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Allgemeine Trump-Euphorie lässt europäische Fondsanleger kalt

Morningstar Absatzstatistik zeigt Abflüsse aus Aktienfonds im November; sehr hohe Rückgaben aus Schwellenländerfonds und Produkte für Euro-Anleihen. Aktiv-passiv-Schisma bleibt eine Konstante am europäischen Fondsmarkt.

Ali Masarwah 23.12.2016

Es passiert nicht oft, dass singuläre politische oder wirtschaftliche Ereignisse eine Wende an den Kapitalmärkten auslösen. Allem Anschein nach haben sich die Marktteilnehmer dafür entschieden, die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten als ein derartiges auslösendes Moment zu bewerten - und entsprechend zu handeln. Natürlich werden auch Nuancen zu Kenntnis genommen: So darf bei der Bewertung der Tragweite der Trump-Wahl nicht außer Acht gelassen werden, dass es an den Bond-Märkten bereits einige Wochen zuvor Anzeichen für eine Bodenbildung bei den Renditen gab.

Und dennoch: Die Schwere des Bond-Einbruchs sowie die Reichweite der Aktienhausse, zumindest, was Aktien aus den Industrieländern betrifft, die abrupten Bewegungen an den Devisenmärkten sowie der Ausverkauf bei Schwellenländer-Investments: All das wird in einen unmittelbaren Wirkungszusammenhang mit der Wahl des umstrittenen US-Politikers gebracht, wie die Entwicklung an den Kapitalmärkten seit dem 9. November gezeigt hat. 

Ein beredtes Zeugnis hierfür liefert auch das Investmentverhalten von ETF-Anlegern in Europa: Aktien-ETFs verbuchten im November Rekordzuflüsse, Renten- und Schwelländer-ETFs der verschiedensten Kategorien brachen ein (lesen Sie hier mehr). 

Doch wendet man den Blick von den börsennotierten Trading-Vehikeln hin zu den Publikumsfonds, die typischerweise von Langfristanlegern gezeichnet werden, nimmt man eine eher nüchterne Reaktion zur Kenntnis: Wie unsere Absatzschätzungen für die Mittelflüsse in Publikumsfonds in Europa für den Monat November zeigen, mussten Aktienfonds Abflüsse in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro hinnehmen; der Absatz von Rentenfonds brach mit Abflüssen von knapp 14 Milliarden Euro regelrecht ein. Auch bei Mischfonds zeigten sich Anleger eher zurückhaltend – wie auch bei den bisher stets nachgefragten alternativen Fonds, die mit einem Absatzplus von gerade einmal 227 Millionen Euro auf der Stelle traten. 

Demgegenüber verbuchten Geldmarktfonds europaweit hohe Zuflüsse, ein weiteres Signal für eine risikoaverse Haltung vieler Investoren. 

Tabelle: Mittelflüsse nach Asset Klassen im November

 

Die Sicht nach Fondskategorie gibt nähren Aufschluss über das Anlegerverhalten in Europa. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, wurden Fonds für Euro-Staatsanleihen im November am stärksten verkauft. Sie erlitten Abflüsse in Höhe von knapp drei Milliarden Euro. Dies dürfte eine unmittelbare Konsequenz der stark steigenden Bond-Renditen auch in Europa sein, die in den Sog des US-Bond-Markts gerieten, für den nunmehr eine Zinswende klar erwartet wird. In den Sog der Abwärtsbewegungen der Bond-Kurse gerieten auch etliche andere Anleihefonds-Kategorien: EUR Unternehmensanleihen, diversifizierte EUR Rentenfonds, deren Kursbewegungen den Renditeanstieg bei Staatsanleihen im November widerspiegelten. Die Mittelflüsse in Fonds für EUR und USD Hochzinsanleihen spiegeln ebenfalls die Turbulenzen am Bondmarkt wider. 

Der zweite große Trend des abgelaufenen Monats ist die regelrechte Flucht der Investoren aus Schwellenländer-Investments. Drei der zehn unbeliebtesten Fondskategorien waren solche für Emerging Markets Anleihen und Aktien, wobei die Abflüsse aus Bond-Produkten für lokale Schwellenländerwährungen relativ zum verwalteten Vermögen am signifikantesten ausfielen.

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Mittelabflüssen im November

 

Neben den bereits erwähnten Zuflüssen in Geldmarktfonds spiegelt die Nachfrage nach Kurzläufer EUR Rentenfonds die Risikoaversion vieler Anleger wider. In der unteren Liste der im November am stärksten nachgefragten Kategorien finden sich zwei entsprechende EUR Kurzläufer-Positionen. Auch die hohe Nachfrage nach Fonds für Schweizer Obligationen können als Flucht in den sicheren Franken-Hafen gedeutet werden, wobei die Konzentration auf Credit-Suisse-Vehikel auch auf eine spezifische Allokationsentscheidung im Wealth Management der Schweizer Bank hindeuten könnte. 

Dass die Sicht der Dinge nie Schwarz oder Weiß ist, zeigt die punktuelle Nachfrage nach Risiko-Assets, wie etwa US-Nebenwertefonds und USA-Standardwertefonds; einige Investoren dürften also durchaus dem breiten Markttrend gefolgt sein und auf die „neue Wachstumsphantasie“ der kommenden Trump-Präsidentschaft gesetzt haben. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Mittelzuflüssen im November

Kommen wir nun zu den Anbietern mit den höchsten Zuflüssen im November. Credit Suisse konnte gegen den Trend hohe Zuflüsse in Aktien- und Rentenfonds verbuchen, die vor allem Fonds der Kategorie Renten CHF, USA Standardwerte und Schweizer Nebenwerte ansteuerten. Die italienische Asset Management Tochter von Intesa Sanpaolo, Eurizon, verbuchte die zweithöchsten Zuflüsse, die, wie in den Vormonaten auch, auf den hohen Absatz von Laufzeitfonds zurückgehen, die über italienische Banken vertrieben werden. Wir haben uns wiederholt kritisch zu diesen Produkten geäußert, die hohe Gebühren aufweisen und häufig – gemessen an den typischerweise kurzen bis mittleren Laufzeiten – hohe Risiken beinhalten. 

Union Investment, der Asset Manager des deutschen genossenschaftlichen Bankensektors, konnte sich erneut unter die Top-Asset-Sammler Europas platzieren, was vor allem am Absatz von vermögensverwaltenden Fonds bei Privatkunden lag. 

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Mittelzuflüssen im November

 

In einer ungewohnten Rolle dürfte sich Nordea gefunden haben: Im November trugen die erfolgsverwöhnten Nordländer die rote Absatzlaterne. Die außergewöhnlich hohen Abflüsse von 3,37 Milliarden Euro gingen nicht nur auf das Konto des Mischfonds-Schwergewichts Nordea Stable Return, sondern auch auf Rückgaben von Bondfonds-Anteilsscheinen zurück. 

JPMorgan Asset Management musste Abflüsse von rund 1,7 Milliarden Euro hinnehmen, die vor allem Rentenfonds betraf, aber auch den alternativen Fonds JPMorgan Global Macro Opportunities, der Absatzschlager der Amerikaner in diesem Jahr, dessen Performance-Schwäche freilich die für Bankenvertriebskanäle typischen Fluchtreflexe ausgelöst haben dürfte. 

UBS musste erneut hohe Abflüsse aus USD Unternehmensanleihefonds hinnehmen wie auch aus globalen Standardwertefonds und aus etlichen anderen Aktien- und Bond-Kategorien. 

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Abflüssen im November

 

Kommen wir nun zum Schluss zur Absatzbilanz der größten Publikumsfonds in Europa (ex Geldmarkt). Es gab im abgelaufenen Monat markante Gewinner und markante Verlierer. Die höchsten Zuflüsse verbuchte der PIMCO GIS Income Fund. Dieser global investierende Rentenfonds wurde im vergangenen Monat gleich zweifach begünstigt: einmal vom US-Währungsexposure und zum anderen von den kurzen Laufzeiten, welche die Kursverluste (in US-Dollar) auf ein Minimum reduzierten. 

Der DWS Top Dividende hatte ebenfalls einen sehr guten Lauf und verbuchte Zuflüsse in Höhe von knapp 400 Millionen Euro. 

Kräftig abgeben musste indes der Nordea Stable Return. Er verzeichnete Abflüsse von gut 700 Millionen Euro. Das lag zum einen an der Natur einer temporären Fondsschließung (Soft Close): Fonds, die kein frisches Investorengeld annehmen, fehlt logischerweise die Habenseite, derweil die unvermeidlichen Abflüsse sich 1:1 in der Absatzbilanz niederschlagen. Zudem hatte der Fonds in den vergangenen Monaten keinen guten Lauf, was auch ein Ergebnis der Zinssensitivität des Portfolios (sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite) gewesen sein dürfte. Eher kurzfristig veranlagte Vertriebskanäle sowie Anleger, die auf der Suche nach der sprichwörtlichen Eier legenden Wollmilchsau sind, quittieren derartige Performance-Schwächen typischerweise mit Abflüssen. 

Auch der Templeton Global Total Return sowie der BGF Global Allocation Fund litten unter hohen Abflüssen, die bereits über weite Teile des laufenden Jahres zu beobachten waren. Die beiden Fonds verloren 25 bzw. 19 Prozent des zu Jahresanfang gemessenen Fondsvermögens infolge von Mittelabflüssen. 

Die Abflüsse beim Carmignac Patrimoine, SLI Global Absolute Return Strategies und M&G Optimal Income Fund befanden sich dagegen unterhalb des Durchschnitts der vergangenen Monate und waren damit eher unspektakulär. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten Publikumsfonds in Europa im November (ex Geldmarkt)

 

Lesen Sie die Originalfassung unseres Absatzberichts auf englischer Sprache hier.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.