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Abflüsse aus Bond-Produkten drücken ETF-Absatz ins Minus

Mai-Bilanz zeigt, dass die Korrektur am Rentenmarkt Spuren beim ETF-Vertrieb hinterlassen hat. Aktien-ETFs landen dagegen Dank des Comebacks des iShares DAX in positivem Terrain.  

Ali Masarwah 12.06.2015

Die scharfe Korrektur am Europäischen Rentenmarkt hat im Mai bei ETF-Anlegern für Zurückhaltung gesorgt. Bond-ETFs mussten zum ersten Mal seit Juni 2013 Nettoabflüsse in einer Monatsperiode hinnehmen. Vor allem aufgrund von Verkäufen bei Euro-Bond-ETFs verzeichneten Anleihe-ETFs netto-Abflüsse von 1,5 Milliarden Euro – das waren zugleich die höchsten jemals gemessenen Abflüsse in europäische Bond-ETFs in einem Monat.

Die Erholung bei Aktien-ETFs, die noch im Vormonat Abflüsse hinnehmen mussten, konnte diese Abflüsse ebenso wenig kompensieren wie die Zuflüsse in Rohstoff-Indexprodukte und Geldmarkt-ETFs. Mit leichten Abflüssen von 88,3 Millionen Euro verzeichnete die europäische ETF-Branche erstmals seit September 2014 Nettomittelabflüsse.

Tabelle: ETF Absatz im Mai nach Asset-Klasse

Die höchsten Abflüsse auf Ebene der Morningstar Kategorien mussten britische Aktien-ETFs für Standardwerte verkraften, die Abgänge von netto 873 Millionen Euro sahen. Das Gros der Verluste ging jedoch auf das Konto von Rentenprodukten. Vier der zehn Kategorien mit den höchsten Nettoabflüssen waren EUR-Bond-Kategorien. Vor allem Produkte mit Fokus auf lange Laufzeiten, die unter der Bond-Korrektur seit Ende April am stärksten gelitten haben, mussten kräftig abgeben. Auch EUR Staatsanleihe-ETFs wurden im Mai stark verkauft. Auch der Verkauf bei US-Standardwerte-ETFs setzte sich fort.

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Abflüssen im Mai

Stark gefragt waren dagegen Deutschland-Aktien-ETFs. Genauer gesagt gingen die Zuflüsse in dieser Kategorie in erster Line auf Käufe beim iShares Core DAX zurück, der im Vormonat noch 3,5 Milliarden Euro an Abflüssen hatte hinnehmen müssen. Der größte DAX-ETF am Markt verbuchte Zuflüsse von 658 Millionen Euro, aber auch der db–xtrackers DAX (DR) sah mit Zuflüssen von 258 Millionen Euro eine hohe Nachfrage.

Der Run auf Eurozonen-Aktien-ETFs setzte sich im Mai weiter fort, und auch Japan-Standardwerte-ETFs sowie USD-Hochzins-ETFs sahen erneut hohe Zuflüsse. Ungeachtet der relativ schwachen Performance und eines schlechten Nachrichtenlage mit Blick auf die Makro-Aussichten für Schwellenländer konnten Emerging Markets-Aktien-ETFs erstmals seit Februar wieder eine steigende Nachfrage verzeichnen. Die Zuflüsse von gut 500 Millionen Euro waren zugleich die höchsten Zugänge in einem Monat seit Juli 2014.

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Zuflüssen im Mai

Ein Blick auf die Vertriebsbilanz der größten zehn ETF-Anbieter zeigt, dass Marktführer iShares unter Abflüssen aus Bond- und Aktien-ETFs gleichermaßen zu leiden hatte. Den Zuflüssen in DAX-ETFs und USD-Hochzins-ETFs standen hohe Abflüsse u.a. aus S&P 500 ETFs und EUR Unternehmensanleihe-ETFs gegenüber. Noch höhere Abflüsse musste State Street hinnehmen. Die Amerikaner litten vor allem aus Abflüssen aus dem SPDR S&P US Dividend Aristocrats, der gut 360 Millionen Euro an Abflüssen verkraften musste.

Die höchsten Zuflüsse unter den großen Anbietern sahen dagegen Lyxor, Source und die Commerzbank-Tochter ComStage. Der französische Anbieter profitierte von der hohen Nachfrage nach Euro Stoxx 50-, CAC 40- und S&P 500-ETFs. Source verdankte seine positive Absatzbilanz den Zuflüssen in STOXX Europe und FTSE 250 ETFs, und ComStage verzeichnete hohe Zuflüsse in Short-Bund ETFs und US-Geldmarkt-ETFs.

Tabelle: Die Mai-Absatzbilanz der größten europäischen ETF-Anbieter

Die Übersicht der größten ETFs am Markt spiegelt sowohl die großen Tendenzen des Monats Mai als auch Mikro-Themen wider, die bereits seit längerer Zeit zu beobachten sind. Von den hohen Zuflüssen in Eurozone Aktien-ETFs profitierten die beiden Euro STOXX ETFs von iShares und Lyxor. Die hohen Abflüsse aus Bond-ETFs werden anhand der Absatzbilanz des iShares Core Euro Corporate Bond ETF illustriert.

Mit Blick auf die bereits länger zu beobachtenden Trends setzten sich Umschichtungen aus teuren ETFs der ersten Generation in günstigere Standard-ETFs fort. Die Zuflüsse beim Vanguard S&P 500 setzten sich fort wie auch beim iShares Core S&P 500. Auffällig ist allerdings, dass sich die Zuflüsse in den größten ETF europaweit zuletzt deutlich verlangsamt haben, während der Vanguard-ETF stetig zulegt und gegenüber dem Produkt des Marktführers aufholt.

Dagegen fallen der iShares S&P 500 Dist und auch der iShares EURO STOXX 50 immer stärker zurück. Dies spiegelt den Kannibalisierungs-Effekt wider, den iShares durch das Nebeneinander von günstigen Core-Produkten und den deutlich höher gepreisten Legacy-Produkten in Kauf nehmen muss. Auch dies ist ein bereits seit Längerem zu beobachtender Trend am europäischen ETF-Markt.

Tabelle: Die Mai-Absatzbilanz der größten ETFs in Europa

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.