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Welche Mischfonds schützten das Anlegergeld am besten?

Bilanz diverser Mischfondskategorien entlässt den Sommer der Unzufriedenheit mit einer halbwegs versöhnlichen Note. Eine Übersicht über Performance und Risikomanagement der großen Mischfonds-Kategorien.

Ali Masarwah 07.09.2015

Der Blick aus dem Fenster zeigt, dass sich ein phantastischer Sommer seinem Ende entgegen neigt. Kühler Wind, Wolken und kräftige Schauer haben das omnipräsente mediterrane Wetter abgelöst. Viele Kapitalmarktanleger dürften mit Blick auf die Wonnemonate dagegen bestenfalls ambivalente Gefühle verspüren. Für sie haben die Schauer und Gewitter schon ab Mitte April eingesetzt. Zunächst gab es an den Rentenmärkten kräftige Rücksetzer, die ab Mai von Turbulenzen am Aktienmarkt begleitet wurden. Diese weiteten sich Ende August zu einer handfesten Korrektur aus. 

Wir wollen die Folgen dieser Doppelkorrektur, die ältere Semester unter den Anlegern an das Jahr 1994 erinnern dürfte, als Aktien und Renten gleichermaßen in den Keller rauschten, für Mischfonds etwas näher betrachten. Wie haben die einschlägigen Mischfondskategorien die Sommer-Korrektur überstanden? Absolut und relativ gegenüber den gemischten Benchmarks, die wir als Messlatte für Aktien-Renten-Produkte verwenden? Natürlich wollen wir auch einen Erklärungsversuch dieser Sommerbilanz unternehmen und die Ergebnisse auch in den langfristigen Kontext setzen. 

Vier Morningstar Mischfondskategorien für EUR Anleger im Blick

Kommen wir zunächst zur Sommerbilanz. Wir haben uns vier global investierende EUR-Mischfondskategorien vorgenommen, welche zu den klassischen Risikoprofilen von Anlegern passen: 

  1. EUR Mischfonds defensiv für die eher risikoaversen Anleger. Diese Produkte begrenzen typischerweise die Aktien(fonds-)quote auf 35%;
  2. EUR Mischfonds ausgewogen: Diese Fonds weisen eine Aktien(fonds-)quote von zwischen 35 und 65% auf. Sie werden typischerweise von durchschnittlichen Langfristanlegern frequentiert; 
  3. EUR Mischfonds flexibel: Diese Kategorie besteht aus den Fonds, die das Anlegervermögen vollkommen frei allokieren können. Hier dürfte der Manageransatz im Fokus stehen, frei nach dem Motto: Gottvertrauen, Managervertrauen;
  4. EUR Mischfonds aggressiv. Hier handelt es sich um Aktiennahe Produkte, die in der Regel zu über 65% in Aktien(fonds-) investieren. Hier dürften sich die Freunde der Aktienanlage wohl fühlen.

Wir haben nachgesehen, wie hoch der maximale Verlust zwischen April und Ende August in diesen Kategorien ausgefallen ist. Die zweite Seite der Medaille: wie war die absolute Performance? Dabei haben wir, um die teilweise hohen kurzfristigen Bewegungen an den Märkten einzufangen, Wochendaten bei der Rendite-Risiko-Messung verwendet. Als Messlatte für den Erfolg bzw. Misserfolg haben wir die jeweiligen Aktien-Renten-Indizes verwendet, die wir diesen Kategorien zuweisen.

Defensive Mischfonds lassen wir gegen eine 75:25 Renten-Aktien-Benchmark laufen; ausgewogene und flexible Mischfonds müssen sich an einer 50:50-Benchmark messen, und aggressive Mischfonds vergleichen wir mit einer 25:75 Renten-Aktien-Benchmark. Dabei verwenden wir einen Index für die jeweilige Asset-Klassen: den Barclays Euro Aggregate Bond TR, der größtenteils aus EUR-Staatsanleihen besteht (aber Supranationals und Corporates beimischt), auf der Rentenseite und den FTSE World TR auf der Aktienseite, der weitgehend vergleichbar ist mit dem für Anleger im deutschsprachigen Raum vertrauteren MSCI World. 

Die untere Tabelle zeigt die Bilanz der Mischfonds auf Kategorieebene. Die Bilanz der aktiv verwalteten Mischfonds kann sich zwischen April und Ende August auf der Risikoseite sehen lassen. Alle vier Kategorien konnten die maximal angefallenen Verluste besser begrenzen als ihre Vergleichsindizes.

Besonders gut schnitten offensive Mischfonds ab, die in der Stressphase in der Spitze um 8,8% nachgaben, deutlich weniger als der aktienlastige Index, der um maximal 10,2% auf dem Tiefpunkt verlor. Ausgewogene Mischfonds hielten ebenfalls der Korrektur ordentlich stand (der Drawdown war 100 Basispunkte geringer als bei der Benchmark), defensive Mischfonds gaben ebenfalls weniger nach; lediglich flexible Mischfonds fielen weitgehend im Gleichklang mit der Messlatte – nur 16 Basispunkte flacher war ihr Performance-Tal gegenüber dem Index.

Tabelle: Mischfondsbilanz zwischen April und Ende August 

Kommen wir nun zur Performance-Bilanz. Sie besagt, frei nach Altkanzler Helmut Kohl, was hinten rausgekommen ist. Während der maximale Verlust viel über den Weg aussagt, den ein Fondsmanager einschlägt, ist die Rendite das Ergebnis von seinen Bemühungen. Hier ist die Bilanz gemischt. Bemerkenswert ist, dass ausgewogene und defensive Mischfonds auch im Ergebnis ihre Indizes übertreffen konnten. Ausgewogene Fonds begrenzten den Verlust in den vier untersuchten Monaten auf 5,3%, defensive Mischfonds gaben im Schnitt um 3,96% nach. Das waren 64 bzw. 31 Basispunkte besser als der jeweilige Vergleichsindex. Dagegen lagen aggressive Mischfonds 17 Basispunkte hinten, und flexible Mischfonds verloren mit Minus 5,94% im Schnitt gut 50 Basispunkte mehr als eine 50:50-Benchmark. 

Kommen wir nun zur Ursachenforschung. Zwei Gründe für die Verlustminimierung stechen hervor. Zum einen die hohen Cash-Quoten. Sie lagen zwischen 10% (bei aggressiven Mischfonds) und 20% (bei flexiblen Mischfonds), wie aus der unteren Tabelle hervorgeht. Cash war zwischen April und August also König. Ein Cash-Konto ist nun einmal ein optimaler Diversifizierer in turbulenten Zeiten, zumal die Volatilität der beiden großen Anlagesegmente von Mischfonds erhöht war. 

Tabelle: Aktien, Renten, Cash: Die Asset Allocation der Mischfondskategorien

Zum anderen war die Volatilität im Aktiensegment „Dank“ der doch recht ausgeprägten August-Korrektur im Ergebnis ausschlaggebend. Wer in Erwartung einer ausgeprägten Bond-Korrektur auf dem Höhepunkt des Renditeanstiegs die Aktienquote erhöhte, dürfte aufs falsche Pferd gesetzt haben. Gemessen an der Umlaufrendite deutscher Anleihen haben sich die Bond-Märkte ab Mitte Juni per Saldo eher entspannt, während sich die Emerging-Markets-Aktienkorrektur hiernach auf die entwickelten Märkte ausdehnte, und der erstarkte Euro in global diversifizierten Wertpapierportfolios per Ende August einigen Schaden angerichtet haben dürfte. 

Ausgewogene Mischfonds hatten eine im Schnitt knapp sechs Punkte tiefere Aktienquote als flexible Mischfonds, und defensive Mischfonds lagen im Schnitt mit einer Aktienquote von nur 14% weit unter der Benchmark und nicht einmal annähernd am 35%-Limit der Kategorie. 

Performance-mindernd wirken sich naturgemäß die Kosten von Fonds aus. Am stärksten zogen die Kosten flexible Mischfonds nach unten. Sie und aggressive Mischfonds müssen die höchsten Kostennachteile ausgleichen. Die indikativen Kosten – es handelt sich um die testierten, zuletzt gemessenen Gesamtkosten – waren bei flexiblen Mischfonds mit durchschnittlich 2,08% am höchsten, mit einer TER von 1,52% lag die durchschnittliche Belastung bei defensiven Mischfonds am tiefsten. 

Risikomanagement im langfristigen Kontext: War es das wert? 

Wagen wir zum Schluss einen eher längerfristigen Blick auf die Rendite-Risiko-Bilanz der vier Mischfondskategorien. (Wir haben den maximalen Verlust und die Volatilität hier auf Monatsebene abgetragen.) Es fällt auf, dass defensive Mischfonds die beste Bilanz aufweisen. Der maximale Verlust und die Volatilität waren geringer als die Risikokennzahlen des gemischten Index. Bei ausgewogenen Mischfonds fiel die Volatilität einen Tick niedriger als beim Index aus. Ansonsten waren der maximale Verlust und die Volatilität bei Fonds höher als bei den Indizes. Per Saldo war das Risikoprofil im Durchschnitt bei den meisten Kategorien ungünstig.

Tabelle: Die Langfristbilanz der vier großen Mischfondskategorien 

Neben der belastenden Wirkung der Kosten dürfte es den meisten aktiven Managern mit Blick auf das Risikomanagement schwer fallen, zu jeder Marktphase „das Richtige“ zu tun. Es manifestiert sich das Timing-Problem, vorwiegend dürfte hier die Festlegung der Aktienquote im Mittelpunkt stehen; diese Entscheidungen dürften von tendenziell prozyklischem Handeln der Fondsmanager geprägt sein. Das offenbart sich auch beim Blick auf die Performance-Kennzahlen der vergangenen Jahre. 

Besonders schlecht fällt die Bilanz der Kategorie der flexiblen Mischfonds aus, in der taktische Ansätze überdurchschnittlich vertreten sein dürften. Wer seine Aktien- und Renten- (und Cash-) Quoten völlig frei festlegen kann, setzt sich offenbar besonders häufig der Timing-Versuchung aus. Flexible Mischfonds lagen seit 2010 pro Jahr im Schnitt gut 560 Basispunkte hinter einer 50:50-Aktien-Renten-Benchmark.

Ausgewogene Mischfonds verfehlten diesen Index zwar ebenfalls deutlich, lagen aber deutlich vor flexiblen Produkten. Der Aktivismus der Fondsmanager tut Mischfondsanlegern offenbar nicht gut. Zumal dann nicht, wenn, wie 2010 bis heute der Fall, wenn die Märkte sich in einem säkularen Aufwärtstrend befinden, der von volatilen Phasen durchsetzt ist. Auf diese haben die Fondsmanager offenbar reagiert. Und haben -- wiederum per Saldo -- zu oft aufs falsche Pferd, also auf Sicherheit, gesetzt. Die Zeit wird zeigen, ob es dieses Mal wirklich "anders" ist, oder ob die Kapitalmärkte, angefeuert vom billigen Zentralbankgeld, ihren Aufschwung fortsetzen werden.   

 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.