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Mieser Start für Value-Aktien 2016

Der extrem schwache Start in das neue Jahr knüpft an den bereits verregneten Dezember 2015 an. Wie das europäische Morningstar Marktbarometer zeigt, waren Aktien Standardwerte Growth im Januar die Einäugigen unter den Blinden.

Fernando Luque 08.02.2016

Es gab sie auch, die guten Nachrichten in einem ansonsten rabenschwarzen Januar: einige große Wachstumstitel lagen im Plus, so Anheuser-Busch Inbev SA (+1,3%), LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton (+2,3% ), BG Group PLC (+3,4% ), L'Oreal  (+1,4% in Euros) und Fresenius Medical Care AG & Co (sogar +5,1%). Doch diese Kurszuwächse konnten das Minus nur mindern, keinesfalls aber das Segment der europäischen Standardwerte Growth ins Plus heben: Mit einem Verlust von 4,1% konnten sich große Wachstumswerte noch am besten aus der Affaire ziehen.

Ansonsten brachen im Januar allenorts die Dämme: Wie aus unserem Morningstar Marktbarometer hervorgeht, verloren europäische Standardwerte Value 7,7%, und Large Cap Blend Aktien lagen mit knapp 5% im Minus. Untypisch für die jüngste Vergangenheit mussten die meisten Nebenwerte-Segmente höhere Verluste hinnehmen als Standardwerte. Besonders schwach war die Performance von kleinerkapitalisierten europäischen Growth-Aktien. Unter den Nebenwerten kamen lediglich Small Cap Blend Aktien mit einem blauen Augen davon.

Im Morningstar Marktbarometer schauen wir monatlich auf die Performance des Aktienmarktes anhand der Morningstar Style Box. Sie gliedert den Morningstar Europe Developed Market Index in neun Untersegmente nach Stil und Größe. In den größten Märkten Europas segmentieren wir die Aktien der Unternehmen in Small-, Mid- und Large-Caps, sowie nach den Investmentstilen Value, Blend und Growth. In allen neun Feldern betrachten wir –gewichtet nach der Marktkapitalisierung der jeweiligen Unternehmen – die Wertentwicklung im vergangenen Monat, der letzten drei Monate sowie kumuliert auf eine Sicht von drei Jahren. In unsere Betrachtung fließt die Performance von über 1.250 Aktien ein.

Value-Titel bilden erneut das Schlusslicht

Blicken wir auf die Details. Value-Standardwerte trugen erneut die rote Laterne. Sie gehören bereits seit geraumer Zeit zu den schwächsten Performern. Im Januar waren es vor allem die deutlichen Abschläge bei den drei großen deutschen Autobauer BMW, Daimler und VW, die Verluste von jeweils rund 20% verkraften mussten. Etwas besser weg kamen Banken wie HSBC-Holdings, BNP Paribas oder Banco Santander, deren zweistelligen Verluste ebenfalls zur miesen Bilanz von großen Value-Werten beitrugen. Sie teilen sich den letzten Platz mit wachstumsorientierten Small-Caps, die im Januar ebenfalls durchschnittlich 7,7% abgegeben haben.

Januar 2016 Equity Performances

Werfen wir einen genaueren Blick in die zweite Reihe: Mid-Caps haben durch die Bank weg gut 7% abgegeben. Auch in der Gesamtbetrachtung im Dezember lagen diese Werte über alle Stile im Minus, behaupteten sich damals aber noch etwas besser als Standardwerte. Dieses etwas stärkere Minus im vergangenen Monat spiegelt das höhere Risikoprofil dieser Assetklasse wider. Nebenwerte sind im Allgemeinen volatiler als Standardwerte und Anleger müssen sich hier zeitweise auf stärkere Verluste und eine etwas längere Durststrecke gefasst machen, als es bei Standartwerten der Fall ist.

Dehnen wir den Horizont noch etwas weiter aus, wird die ganze Misere der letzten drei Monate noch deutlicher. Value-Standardwerte bilden nach wie vor das Schlusslicht mit einem durchschnittlichen Minus (gewichtet) von 11,9% seit Ende Oktober 2015. Neben den Autowerten und den großen Banken Europas drücken auf längere Sicht auch Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell und Rio Tinto, aber auch der deutsche Chemiekonzern BASF auf die Performance. Unter den Value-Kategorie am wenigsten schlimm erwischte es Mid-Caps (-8,2%), bei kleinen Value-Werten ging es 8,9% nach unten.

Etwas besser lief es bei stilagnostischen Werten (Blend), Wachstumstitel fielen in allen Größenkategorien in den vergangenen drei Monaten am wenigsten Stark. Dabei widerholt sich der Trend aus dem Value-Segment: Nebenwerte musten im Durchschnitt zuletzt nicht ganz so stark nachgaben (-3%) wie Standardwerte, deren Growth-Titel seit November 2015 um durchschnittlich 4,3% abgaben.

Equity Markets 3 Months

Auf drei Jahre ist immernoch Licht am Horizont

Zugegeben: Das sind insgesamt keine schönen Nachrichten und gefühlt wirkt das Bild, das die Aktienmärkte zeigen, extrem unfreundlich. Doch gilt es diesen Pessimismus zu relativieren: Seit dem Frühjahr 2009, spätestens seit dem Sommer 2012 sind Anleger von steigenden Kursen extrem verwöhnt worden. Auch wer sich erst Ende 2012 oder Anfang 2013 an den Aktienmarkt heranwagte, steht noch immer mit einem satten Plus da. Wie die längerfristige Bilanz unserer Aktien Style Box zeigt, machten dabei Nebenwerte die beste Figur. Auf drei Jahre kumuliert waren mittelgroße Wachstumswerte mit einem Plus von 117% per Ende Januar 2016 die Performance-Spitzenreiter. Im Growth-Segment ist das Bild bei Small-Caps ganz ähnlich (+109%), Standardwerte legten im gewichteten Durchschnitt immerhin um 77,5% kumuliert zu.

Equity Markets since 2013

Auch die zuletzt so stark gebeutelten Value-Aktien liegen auf drei Jahre nach wie vor im Plus mit 17,8% bei Small-Caps bis 20,8% im Bereich Large-Caps Value. Bei letzteren haben in den vergangenen Drei Jahren unter andere Peugeot (+42%), Swiss Life Holding (+30%) und der französiche Telefonkonzern Orange (+29%) jeweils auf Jahresebene die beste Wertentwicklung seit Anfang 2013 gezeigt. Bei den Wachstumswerten unter den Large-Caps liefen auf Drei-Jahres-Sicht drei Dänische Werte mit Abstand die beste Performance: Vestas Wind Systems (+138,8%), Genmab (+106,2%) und Pandora (+90,3%).

In einem zweiten Artikel schauen wir auf die Bewertung der Aktien, ebenfalls nach Stil und Größe. Die Übersicht runden wir zusätzlich nach mit einem Blick auf die bekannten zyklischen, konjunkursensitiven und defensiven Sektoren ab. (Lesen sie hier mehr)

Über den Autor Fernando Luque

Fernando Luque  es el Senior Financial Editor de www.morningstar.es