Tutorial Fondssuche II – Die Welt der Morningstar Kategorien

Im zweiten Teil unserer Fonds-Tutorials geht es um die zielsichere Navigation durch die über 350 Fondskategorien. Sie sind nicht nur ein guter Maßstab für Fondsvergleiche, sondern auch die Grundlage für die Berechnung des bekannten Morningstar Sterne-Ratings.

Michael Haker 19.01.2015

Im ersten Teil unserer Fondssuche-Tutorials haben wir Ihnen die Rolle von Indizes erklärt und Ihnen das breite Index-Universum auf unserer Homepage nahegebracht. Indizes sind eine Basis für die Suche nach dem richtigen Investment und zugleich eine Indikation, wie sich gewisse Märkte in der Vergangenheit entwickelt haben (lesen Sie hier weiter). Ein zweites wesentliches Instrument, das die Fondssuche und den Fondsvergleich erleichtert, sind die Morningstar Kategorien. Sie aggregieren Fonds mit ähnlichen Anlagestrategien und Wertpapieren und schaffen so für Anleger eine Referenzgröße, um das Rendite-Risiko-Profil eines Fonds besser einordnen zu können.

Auf unserer Kategorisierung fußt auch das bekannte Morningstar Sterne-Rating. Morningstar-Sterne-Ratings werden auf Kategorieebene vergeben. Es handelt sich also um relative Ratings; mit ihnen können Anleger das Rendite-Risiko-Profil von Fonds mit ähnlichen Investmentuniversen auf einen Blick erfassen. (Lesen Sie hier mehr über das Morningstar Sterne-Rating.) Auf unserer Homepage verbirgt sich das Tool für die Übersicht über die unterschiedlichen Kategorien für Aktien-, Renten- oder Mischfonds sich hinter den „Kategorie Renditen“.

Kategoriedefinition

Bevor wir mit der Orientierung in dem breiten Kategorieuniversum beginnen, sollten wir zunächst klären, wie die Morningstar Kategorien zustande kommen und wie man sie am besten lesen sollte.

Über unsere Webseite finden Sie mittlerweile rund 350 verschiedene Fondskategorien. Der erste wichtige Punkt: jede von ihnen enthält Fonds, die in ähnliche Wertpapiere investieren. Kategorien können je nach Komplexität des Marktes sehr granular ausfallen. Das lässt sich am Beispiel der europäischen Aktienfonds illustrieren, die in großkapitalisierte Unternehmen investieren. Sie verteilen sich auf die drei Morningstar-Kategorien Standardwerte Europe „Growth“, „Blend“ und „Value“.

Durch die Zusammenfassung von ähnlichen Produkten wird so eine bessere Vergleichbarkeit hinsichtlich der jeweiligen Rendite-Risiko-Profile geschaffen. Das ist für die Praxis wichtig: bei einer groben Kategorisierung laufen Anleger Gefahr, eine gute Marktperformance als Können des Managers fehlzuinterpretieren. (Eine Übersicht über sämtliche Morningstar Fondskategorien samt Definitionen finden Sie hier.)

Die Konstruktion der Morningstar Kategorien

Die Einordnung von Fonds in ihre Kategorien beruht auf den Portfoliodaten auf der Einzeltitelebene. Damit eine Kategorie ins Leben gerufen wird, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss es mindestens 20 Fonds mit einem ähnlichen Investmentuniversum geben. Des weiteren muss es möglich sein, dass die Merkmale der Kategorien eindeutig definierbar sind uns sich klar voneinander abgrenzen, so dass es auch zwischen den Kategorien keine Überschneidungen gibt.

Die Kategorisierung geschieht auf Basis der historischen Portfolioholdings, wobei unsere Basis die einzelnen Positionen in einem Fonds sind. Dabei verfügen wir über die vollständigen Portfoliodaten, die wir direkt bei den Fondshäusern erheben. Diese werden zwar bei den Fondsgesellschaften erhoben, werden aber anhand unserer Klassifizierungsmethodik definiert. Dies sichert die Homogenität der Kategorien. 

Sind historische Daten nicht in ausreichender Zahl vorhanden, wie es beispielsweise bei neu aufgelegten Produkten sein kann, schauen wir uns die Verkaufsprospekte genauer an, um die Investmentstrategie, eventuelle Restriktionen beim Portfoliomanagement und das Anlageuniversum genauer zu verstehen. Im Laufe der Zeit werden die Kategorisierungen der Fonds regelmäßig anhand ihrer Portfolios und Markt-Performancedaten auf Stimmigkeit überprüft. 

Die Morningstar Kategorien verstehen

Zusammen mit den Indizes sind die Morningstar Kategorien der erste Anhaltspunkt, der die Performance eines Fonds in Kontext setzt und eine Vergleichsbasis mit ähnlichen Produkten schafft. Bei der Darstellung der Performance von Fonds auf morningstar.de gehen wir noch einen Schritt weiter: Kategorie und Kategorie-Index sind deshalb auch ein ganz wesentliches Instrument in unseren Fondsübersichten. Wie Abbildung 1 zeigt, sehen Sie – hier am Beispiel des DWS Deutschland – auf den ersten Blick, wie sich ein Fonds (rote Linie) im Vergleich zu seiner Benchmark (grüne Linie) und im Vergleich zu ganz ähnlichen Produkten (orangene linie) entwickelt hat.

Abbildung 1: Wertentwicklung im Vergleich mit Benchmark und Kategorie

 

Neben der Einordnung der verschiedenen Investmentfonds und damit der Reduktion von Komplexität am Anlagemarkt, sind die Morningstar Kategorien ein ganz wesentliches Instrument für unser quantitatives Sterne-Rating. Jeder Fonds, von dem wir die Portfolio- und Performancedaten über drei Jahre hinweg auswerten können, erhält automatisch unser Sterne-Rating, sofern es sich nicht um spezielle Fondsgruppen handelt, etwa Geldmarktfonds (geringe Differenzierungsmöglichkeit) oder alternative Fonds (extreme Heterogenität auch bei Gruppen mit ähnlichen Instrumenten).

Das Sterne-Rating setzt die Wertentwicklung ins Verhältnis zu den Fondsrisiken unter Berücksichtigung der Gebühren. So wird das Rendite-Risiko-Profil in Relation zu vergleichbaren Fonds gesetzt. Das stellt sicher, dass Äpfel mit Äpfel verglichen werden. Denn es wäre weder gerecht noch valide, zum Beispiel einen Fonds, der in deutsche Standardwerte investiert, mit einem Fonds zu vergleichen, der als Anlageuniversum Small- und Mid-Caps aus Emerging Markets hat. Risiken, Branchenaufteilung oder die politische Lage sind jeweils viel zu unterschiedlich, um hier die Wertentwicklungen über einen Kamm zu scheren.

Wenn es schlussendlich zu einem Rating kommt, erhalten die nach Wertentwicklung 10% besten Fonds einer Kategorie, bereinigt um Kosten und Risiko, nach mindestens drei Jahren ein Rating von fünf Sternen. Die nach Wertentwicklung 22,5% folgenden Fonds erhalten vier Sterne. 

Abbildung 2: Sterne im Morningstar Rating

Fondssuche mit Hilfe der Morningstar Kategorien

Wie wenden Sie also nun unsere Tools bei der Fondssuche an? Um sich nun anhand der Fondskategorien einen Überblick über das Fondsuniversum zu verschaffen, können Sie mit dem Tool „Kategorie Renditen“ die Wertentwicklung von rund 350 Morningstar Kategorien, standardmäßig sortiert nach der annualisierten 3-Jahres-Performance (Abb. 3, rote Markierung) betrachten. Für die langfristige Vermögensanlage ist sie ein wesentlich besserer Ausgangspunkt als etwa die Monats- oder Jahresperformance. Zudem sehen Sie die Standardabweichung (Abb. 3, blaue Markierung), die eine Kennzahl für das Risiko in der jeweiligen Kategorie ist und damit ein Indikator, wie schwankungsanfällg Fonds der entsprechenden Kategorie in den vergangenen drei Jahren waren. Typischerweise ist es so, dass Anleihe-Kategorien als risikoärmere Investments eine geringere Standardabweichung haben als beispielsweise eine Aktienkategorie.

Abbildung 3: Standard-Einstellung von Kategorie Renditen auf morningstar.de



Mit einem Klick in die oberste Zeile (Abb. 4, hellblaue Markierung) können Sie die Kategorien nicht nur nach Performance oder Standardabweichung, sondern auch nach Bezeichnung sortieren. Bei der alphabetischen Sortierung sehen Sie so ähnliche Investmentuniversen wie beispielsweise Branchenfonds (gekennzeichnet durch „Branchen: xyz“), Aktienfonds nach Ländern und Regionen, Mischfonds, Geldmarktfonds oder Anleihefonds untereinander aufgelistet. Zur besseren Übersicht können Sie sich auch nur bestimmte Typen von Fonds anzeigen lassen. Mit einen Klick auf des Drop-Down-Menü (Abb. 4, rote Markierung), können Sie die Auflistung filtern nach Aktien-, Anleihe-, Misch- oder anderen Fonds – letztere beinhalten beispielsweise Immobilienfonds oder Rohstoffonds.

Abbildung 4: Auswahl und Sortierung der Morningstar Kategorien

Wenn Sie nun eine bestimmte Kategorie mit einen Klick auswählen, gelangen Sie zu einer Auflistung mit allen Fonds, die unter dieser Kategorie zu finden sind und also ähnliche Wertpapiere enthalten. Zugleich wird Ihnen ein weiteres, sehr nützliches Tool angezeigt: Fonds-Quickrank. Im dritten Teil unserer Fondssuche-Tutorials helfen wir Ihnen, das Tool mit seinen verschiedenen Auswahlmöglichkeiten für die Fondssuche einzusetzen.

Abbildung 5: Fonds-Quickrank

Zusammengefasst ermöglichen unsere Morningstar-Kategorien also den Vergleich einer homogenen Fondsgruppe. Weitere Tools, die sich noch dezidierter mit der Fondssuche befassen und einen tieferen Einblick gewähren, stellen wir Ihnen in den kommenden Tutorials III und IV vor. Wir zeigen Ihnen dann unter anderem, wie sich bestimmte, von Ihnen ausgewählte Fonds miteinander vergleichen lassen und wie sie Klumpenrisiken bei der Kombination verschiedener Portfolios auf einen Blick erkennen.

 

Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist Research Editor bei Morningstar.