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Fondsbilanz 2015: Zeit für Nebenwerte

Unter den Fondskategorien gab es 2015 viele Gewinner, auch wenn Anleger unterjährig kräftig durchgeschüttelt wurden. Wir haben die Gewinner und Verlierer unter den für Investoren in Deutschland wichtigsten Morningstar Fondskategorien ermittelt und dabei einen interessanten Mega-Trend ermittelt.

Die Performance vieler Investments war 2015 besser, als es die Stimmung im Dezember und Januar vermuten lassen würde.  Seit Ende vergangener Woche liegen uns die Performance-Daten auf Ebene der Morningstar Kategorien vor, Zeit also zum letzten Innehalten in einem finalen Rückblick. Zusammenfassend blicken wir auf einen in seiner Eindeutigkeit überraschenden Trend: Aktienfonds für Nebenwerte waren 2015 die großen Gewinner. Dabei konnten die „Kleinen“ erneut den großen Standardwerten den Schneid abkaufen, der volatilen Marktphase im Sommer und Herbst 2015 zum Trotz. Das vergangene Jahr hat erneut gezeigt, dass sich ein Blick abseits der klassischen Blue Chips lohnen kann. Das zeigt sich beim Blick auf die Performance der für deutsche Investoren wichtigsten Morningstar Kategorien. 2015 war erneut ein Jahr der Nebenwerte. Ein ebenso eindeutigen Trend gab es auch mit Blick auf die Verlierer. Die hintersten Kategorie-Ränge werden hingegen von Rohstoffwerten und den Kandidaten gefüllt, die vor einigen Jahren noch als Hoffnungsträger und Renditebringer gepriesen wurden: Schwellenländer-Aktien.

Performance-Gewinner 2015: Europa Nebenwerte, Japan und Schweiz

Kommen wir zunächst zu den Morningstar-Kategorien, die das vergangene Jahr am besten abgeschlossen haben. Ganz oben auf der Gewinnerliste stehen europäische Small Caps, die im vergangenen Jahr gut 26% zulegten. Small Caps aus Ländern der Eurozone erzielten ein Jahresplus von 25,3%. Small Caps liefen damit gut 16 Prozentpunkte besser als Fonds für europäische Large Caps (Blend) und rund 5 Punktebesser als Fonds für europäische Mid Caps, die es allerdings auch in die Liste der besten 15 Kategorien in der unteren Auswahl schafften.

Ebenfalls weit oben auf der Gewinnerseite stehen japanische Aktien. Hier überzeugten sowohl Standardwerte (+21,8%), als auch japanische Nebenwerte (+24,6%). Neben der Geldpolitik der japanischen Notenbank – die Bank of Japan tritt seit 2010 in großem Stil als Käufer von japanischen ETFs auf den Plan ---  spielte Euro-Anlegern der Währungseffekt in die Hände: Der Euro gab im vergangenen Jahr gegenüber dem Yen um gut 10% nach. Euro-Anlegern spielte das in die Hände und schob die Performance zusätzlich an. Der Währung sei Dank waren auch Fonds für Schweizer Nebenwerte letztes Jahr eine der besten Performer 2015, nachdem der Franken im Zuge der Abkoppelung vom Euro kräftig aufwertete.

Europäische bzw. Eurozonen-Mid Caps lieferten mit einem Plus von 21,7% beziehungsweise 21,3% ebenfalls respektable Jahresrenditen. Erstere Kategorie ist stark von Aktien aus Großbritannien und der Schweiz geprägt, letztere Kategorie wird hingegen von Frankreich und Deutschland geprägt. Auch längerfristig, auf Sicht von drei Jahren lagen europäische Nebenwerte mit einer jährlichen Performance von gut 18,6% bis 20% bei Small Caps und 16,3% bis 16,8% bei Mid Caps vor Europa-Standardwerten. Interessanterweise bewahrheitete sich in den letzten drei Jahren nicht das traditionelle Bild, dass Nebenwerte riskanter sind als Standardwerte: die Volatilität der Small und Mid Cap-Kategorien liegt seit Anfang 2013 bei einem Wert von 11% bis 12% pro Jahr, was etwa auf dem Niveau von europäischer Large Caps ist (11,8% p.a.).

Tabelle: die Top15 Morningstar Kategorien im Jahr 2015

Top 15 Kotagorien in 2015

Deutlich volatiler ging es 2015 bei Chinesischen A-Shares zu, die auf drei Jahre eine Standardabweichung von über 27% pro Jahr aufweisen und in den letzten drei Jahren einen maximalen Verlust von 34,9% brachten. Anleger mussten hier auf längere Sicht also starke Nerven zeigen und wurden dafür mit einem Jahresplus von immerhin 21% entschädigt; In der zweiten Jahreshälfte gerieten die Kurse am Markt für A-Shares allerdings kräftig unter Druck; von der per Saldo guten Entwicklung profitierten nur Investoren, die länger dabei waren. Die deutlichen Kursschwankungen setzten sich in den ersten Handelstagen des neuen Jahrs allerdings fort, genauso wie bei den beiden am besten gelaufenen Sektor-Fondskategorien: Biotechs und Healthcare.

Biotech-Aktienfonds waren einem Plus von 19,1% in 2015 erneut eine der Top-Sektoren für Anleger und mit einer Rendite von 37,9% jährlich die mit Abstand beste Fondskategorie der letzten drei Jahre – allerdings auch einer der schwankungsintensivsten mit einer Volatilität von 21,7% per annum seit 2013. Auf drei Jahre die zweitstärkste Kategorie insgesamt (+26,6%) sind Fonds für Gesundheitsaktien, die 2015 immerhin im Schnitt 17,2% im Plus lagen. Beide Kategorien können typischerweise von einer hohen M&A-Aktivität profitieren und werden von US-Unternehmen geprägt. Ein weiterer Gewinner waren Aktienfonds mit Schwerpunkt Nordeuropa. Skandinavische Titel konnten im letzten Jahr vor allem von der erfreulichen Wertentwicklung dänischer Aktien (+36,3%) sowie schwedischer Nebenwerte (+31,5%) profitieren. Bei letzteren trug auch wieder der Währungseffekt einen kleinen Teil bei, da der Euro zur schwedischen Krone vergangenes Jahr leicht abwertete.

Schlusslichter Lateinamerika und Rohstoffe

Kommen wir nun zu den Verlierern des vergangenen Jahres. Die untere Tabelle der schwächsten Fondskategorien 2015 offenbart die ganze Malaise von Schwellenländeranlagen, die nicht nur durch die Aktienmarktentwicklung ihren Ausdruck findet, sondern auch anhand der Rohstoffpreisentwicklung. Nicht zufällig traf es 2015 dabei Fonds der Morningstar Kategorie Aktien Brasilien besonders hart, die im Schnitt auf Euro-Basis um 35,7% einbrachen. Das Wachstum in Brasilien ist seit Jahren anämisch, die Inflation liegt inzwischen bei über 6%, und die hohen Zinsen --- der Leitzins liegt bei 14% --- schnüren die Wirtschaft regelrecht ein. Das Brutto-Inlandsprodukt soll 2015 um rund 3% geschrumpft sein.

Tabelle: Performance-Schlusslichter im Jahr 2015

Flop15 Kategorien in 2015

Diese Misere drückt seit Jahren auf die Börsenentwicklung. Brasilien-Aktienfondsanleger aus der Eurozone mussten pro Jahr seit Anfang 2013 einen Verlust von durchschnittlich 21,6% hinnehmen. Der maximale Verlust von knapp 53% in drei Jahren kommt der Erfahrung eines Buy-and-Hold-Investors dabei recht nahe. Da Lateinamerika-Aktienfonds traditionell in hohem Maße auf Brasilien setzen, fiel das Minus bei dieser Kategorie im vergangenen Jahr mit 22% ebenfalls entsprechend deftig aus.

Doch auch die Börsen in anderen Entwicklungsländer mussten kräftig Federn lassen: Aktienfonds für ASEAN-Börsen, Nah- und Mittelostfonds --- Investoren mögen sich hier an die optimistischen Botschaften der Fondsanbieter anlässlich des so genannten Arabischen Frühling Anfang 2011 mit Grausen erinnern --- und Afrika-Fonds mussten zweistellige Verluste in den vergangenen 12 Monaten hinnehmen. Türkei- und Griechenland-Aktien zählten ebenfalls zu den Verlierern des abgelaufenen Jahres.

Die zweite Negativ-Story des Jahres 2015 betrifft Rohstoffe. Fünf der schwächsten 15 Fondskategorien stammten aus dem Bereich der Rohstoffdirektanlagen. Die höchsten Verluste mussten dabei Energiefonds mit einem Minus von 32,5% hinnehmen. Dieser Einbruch spiegelt den Verlust beim Ölpreis wider. Doch auch Sektorfonds für Energieaktien mussten ein Minus von durchschnittlich gut 18% verkraften. Auch Sektorfonds für Goldminenaktien und andere Rohstoffaktien sahen tiefrote Zahlen.  Für Industriemetalle liegen die Ursachen für den tiefen Fall 2015 in Überinvestitionen begründet, die auf zu optimistischen Einschätzungen der Rohstoffförderer mit Blick auf das Wachstum der Schwellenländer, vor allem Chinas, basierten. Den Preis der Konsolidierung zahlen bereits seit längerem die Aktien(fonds)-Investoren.

Mittelfristig wird zwar im Rohstoff-Sektor mit einer Erholung gerechnet, doch auch in diesem Jahr stehen die Zeichen vorerst weiter auf Sturm: Mit Verlusten von knapp 10% zählten Energiefonds zu den schwächsten Kategorien der ersten Börsenwoche des neuen Jahres. China-A-Fonds und Biotech-Fonds brachen im Schnitt sogar jeweils um über 10% ein. Auf einen schwachen Dezember gesellt sich ein extrem schwacher Jahresauftakt, der sich quer durch alle Risiko-Anlagen zieht.  Per 8. Januar konnten nur Edelmetall- und Edelmetallaktienfonds nennenswerte Zuwächse erzielen. Lang laufende EUR-Anleihefonds erwiesen mit einer schwarzen null im laufenden Jahr erneut ihre Steherqualitäten in Risk-off-Zeiten.

Über den Autor

Ali Masarwah und Michael Haker  Ali Masarwah ist Chefredakteur von Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz; Michael Haker ist freier Mitarbeiter von Morningstar in Frankfurt