Gold, Emerging Markets und das Comeback der Staatsanleihe

Die Szenarien der Prognostiker. Kapitalmarktexperten äußern sich zu Anlageregionen, Asset-Klassen und ihrer Asset Allocation auf der ZfU-Tagung 2013.

Ali Masarwah 04.02.2013

Der Konjunktur-Pessimismus war auf der ZfU-Kapitalanlegertagung Ende Januar mit Händen zu greifen. Die meisten fundamental orientierten Geldprofis trauen weder der Politik noch den Notenbanken zu, die Konjunktur in den Industrieländern nachhaltig zu stabilisieren (lesen Sie hier mehr). Aber was ist mit der Welt der Kapitalanleger? Auch wer meint, dass das Euro-Experiment und die Haushaltskonsolidierungsbemühungen dies- und jenseits des Atlantik zum Scheitern verurteilt sind, muss sein Geld (bzw. das seiner Kunden) anlegen. Und das möglichst nicht unter Einsatz des Sparbuchs.

Staatsanleihen sind bei den Profis viel beliebter als vielfach angenommen

Die Kapitalmarktexperten auf der ZfU-Tagung haben etliche Trends ausgemacht, die sich – mehr oder weniger – logisch aus ihrem aktuellen Weltbild ableiten lassen. Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch vertritt mit am deutlichsten die (keinesfalls neue) These, wonach die zinslose Inflation bevorstehe und Staatsanleihen insofern keine gute Lösung für Anleger seien. „Das war´s“, fasste Flossbach-von-Storch-Stratege Philipp Vorndran seinen Ausblick zum säkularen Renditerückgang der vergangenen Jahrzehnte bei Bundesanleihen zusammen. Für ihn sind „Qualitätsaktien der bessere Bond“. Für Vorndran können Aktien wie Nestlé auch aufgrund der konstanten und mittlerweile ansehnlichen Dividenden einen Ersatz für Renditearme und nicht mehr ganz so sichere Anleihen darstellen.

Wir sind mit Blick auf Bunds zurück im Bullenlager,

Eurgen Keller, Devisen- und Rentenstratege beim Bankhaus Metzler

Mit dieser Meinung vertritt Vorndran eher eine Minderheitenmeinung und bekommt uneingeschränkt nur Zuspruch von bekennenden Bond-Skeptikern wie Felix Zulauf von Zulauf Asset Management. „Ich habe 30 Jahre lang den Trend sinkender Renditen geritten, im Sommer 2012 habe ich dagegen alle langen Laufzeiten verkauft. Ich halte jetzt maximal 4-jährige Titel und dann auch nur noch Corporates“, so der Ex-Hedgefondsmanager und Family-Office-Verwalter.

Andere Vermögensverwalter zeigten sich indes weniger Pessimistisch für Anleihen, was vor allem daran liegt, dass sie eher deflationäre denn inflationäre Szenarien für wahrscheinlich halten. „Wir sind mit Blick auf Bunds zurück im Bullenlager“, so Eurgen Keller, Devisen- und Rentenstratege beim Bankhaus Metzler. Er sieht Potenzial für neue Renditetiefs bei zehnjährigen Bunds und erwartet keine unmittelbar steigenden Inflationsraten. „Staatsanleihen haben den Status einer risikolosen Anlage zwar verloren, aber wir sind aufgrund der Alternativlosigkeit optimistisch“, so Keller. Auch ausgesuchte Peripheriestaaten wie Italien und Spanien böten auf Rentenseite Chancen, wobei hier das Timing eine wichtige Rolle spiele.

Die neue Bond-Dreifaltigkeit: Deutschland, Niederlande, Finnland

Auch Ralf Borgsmüller von der PSM Vermögensverwaltung sieht Staatsanleihen unverändert als Basisinvestment, bricht aber im Gegensatz zur Bank Metzler eine Lanze nur noch für kurze und mittlere Laufzeiten und beschränkt sich bei der Verwaltung von Kundengeldern rentenseitig auf Titel bester Bonität, wie etwa deutsche, niederländische und finnische Staatsanleihen.

Spiegelbildlich zu der eher optimistischen Sicht für Anleihen sehen viele Experten überwiegend Risiken für Aktien – zumindest für solche aus den Industrieländern. „Aktien sind in unserer Strategie auf maximal 10% beschränkt. Wegen der Rezessionsgefahr in Europa und den USA konzentrieren wir uns auf unterbewertete Märkte wie beispielsweise China“, sagt Borgsmüller von PSM.

Aktien-Investments sind nach Experten-Meinung out

„Renten schlagen Aktien“, bringt es Keller vom Bankhaus Metzler auf den Punkt. Neben seiner pessimistischen Konjunktursicht spricht nach Ansicht Kellers auch der Konsens unter den Anlageprofis eine Rolle. Wenn alle Aktien loben, sind die meisten schon investiert, und dann besteht die Gefahr unschöner Überraschungen. Die Stimmung der Profis als antizyklischer (Kontra-)Indikator also.  „Nur 3 von 32 befragten Banken sehen den DAX zum Jahresende 2013 niedriger als am Jahresultimo 2012“, plädiert der Metzler-Experte für eine „Meinung außerhalb des Konsens“. Nach dem guten Start der Börsen ins Jahr 2013 überwiegen seiner Meinung nach die Risiken, vor allem ab der zweiten Jahreshälfte.

Auch Felix Zulauf sieht nach einer relativen Ruhephase im ersten Halbjahr Korrekturgefahren ab dem Sommer. „Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es vorher zu einer Kaufpanik kommt, bis Mitte 2014 werden dann aber die Risiken dominieren“, so Zulauf. Eine Ausnahme sieht er allerdings bei japanischen Aktien, die sich in den kommenden Jahren auf dem Rücken der Yen-Abwertung im Vergleich zu europäischen und amerikanischen Aktien durch relative Stärke auszeichnen würden.

Goldman findet Emerging Markets gut

Vollends optimistisch für Schwellenländer-Aktien zeigten sich – man muss schon fast sagen: naturgemäß – die Vertreter von Fondshäusern, die sich auf Emerging Markets konzentrieren. Jim O´Neill, der scheidende Chef der Vermögensverwaltung von Goldman Sachs, ist nicht nur für die chinesische Wirtschaft positiv gestimmt, sondern erwartet auch eine Fortsetzung des freundlichen Trends an der Schanghaier Börse, die nach dem Führungswechsel in Beijing, und vor allem im Dezember 2012, kräftig nach oben gelaufen war. O´Neill sieht auch Potenzial bei russischen Aktien, die derzeit zwar zu Recht günstig seien, bei einer stärker reformorientierten Politik dennoch Raum für Gewinne böten. „Auch brasilianische und türkische Aktien sind günstig bewertet, bei Mexiko und Indonesien wäre ich allerdings vorsichtig“, so O´Neill.

Nichts glänzt stärker als Gold

So heterogen die Meinungen zu Aktien und Anleihen auf der ZfU-Tagung waren, so einheitlich war der Konsens zum Edelmetall Gold. „Es ist immer noch Zeit, Gold zu kaufen, besonders in zwischenzeitlichen Korrekturen“, so Philip Vorndran. Er sieht das Edelmetall als sichere Alternative zu Papiergeld, das von einer laufenden Entwertung betroffen sei. „An Gold führt aufgrund seiner Eigenschaft als Währungsersatz kein Weg vorbei“, sekundiert PSM-Mann Borgsmüller. Das Edelmetall könne sowohl bei einer deflationären also auch bei einer hochinflationären Entwicklung seine Stärke ausspielen.

Zulauf empfiehlt sogar eine Goldquote von 25%. „Gold ist besser als Aktien. Da würde mir Warren Buffett widersprechen, aber wenn ich mir die Performance der Buffett-Aktie Berkshire Hathaway anschaue, dann hat sie in den vergangenen 12 Jahren im Vergleich zu Gold ganz schlecht abgeschnitten“. Auch das Bankhaus Metzler hält neue Hochs beim Goldpreis für möglich. Angesichts der Konsolidierung 2012, der hohen Liquiditätsversorgung und der optimistischeren Haltung von institutionellen Anlegern bestehe weiteres Aufwärtspotzenzial für Gold. Angesichts derart viel Harmonie zwischen den Profis könnte man allerdings den Verdacht hegen, dass anders kommen könnte, als es alle derzeit erwarten.

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Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich