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Die 10 größten ETF-Dachfonds: Vermögen, Kosten und Wertentwicklung

ETF-Dachfonds mit Vertriebszulassung in Deutschland verwalten gut 16 Milliarden Euro. Wir schauen genauer auf die 10 größten Produkte: Was sind Dachfonds-Kosten im Verhältnis zu den Zielfonds? Wie ist die Wertentwicklung im Vergleich mit ihrer jeweiligen Morningstar Kategorie?

Michael Haker 13.11.2015

Insgesamt verwalten Dachfonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, gut 110 Milliarden Euro. Dazu gehören 141 ETF-Dachfonds, deren Anteil an diesem Vermögen gut 12-14% ausmacht. Als ETF-Dachfonds definieren wir alle Dachfonds, in denen börsengehandelte Indexfonds ein Gewicht von mindestens 45% haben. Per Ende März 2015 hatten sie gut 11,4 Milliarden Euro in ETFs investiert. Dabei sind in den zehn größten ETF-Dachfonds gut 10 Milliarden Euro investiert. Der ETF-Dachfonds-Markt in Deutschland ist also sehr kopflastig.

Das Gros der ETF-Dachfonds (81,5%) ist in den Mischfondskategorien einzuordnen. Sie investieren also in einen Asset-Mix aus Aktien, Anleihen, Geldmarkt-Fonds oder Rohstoffen. Die meisten sind in der Morningstar Kategorie Mischfonds EUR flexibel (27,6%) zu finden, gefolgt von Mischfonds EUR ausgewogen (14,2%) und Mischfonds EUR defensiv (7,1%). Reine Aktien-Produkte haben einen Anteil von gerade einmal 12,8% am gesamten ETF-Dachfondsuniversum. Fast alle von ihnen sind in der Morningstar Kategorie Aktien Weltweit Standardwerte Blend zu finden.

Die größten Dachfonds nach Fondsvolumen

Per Ende Oktober 2015 stammen die größten Dachfonds von der UniCredit-Tochter Pioneer Investments, der Vermögensverwaltung Feri Trust und der Deutschen Bank. Das zeigt die unten stehende Tabelle. Jeweils über zwei Milliarden Euro schwer und damit auf den vordersten Plätzen befinden sich der HVB Vermögensdepot Privat Balance und der Best Global Concept Opportunities, der zugleich auch der größte Aktien-ETF-Dachfonds ist. Es folgen die ausgewogenen Mischfonds Deutsche Bank Best Allocation und das HVB Vermögensdepot Privat Wachstum. Etliche dieser Produkte sind bereits seit über zehn Jahren auf dem Markt. Die jüngsten Produkte unserer Top 10-Auswahl kommen überwiegend von der Deutschen Bank. 

Bei den Kosten gibt es erhebliche Unterscheide zwischen den Produkten. Wir haben in der Tabelle oben die laufenden Gebühren (KIID Ongoing Charge) sowie die Managementgebühren ausgewiesen. Der Unterschied liegt in dem, was beide Kosten inkludieren. Der Ongoing Charge nähert sich den Gesamtkosten an und enthält die Management-Gebühren für den Dachfonds, Kosten für die Zielfonds, etwaige Performance-Gebühren und Depotkosten. Nicht enthalten sind Trading-Kosten und gegebenenfalls erhobene Performance-Gebühren.

Die Managementgebühr beinhaltet hingegen die maßgeblichen Kosten, die auf Dachfondsebene enstehen. Vereinfach könnte man also sagen: je höher der Unterschied zwischen Management fee und Ongoing Charges, desto höher dürften die Zielfondskosten sein, die der Dachfonds bzw. die Anleger zu tragen haben. (Kickbacks werden dabei den Dachfonds gutgeschrieben.) 

Den größten Unterschied zwischen den beiden Gebühren konnten wir bei Best Europe Concept ausmachen (1,7%). Der Dachfonds hielt bislang einen vergleichsweise hohen Anteil an aktiv verwalteten Zielfonds. Sie kosten traditionell mehr als börsengehandelte Indexfonds, was den Schluss zulässt, der dass der Dachfonds auch höhere Zielfondskosten aufweist. Aktive Fonds sind insbesondere im April diesen Jahres wieder auf einen Anteil von über 50% gestiegen, nachdem der Source Man GLG Europo plus – ETF aus dem Portfolio geflogen ist. Dessen Gewichtung belief sich bis dahin auf 6-7%.

Vergleichsweise kleine Unterschiede zwischen Management fee und Ongoing Charges machen wir bei den HVB Vermögensdepots und den db Privatmandat-Dachfonds aus. Bei diesen Mischfonds ist der Anteil an günstigen ETFs im den Portfolios seit Dezember 2013 konstant geblieben: Die HVB Vermögensdepots halten um die 63% bis 69% ETFs, bei den beiden db Privatmandat-Produkten sind es konstant mehr als drei Viertel an passiven Produkten. Aktive Fonds sind hier also eher eine Ausnahme. Das spricht hier also für niedrigere Zielfonds-Kosten der genannten vier ETF-Dachfonds und somit den geringen Unterschied zwischen den beiden Kostenquoten.

Der mit Abstand günstigste ETF-Dachfonds kommt aus dem Hause UBS. Auch er enthält einen signifikant höheren Anteil an ETFs als aktiv verwaltete Produkte.

Performance: durchwachsen

Die beiden Produkte in den globalen Aktienkategorien konnten im laufenden Jahr 10,9% beziehungsweise 12,5% erzielen. Auf Sicht von drei und fünf Jahren liegt das Plus bei gut 15,5% beziehungsweise 9,7% bis 10,7% pro Jahr. Verglichen mit dem MSCI World liegen beide ETF-Dachfonds deutlich hinten. Mit einem Indexfonds auf den weltweiten Standardwerte-Index hätten Anleger im laufenden Jahr gut 13,9% verdient, auf drei und fünf Jahre lag das Plus bei rund 18,7% beziehungsweise 13,8% jährlich.

Bei den oben abgebildeten Mischfonds ist die Wertentwicklung deutlich geringer, was am mehr oder weniger hohen Rentenanteil liegt. Bis auf die beiden db Privatmandat-Dachfonds war die Wertentwicklung 2015 bisher positiv, auf drei Jahre haben diese beiden flexiblen Mischfonds ein jährliches Plus von 8% erzielt. Insgesamt liefern alle gemischten ETF-Dachfonds auf drei und fünf Jahre eine positive Wertentwicklung ab.

Die größten ETF-Dachfonds im Performance-Check

 

Blicken wir nun auf die Performance der gemischten Dachfonds relativ zum Kategorieindex. Wir haben dazu die kumulierten Überrenditen (Excess Return) im laufenden Jahr, auf drei und fünf Jahre in den Spalten rechts der Tabelle oben abgebildet. Im laufenden Jahr lief nur der Aktien-Dachfonds Best Europe Concept besser als der Kategorieindex. Auf eine Sicht von drei und fünf Jahren lag aber keiner der zehn größten ETF-Dachfonds über der seiner Benchmark.

Auf drei Jahre am weitesten hinten liegt der 1,3 Milliarden umfassende HVB Vermögensdepot Wachstum: Sein Aktien-Renten-Vergleichsindex stieg um kumuliert 27,4%, auf fünf Jahre sind waren kumuliert sogar 43,5%.  In fünf Jahren noch weiter hinten liegt das zugleich konstenintensivste Produkt, der C-QUADRAT Arts Total Return, der seit November 2010 insgesamt 50% schlechter lief als der Kategorieindex.

ETF-Dachfonds sind also keinesfalls als passive Produkt misszuverstehen. Sie werden aktiv gemanagt, und ihre Gebühren sind überwiegend mit den Kosten herkömmlicher Dachfonds vergleichbar. Dass diese Produkte ETFs einsetzen, ist für Anleger also nicht relevant, denn es kommt bei Dachfonds auf das Handling bzw. das Ergebnis an und nicht auf den Inhalt. 

Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist freier Mitarbeiter bei Morningstar.