Wie effizient ist der Weltfonds?

Im Jahr 2008 kam der ARERO – Der Weltfonds auf den Markt. Dem Mischfonds liegt eine einfache und eingängige Strategie zugrunde. Wir wollten wissen, wie effizient die Umsetzung über Swaps ist und haben nachgerechnet.

Gordon Rose 07.03.2014

Der perfekte Vermögensaufbau mit nur einem einzigen Fonds. Diese Idee steckt hinter dem ARERO – Der Weltfonds. Der Fonds ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen ist er einer der sehr wenigen Fonds, die auf einer streng wissenschaftlichen Untersuchung basieren. Er wurde von einem renommierten Finanzwissenschaftler, Prof. Dr. M. Weber aus Mannheim, initiiert. Zum anderen setzt er dort an, wo die meisten aktiv verwalteten Fonds einen Konstruktionsfehler aufweisen. Sie sind zu teuer. Der ARERO ist dagegen bewusst kostengünstig gestaltet. Die Kosten eines Fonds – darauf haben auch wir wiederholt hingewiesen – sind einer der wichtigsten Indikatoren für seine künftige relative Performance; billige Fonds laufen ceteris paribus besser als teure! Darüber hinaus ist der Fonds angetreten mit dem Ziel, Vergleichsfonds mit einer bewusst statischen Strategie outzuperformen.  

Einfache Umsetzung mit Aktien, Renten, Rohstoffen

Der Fonds geht auf die Studie von Jacobs/Müller/Weber (2008) zurück:"Wie diversifiziere ich richtig? – Eine Diskussion alternativer Asset Allocation Ansätze zur Konstruktion eines `Weltportfolios´“. Hierbei wurde anhand historischer Daten eine „optimale“ Asset-Allokation aus Aktien, Renten und Rohstoffen konstruiert. Hinter dem ARERO-Portfolio steht ein einfaches Konzept, es basiert auf lediglich sechs Indizes wird jährlich auf die Ausgangsgewichtung zurückgesetzt (rebalanciert). Zum Thema Back-Testing sei jedoch anzumerken, dass jegliche Rückrechnungen mit Vorsicht zu genießen sind. Der Index-Fondsanbieter Vanguard veröffentlichte 2012 eine Studie, die das rückwirkende Indextracking von ETFs testete. Dabei wurde gezeigt, dass die Live-Rendite eines Indexes wesentlich schlechter ist, als der Back-Test suggeriert. Mehr zum Thema finden Sie hier.

Auf Basis der Studie wurde die optimale Asset-Allokation so berechnet: 60% Aktien, 25% Renten und 15% Rohstoffe. Das Aktienportfolio umfasst den MSCI Europe, den MSCI Nordamerika, den MSCI Pazifik und den MSCI Schwellenländer Index. Der Rentenanteil wird durch den iBoxx Euro Sovereign Index abgebildet, während der DJ UBS Commodity Index Total Return 3 Month Forward den Rohstoffanteil widerspiegelt. Der Fonds wird jedes Jahr Anfang Februar auf seine Ausgangsposition zurückgesetzt, wobei die Aktienindizes innerhalb des Aktienportfolios nach ihren Anteilen an der globalen Wertschöpfung gewichtet werden. Dies unterscheidet den Fonds von der gängigen Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung.

Im Gegensatz zu handelsüblichen Fonds investiert dieses Produkt jedoch weder in Einzeltitel noch in ETFs oder Investmentfonds, um die gewünscht Asset-Allokation zu erzielen. Vielmehr werden die Zielindizes mit Hilfe eines Swap abgebildet, den die Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM) zur Verfügung  stellt. Das Argument ist, dass der Swap die beste Möglichkeit ist, die Indizes zu replizieren, da hierbei insbesondere die Handelskosten entfielen. Zudem sei eine bessere Abbildung illiquider Märkte möglich.

Wir wollten überprüfen, ob dies wirklich so ist und haben nachgerechnet. Schaue ich mir das Ergebnis an, bin ich mir nicht ganz so sicher, ob es nicht für den Investor günstigere Möglichkeiten gibt, die Strategie abzubilden bzw. ob das ARERO-Team nicht besser auf eine direkte Replikation mit ETFs zurückgreifen sollte.

Selbstentscheider versus DeAWM

Wir haben uns die Mühe gemacht und nachgerechnet, wie effizient die ARERO-Strategie umgesetzt wird. Um das Portfolio realistisch nachzubilden, haben wir ETFs auf die jeweiligen Indizes, aus denen sich der Fonds zusammensetzt, ausgesucht. Da der ARERO 2008 aufgelegt wurde, haben wir zudem ETFs ausgesucht, die damals bereits am Markt waren und dem ARERO-Team zur Verfügung gestanden hätten. Bei mehreren möglichen ETFs haben wir immer das Produkt mit der längsten Performance-Historie ausgewählt.

Darüber hinaus haben wir zum 1. Februar eines jeden Jahres das Portfolio gemäß der ARERO-Strategie umgeschichtet. Um der Realität nicht zu enteilen, haben wir zudem 0,20% Handelskosten pro Trade zugrunde gelegt. Wie die unten stehende Graphik zeigt, hat unser Do-it-Yourself (DIY) Portfolio eine bessere Rendite erzielt als der ARERO – bei einer niedrigeren Schwankungsbreite.

Tabelle: Rendite-Risiko-Profil des ARERO vs DIY-Portfolio  Daten in den Tabellen/Grafiken per Ende Januar, Quelle: Morningstar Direct.

Unser DIY-Portfolio erzielte eine bessere risiko-adjustierte Rendite und kostet zudem im Schnitt 12 Basispunkte weniger als der ARERO. Eine plausible Erklärung für den Renditeunterschied liegt hauptsächlich in den Management-Gebühren und den Swapkosten, da die Asset-Allokation und der Investmentansatz identisch sind. Die Unterschiede sind klein, aber fein, wie aus der Grafik hervorgeht. 

Tabelle: Die Rendite ARERO vs DIY-Portfoilio im Zeitablauf

Das Team von Prof. Weber, dem wir unsere Ergebnisse schickten, machte etliche Einwände gegen unser kleines Experiment. Unter anderem wurde uns eine Analyse geschickt, welche die Wertentwicklung des ARERO-Fonds mit der Performance der ARERO-Strategie (vor Kosten, aber inklusive Rebalancing, Austausch der Rohstoffkomponente usw.) vergleicht. Dabei lag der Renditeunterschied annualisiert bei 73 Basispunkten. 50 Basispunkte entfallen auf die Management-Gebühr. In den restlichen 23 Basispunkten sind unter anderem die Depotbankkosten enthalten. Ein Großteil des Performance-Unterschieds dürfte indes den Swap-Kosten zugeschrieben werden. 

Das ARERO-Team hat auf die Kosten einer Handelsstrategie auf ETF-Basis hervorgehoben. Fakt ist allerdings, dass wir in unserer Berechnung bereits Handelskosten mit 20 Basispunkten pro Trade angesetzt haben. Es gibt heute zudem zahlreiche Sparplanangebote am Markt, mit denen kostenlos in ETFs investiert werden kann. Beim Rebalancing könnte man die untergewichteten ETFs mit Neuinvestments aufstocken, statt die gut gelaufenen ETFs zu verkaufen. Unter diesen Umständen würden keine Kaufgebühren anfallen. Diese Vorgehensweise hätte zudem denselben Steuerstundungseffekt wie bei der Fondslösung, da bei dieser Form des Rebalancing keine Verkäufe ausgelöst würden.

Weiterhin wendet das Team ARERO ein, dass unser Vergleich auf der Prämisse basiere, „dass die ausgewählten ETFs repräsentativ sind, (und) dass das Ausmaß möglicher Abweichung der ETFs von Ihrem Index in der Vergangenheit auch das Verhalten in der Zukunft widerspiegelt“. Auch dieser Einwand ist nicht falsch, allerdings fußt auch die ARERO-Strategie auf der Analyse historischer Daten und basiert somit auch auf der Prämisse, dass die Gewichtungen der Vergangenheit auch in Zukunft zur optimalen Asset-Allokation führen. 

Nicht ganz nachvollziehen kann ich das weitere Argument, dass Wertpapierleihe bei ETFs auch eine Risikoquellen darstellt. Stimmt! Gleichzeitig sollte man aber nicht unter den Tisch kehren, dass der ARERO-Fonds ausschließlich auf Swaps basiert. Und die weisen bekanntlich auch ein Kontrahentenrisiko auf. Beide Formen der Replikation bergen somit ähnliche Risiken in sich.  

Was bleibt?

ARERO – Der Weltfonds hat definitiv seine Stärken. Er ist vor allem eine attraktive Lösung für den „bequemen“ Investor, da er eine All-in-One-Lösung bietet, bei der sich der Anleger um nichts kümmern muss. Der Fonds regelt die Asset-Allokation und führt das regelmäßige Rebalancing durch, wobei für den Investor auf Grund der Swaps keine Handelskosten anfallen. Zudem fallen erst dann Steuern an, wenn der Fonds - Gewinne vorausgesetzt! - veräußert wird.

Bei unserem DIY-Portfolio droht bei jedem Rebalancing das Finanzamt die Hand aufzuhalten. Da die Gewinner des Vorjahres verkauft und die Verlierer gekauft werden, können die Verluste nicht gegengerechnet werden. Allerdings könnte dieser Effekt vermindert bzw. ganz vermieden werden, wenn – wie erwähnt – das Rebalancing durch Zukäufe und nicht durch Verkäufe vorgenommen würde. Zudem: Häufig entfallen bei ETF-Sparplänen heute die Handelskosten. Diversifizierte ETF-Selbstentscheider-Portfolios sind somit ohne großen Aufwand auf günstige Weise von jedermann darstellbar. Investoren, die gerne selbst Hand anlegen, konnten also bisher (vor Steuern) 0,50% Outperformance pro Jahr gegenüber dem ARERO generieren, inklusive aller Kosten.

Soweit also die Ebene des Privatinvestors. Doch die Frage der Implementierung der ARERO-Strategie hat eine weitere Dimension. Das Fondsmanagement und auch die DeAWM müssen sich die Frage gefallen lassen, ob die Swap-Strategie im besten Interesse des Investors liegt, oder ob bei der Implementierung nicht Optimierungspotential besteht. Gerade angesichts der tendenziell sinkenden ETF-Kosten brächte eine ETF-basierte Strategie größere Wahlfreiheit beim ETF-Picking. 

Natürlich sollen Fondsmanager für ihre Arbeit entlohnt werden. Die Extrakosten erklären allerdings nicht vollständig den Renditeunterschied von 0,50% p.a. - auch nicht die höhere Volatilität. Zur Klarstellung: In unserem Beispielportfolio haben wir nicht die besten und/oder günstigsten Produkte ausgewählt, es ging uns also nicht darum die Daten so lange zu filtern, biegen und brechen, bis sie alles gestehen. 

Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.