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Schaukelbörsen machen etlichen Fondsfavoriten zu schaffen

Das turbulente Jahr 2015 brachte einige bekannte Fonds ins Schleudern; andere widerstanden der Sommerkorrektur. Die sich abzeichnende Aktienbaisse 2016 kommt wiederum Carmignac sehr zupass. Ein Überblick über die am häufigsten gesuchten aktiven Fonds auf unserer Website 2015.

Ali Masarwah 28.01.2016

In der am 21. Januar veröffentlichten Fassung unserer Übersicht wurden in der Tabelle zwei Performance-Zahlen nicht in Prozent angegeben; die Wertentwicklung des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen 2015 wurde mit 0,17 angegeben; die des Fidelity European Growth mit 0,09. Das war missverständlich, da die Performance-Daten zu den anderen Fonds in % angegeben wurden. Die Jahres-Renditen der beiden Fonds lagen bei 16,6% bzw. 8,7%. Wie im Text erwähnt, konnte damit der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen eine Outperformance gegenüber einem 50:50 Aktien-Rentenindex erzielen, der Fidelity European Growth lag ebenfalls vor seiner Benchmark. Die Performance-Zahlen in der Tabelle haben wir entsprechend nunmehr vereinheitlicht.

Inzwischen sind Aktienmarktteilnehmer weltweit von Kopf bis Fuß auf Baisse eingestellt; die meisten großen Indizes befinden sich drei Wochen nach dem Start des neuen Jahres im freien Fall. Ob DAX 30, S&P 500, Nikkei oder CAC 40: Viele Aktienmärkte haben um zehn Prozent und mehr nachgegeben. Das war über weite Strecken des vergangenen Jahres anders. Im April hatten viele Aktienbarometer neue historische Höchstmarken erreicht. Die zwischenzeitliche Volatilität im Sommer wurde von einer schwungvollen Herbsterholung weitgehend wettgemacht. Die meisten Aktienmärkte der Industrieländer beendeten das Jahr 2015 mit einer versöhnlichen Note --- bevor 2016 die Hölle losbrechen sollte.

Volatil ging es auch an den Bond-Märkten zu. Hatte es nach einer heftigen Korrektur bei Staatsanleihen im Frühjahr 2015 noch nach einem annus horribilis für Anleihen ausgesehen, erholten sich die Kurse bis Jahresende und erreichten für das Gesamtjahr sogar positives Performance-Terain. 2016 profitieren Bonds erneut von ihrer Funktion als sicherer Hafen in turbulenten Aktienmarktphasen.

Wir nehmen unsere quartalsregelmäßig erstellte Hitliste der am häufigsten gesuchten Fonds auf unserer Website zum Anlass für eine Performance-Analyse: Wie haben die wichtigen Anlegerfavoriten abgeschnitten?

Die untere Tabelle zeigt die am häufigsten angeklickten Fonds bzw. Fondsportraits auf unserer Website morningstar.de im vergangenen Jahr. Die Tabelle ist nach den am häufigsten angeklickten Fonds sortiert. So lesen Sie die Tabelle: Neben dem Namen und der ISIN des jeweiligen Fonds finden Sie das Sterne- und – soweit vorhanden – das qualitative Morningstar Analyst Rating. Abgerundet wird die Übersicht von der Performance zwischen Anfang Januar und Ende Dezember. Neben den Fonds-Renditen haben wir auch die relative Performance gegenüber der Vergleichsgruppe und dem jeweiligen Vergleichsindex aufgeführt. Ein positiver Wert in den Spalten „Performance vs Peergroup“ bzw. „Performance vs Index“ bedeutet, dass ein Fonds seine Vergleichsgruppe bzw. den Index hinter sich gelassen hat; ein negativer Wert deutet auf eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung.

Tabelle: Die Favoriten unserer Leser 2015

Auch 2015 war der flexible Mischfonds FvS Multiple Opportunities der beliebteste Fonds auf morningstar.de. Er befindet sich das zweite Jahr in Folge auf Platz eins. Der global investierende Fonds wird von Bert Flossbach verantwortet. Im Morningstar Analyst Rating wird er mit der drittbesten Note „Bronze“ bewertet. Das quantitative Fünf-Sterne-Rating illustriert das überdurchschnittlich gute Rendite-Risiko-Profil in der Vergangenheit. Die Gesamtjahresbilanz fällt überzeugend aus. Nach einer Schwächephase zwischen Juni und Ende September konnte der Mischfonds das turbulente Jahr mit einem Plus von beachtlichen 8,7 Prozent, 6,6 Prozentpunkte vor der Fondskategorie und 3,0 Punkte vor einem 50:50 Aktien-Renten-Index beenden.

Das 65-prozentige Aktienexposure per Jahresende 2015 zeigt, dass der hohe Anteil von Risiko-Assets ein wichtiger Treiber der Outperformance des FvS-Fonds war. Der große Abstand zur Konkurrenz ist umso bemerkenswerter, als der rund zehnprozentige Goldanteil bereits seit 2012 wie eine Performance-Bremse wirkt. In diesem Jahr forderte die hohe Aktienquote allerdings ihren Trubut: Per 20.1. lag der FvS Multiple Opportunities knapp sechs Prozent im Minus.

Gewohnt solide zeigte sich 2015 der defensive Europa-Mischfonds Kapital Plus von Allianz Global Investors (AGI). Der Mischfonds brachte mit einem Plus von 5,7% ein überdurchschnittliches Ergebnis zustande. Auf der Aktienseite setzt Thorsten Winkelmann die bewährte europäische Growth-Strategie von AGI um, die Rentenseite soll Stabilität ins Portfolio bringen; hier wird die Nähe zur JPM EMU Government Bond Benchmark angestrebt, wobei das Rendite-Risiko-Profil optimiert werden soll.

Deutlich war im vergangenen Jahr auch die Outperformance des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, der um 16,6% zulegte. Der Fonds führt allerdings nicht umsonst das Wort „Aktienfonds“ im Namen. Wegen seiner Nebenwertestrategie ist er der Exot unter den anderen Mischfonds unserer Übersicht. Mit einem Minus von knapp sechs Prozent in diesem Jahr wird das hohe Aktienrisiko des Fonds deutlich.

Ethna-Aktiv musste zuletzt Federn lassen

Eher schlecht als recht kamen 2015 etliche beliebte Mischfonds weg. So der Fall beim defensiven Mischfonds Ethna-Aktiv, beim ausgewogenen Mischfonds Carmignac Patrimoine A sowie beim flexibel in Aktien und Renten investierenden DWS Multi Opportunities FC. Absolut am schlechtesten schnitt der mit „Neutral“ geratete Ethna-Aktiv ab, auch wenn er zum Jahresende die Verluste auf minimale 0,1 Prozent begrenzen konnte. Diese Jahres-Performance war um 3,5 Punkte schlechter als ein rentenlastiger Vergleichsindex. Der von Luca Pesarini verantwortete Fonds lag auch 90 Basispunkte hinter vergleichbaren Produkten. Die mit knapp 43 Prozent für derartige Fonds hohe Aktienquote half bei der Aufholjagd im letzten Quartal 2015, zog den Fonds 2016 jedoch deutlich nach unten. Per 20. Januar lag der Fonds mit einem Verlust von gut vier Prozent deutlicher im Minus als Index und Vergleichsfonds.

Der von Henning Potstada verantwortete DWS Multi Opportunities FC beendete das Jahr mit einer schwarzen Null. Das minimale Plus von 0,3 Prozent war deutlich schwächer als die Rendite des 50:50 Index; der Dachfonds lag ebenfalls hinter seiner Peer Group. (Unsere Leser haben die institutionelle Tranche dieses Fonds auf morningstar.de gesucht; die allermeisten Privatinvestoren dürften nicht die notwendigen 400.000 Euro an Mindestanlagesumme aufbringen und sind damit auf die Fonds-Tranche LD angewiesen; diese Fondstranche verlor 0,3% und lag damit noch deutlicher hinter Index und Peer Group).

Auch der DWS Multi Opportunities hatte einen schwachen Jahresauftakt mit einem Verlust von knapp sechs Prozent per 20.1.

Besonders enttäuschend dürfte die Erfahrung der Anleger des Carmignac Patrimoine A im vergangenen Jahr gewesen sein. Der mit „Bronze“ bewertete Fonds konnte zwar das Jahr im Plus beenden, doch das dürfte Anleger nur wenig darüber hinwegtrösten, dass die Sommerkorrektur die Franzosen vollkommen auf dem falschen Fuß erwischte und die gesamten, sehr beachtlichen Erträge, die in den ersten Monaten des Jahres erzielt worden waren, dahinschmolzen. Nachdem dann die Carmignac-Manager die Aktienpositionen zum großen Teil abgesichert hatten, enteilten ihnen im Herbst die Aktienmärkte.

Indes zahlte sich die unverändert sehr vorsichtige Haltung Anfang 2016 aus: Der Carmignac Patrimoine verlor nur 0,4% seit Jahresanfang und lag damit einige Ellen vor Benchmark und Peer Group – ein, wenn auch schwacher, Nachhall auf 2008, als der Fonds das Jahr bemerkenswerterweise (leicht) im Plus beendete.

Deutschland-Team der DWS überzeugt 2015 erneut

Unverändert wird die Aktienseite bei unseren Favoriten von drei DWS-Fonds dominiert. Sie konnten 2015 beachtliche Erfolge erzielen, bescheren ihren Anlegern 2016 indes einen überwiegend rumpeligen Start. Vor allem der von Henning Gebhardt gemanagte DWS Aktien Strategie Deutschland konnte 2015 auch Dank der hohen Gewichtung von Nebenwerten ein Plus von knapp 30 Prozent erzielen, satte 1.650 (!) Basispunkte mehr als der durchschnittliche Deutschlandfonds und 19,8 Punkte vor dem DAX 30. Der Fonds hält ein Morningstar Analyst Rating von „Silver“.

Der etwas defensiver gemanagte DWS Deutschland, der ebenfalls ein „Silver“-Rating aufweist, hält einen deutlich höheren Anteil an großkapitalisierten Unternehmen als der DWS Aktien Strategie. Er lag mit einem Plus von 15,6% um 13 Punkte vor der Peergroup. Der Fonds wird von Tim Albrecht gemanagt.

Allerdings mussten beide DWS-Deutschlandfonds im laufenden Jahr überdurchschnittliche Verluste hinnehmen. Dies dürfte Anleger daran erinnern, dass der DWS-Ansatz in Abwärtsphasen Nerven kosten kann, wie zuletzt auch 2011 der Fall war.

Anders dagegen der Fall bei dritten DWS-Fonds im Bunde: Der DWS Top Dividende schaffte das Kunststück, nach einem überdurchschnittlich guten Jahr 2015 die Verluste 2016 zu begrenzen. Das dürfte dem konservativen Stil von Fondsmanager Thomas Schüssler geschuldet sein. Der ebenfalls mit „Silver“ bewertete Fonds lag auch 2015 weit vor Peergroup und Dividenden-Benchmark. Telekoms, Versorger und nichtzyklische Konsumgüter bleiben die Top-Übergewichte auf Sektorenebene, die sich auch auf Ebene der am favorisierten Aktien Schüsslers widerspiegelt (Nippon Telegraph & Telephone Corp, Verizon, Nestle und PepsiCO).

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.