Trauen Sie dem Braten?

Die großen Volkswirtschaften scheinen sich langsam zu erholen. Wenn Sie dem Braten aber noch nicht ganz trauen, dann bieten sich Anleihen für risikoaverse Investoren an. Der Morningstar ETF-Spread-Bericht.

Hinter den jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA und Europa stehen noch einige Fragenzeichen, ob die großen Volkswirtschaften es langsam schaffen sich nachhaltig aus der anhaltenden Krise zu befreien. Die US-Notenbank hält zwar weiterhin an ihrer Ziedrigzinspolitik und den Anleihenkäufen fest, doch liegt das BIP-Wachstum in den ersten zwei Quartalen nach wie vor unter den Erwartungen. Die Wirtschaft in Großbritannien wächst zwar wieder, allerdings nur langsam. In der Eurozone liegt die Arbeitslosenquote jedoch immernoch auf dem Rekordhoch von 12,1%. Auf der anderen Seite markieren die Aktienmärkte neue Hochs, der DJ Industrial Average hat diese Woche sogar ein neues Allzeithoch erreicht.

Wer dem Braten einer nachhaltigen Erholung der Aktienmärkte noch nicht ganz traut und sein Geld lieber in Anleihen anlegen möchte, für den bieten sich zum Beispiel gemischte Indizes auf in Euro denominierte Anleihen an. Diese sind global diversifiziert, minimieren jedoch gleichzeitig das Währungs- und Inflationsrisiko, das mit Anleihen in anderen Währungen einhergeht.

Sollten Sie also noch nicht ganz an eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft glauben und lieber in Anleihen investieren wollen, hilft Ihnen unser wöchentlicher Bericht zu den Eigenschaften und Kosten von ETFs auf ausgewählte Morningstar-Kategorien dabei, die Kosten zu minimieren, um die Rendite zu maximieren.

Zum Hintergrund: Bei ETFs fallen vielfältige Gebühren an. Die Management-Gebühren sind bei den ETF-Kosten das eine. Das andere sind die Gebühren, die beim An- und Verkauf anfallen, die Spreads. Gerade in illiquiden Märkten fallen häufig relativ hohe Kosten an. Wir haben schon häufiger darauf hingewiesen, dass Anleger neben der Management-Gebühr diese oft übersehene Kostenkomponente beachten sollten (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt haben Investoren die Auswahl zwischen neun Produkten, um an der Wertentwicklung von gemischten Indizes auf Euro-Anleihen teilzunehmen. Die Anbieter greifen hierbei auf die verschiedensten Indizes zurück, wobei es teilweise große Unterschiede bei der Indexkonstruktion gibt. Der Barclays Euro Aggregate Bond bildet zum Beispiel 1.557 auf Euro lautende Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating ab, die in der Eurozone gelistet sind. Es sind daher auch EUR-Anleihen von Ländern wie beispielsweise Großbritannien oder den USA im Index enthalten. Auf diesen Index gibt es 2 ETFs von SPDR und iShares, die das statistische Sampling-Verfahren anwenden. Im Gegenzug dazu bildet der EuroMTS Covered Bond Aggregate lediglich auf Euro laufende besicherte Unternehmensanleihen ab, daher ist das Anlageuniversum mit derzeit 212 Titeln um einiges geringer. Der iBoxx EUR Germany Covered Capped Overall TR Index bildet hingegen lediglich den deutschen Pfandbriefmarkt ab. Investoren sollten sich also Gedanken über die gewünschte Anlageregion bzw. das Bond-Segment machen, bevor sie einen ETF kaufen. Erst dann lohnt sich ein Blick auf die Spreads. 

Generell sind die Spreads bei Anleihen weiter als bei Aktien. Dies liegt vor allem an der Preisbildungsproblematik dieser Anlageklasse auf die wir im oben genannten Artikel genauer eingehen.

In den 30 Handelstagen vom 20. Juni bis 31. Juli weist der ComStage ETF iBoxx EUR Germany Covered Overall mit 3 Basispunkten den engsten Spread auf und ist damit alleine auf weiter Flur. Auf den weiteren Plätzen folgen der iShares eb.rexx Jumbo Pfandbrief mit bereits 12 Basispunkten und der db x-trackers II iBoxx EUR Liquid German Covered Diversified mit 13 Basispunkten.

 

Der Deka iBoxx EUR Liquid German Covered Diversified kann mit 14 Basispunkten auf dem vierten Platz mit iShares und db X-trackers noch mithalten. Danach klafft jedoch bereits eine große Lücke zum iShares Barclays Cap Euro Aggregate Bond ETF mit 20 Basispunkten. Auch auf dem letzten Platz finden wir diese Woche ein Produkt vom Marktführer. Der iShares Euro Covered Bond ETF weist einen Spread von 35 Basispunkten auf und ist damit einiges teurer als das Produkt von ComStage.

Interessant ist außerdem einmal mehr zu sehen, dass die Größe der Produkte nicht zwangsweise positiv mit den Spreads korreliert ist. So weist der mit Abstand kleinste ETF von ComStage die günstigsten Spreads auf, die größeren Produkte von iShares hingegen wiesen wesentlich weitere Spreads in den vergangenen 30 Handelstagen auf.

Auch bei den Management-Gebühren gibt es erhebliche Unterschiede. Zwischen den günstigsten Produkten und den teuersten liegen 16 Basispunkte. Bei einigen Anbietern sind die Spreads zudem höher als die Management-Gebühren. Bei der Kostenanalyse müssen Investoren also genau hinschauen und dabei vor allem ihren Anlagezeitraum berücksichtigen.

Obwohl Anleihen eine relativ illiquide Anlageklasse sind, wird die physische Replikation bevorzugt. Dies liegt unter anderem an der Hedging-Problematik für Anleihen bei Swap-basierten Produkten.

 

 

 

 

Über den Autor

Gordon Rose, CIIA, CAIA,

Gordon Rose, CIIA, CAIA,  ist Fondsanalyst bei Morningstar.