weitaus größeren Spread auf als nicht währungsgesicherte ETFs; insbesondere scheint die Absicherung gegen das britische Pfund sehr teuer gewesen zu sein. Interessant hierbei ist jedoch, dass dieses Produkt eine geringere Management-Gebühr aufweist als das Produkt ohne Hedge.

Auch ein Blick auf den vermeintlich günstigen Vanguard S&P 500 ETF gibt spannende Erkenntnisse. Der US-Anbieter nutzt seine sehr günstigen Management-Gebühren als Verkaufsargument. Dass das Produkt mit 9 Basispunkten die mit Abstand günstigsten Gebühren aufweist ist das Eine. Schaut man jedoch bei der Kostenanalyse auch auf die Spreads, dann sieht das Bild schon wieder anders aus. Mit 18 Basispunkten lagen die Handelskosten gut viermal höher als die Spreads der deutlich teureren iShares-Produkte.

Unter der Annahme, dass die Spreads konstant bleiben, kostet der ETF von Vanguard bei einer Haltedauer von einem Jahr insgesamt 27 Basispunkte an Spreads und Management-Gebühr. Unter dieser Prämisse ist der Amundi ETF S&P 500-EUR aufgrund des engeren Spreads 5 Basispunkte günstiger. Auch das Produkt von HSBC kostet insgesamt weniger, und der db x-trackers S&P 500 TR ist mit 27 Basispunkten auch Konkurrenzfähig. Man sollte die Rechnung: 14 teure Dickschiffe und 1 scheinbar konkurrenzlos günstiger Aufsteiger also doch hinterfragen.

Da sich also nicht nur die Spreads sondern auch die Management-Gebühren erheblich unterscheiden, sollten Investoren bei der Kostenanalyse genau hinschauen und vor allem ihr Anlagezeitrum bzw. die Handelsfrequenz berücksichtigen.

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.