Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Berkshire Hathaway: Kurspotential mit erheblichen Unsicherheiten behaftet

Warren Buffett Holding ist derzeit fair bewertet. Allenfalls Senkung der Körperschaftssteuer verspricht noch kurzfristig Aufwärtspotenzial. Nachfolgefrage zu Buffett und Munger nach wie vor virulent.

Auch wenn man im Nachhinein natürlich immer schlauer ist, lohnt es sich festzuhalten, dass wir Anfang 2016 die Erwartung ausgesprochen hatten, dass das Jahr für Berkshire Hathaway gut laufen würde. Wir hatten uns im ersten Quartal, also nach der scharfen Korrektur zu Jahresanfang, für die Aktie ausgesprochen. Seinerzeit war der Kurs etwa auf das 1,2-Fache des Buchwerts zurückgegangen – das ist der Wert, den CEO Warren Buffett als die Schwelle für einen Rückkauf eigener Aktien ansetzt. Es war das erste Mal seit dem vierten Quartal 2012, dass sich der Aktienkurs diesem Niveau angenähert hatte. Während des vergangenen Jahres hat die Aktie des Unternehmens dann um mehr als 23 Prozent zugelegt und wird nun in der Nähe unserer Fair-Value-Schätzung von 255.000 US-Dollar je Aktie der Klasse A (170 Dollar je Aktie der Klasse B) gehandelt, sodass wir Berkshire inzwischen als angemessen bewertet einschätzen. 

Es spricht zwar einiges dafür, dass die Aktie kurzfristig weitere Kursgewinne erzielen könnte, da die Körperschaftsteuer in den USA von 35 auf 25 Prozent (oder in einem unwahrscheinlicheren Szenario möglicherweise sogar auf 15 Prozent) sinken könnte. Der durchschnittliche Steuersatz Berkshires liegt bereits bei etwa 30 Prozent, da die Gesamtsteuerpflicht durch eine Kombination steuerbefreiter und steuerlich begünstigter Beteiligungen sowie US-amerikanischer und ausländischer Ertragsteuerguthaben verringert wird. Ein niedriger Körperschaftsteuersatz dürfte die jährlichen Erträge (in Abhängigkeit der gemäß dem neuen Steuerreglement erforderlichen Aufrechnungen) um mehr als zehn Prozent steigern. Doch dieses Kurspotential ist mit etlichen Unsicherheitsfaktoren behaftet: Zum einen wäre dies ein Einmaleffekt. 

Wenn, hätte, wäre: Steuerpläne Trumps stehen nich in den Sternen

Das künftige Ertragswachstum würde auch weiterhin durch die Fundamentaldaten bestimmt werden. Der Aktienkurs Berkshire Hathaways orientiert sich in der Regel jedoch am Buchwert je Aktie. Unseren Berechnungen zufolge würde dieser bei Einführung des niedrigeren Steuersatzes einmalig unmittelbar um etwa 5% steigen (vor allem aufgrund von Anpassungen an den umfangreichen latenten Steuerverbindlichkeiten des Unternehmens). In Kombination mit dem Ertragsanstieg würde hierdurch der Buchwert je Aktie der Klasse A auf etwa 190.000 USD steigen (Aktie der Klasse B: 127 USD), was wiederum einem Fair Value von etwa 265.000 USD - 285.000 USD (177 USD - 190 USD) entspricht. Dies liegt im Durchschnitt acht Prozent oberhalb unserer aktuellen Schätzung.

Allerdings, und das ist ein wichtiger Punkt, basiert dieses Szenario weitgehend auf Vermutungen. Es liegen kaum Informationen über die gemäß einem neuen Steuerreglement erforderlichen Aufrechnungen vor. Deshalb orientieren wir uns auch weiterhin an unserem Basisszenario, solange keine näheren Einzelheiten über die Pläne der neuen Trump-Administration bekannt sind. 

Ajit Jain und Greg Abel zwei formidable CEO-Kandidaten

Grundsätzlich müssen Investoren berücksichtigen, dass die Nachfolgefrage angesichts des fortgeschrittenen Alters von Warren Buffett und seines Partners Charlie Munger nach wie vor akut ist. Was die Nachfolgeplanung angeht, gehen wir davon aus, dass die drei Funktionen von Buffett – Chairman, CEO und Anlageverwalter – nach seinem Rückzug aus der Firma aufgeteilt werden. Wir sind seit Langem überzeugt, dass Buffets Sohn, Howard Buffett, den Posten des Non-Executive Chairman übernehmen wird. Ted Weschler und Todd Combs dürften gemeinschaftlich die Rolle des Anlageverwalters von Berkshires Investmentportfolio übernehmen.

Für die Funktion des CEO gibt es unserer Meinung nach zwei formidable Kandidaten – Ajit Jain und Greg Abel. Beide würden einzigartige Qualitäten mit sich bringen. Wir würden es vorziehen, wenn Jain die Kontrolle für das gesamte Assekuranzgeschäft bei Berkshire übernimmt und Abel (der weitreichende Erfahrung im einen erheblichen Betrag von Überschusskapital in seinen Geschäftsbüchern verfügt (und die Option einer Dividende für die nachfolgenden Manager längerfristig offengehalten hat). 

Am Freitagabend ging die B-Aktie von Berkshire Hathaway mit einem Kurs von 160,21 an der NYSE aus dem Handel, was nur leicht unter dem von uns ermittelten fairen Wert von 170 US-Dollar liegt. 

Wichtige Hinweise: Analysten von Morningstar müssen sich in ihrem Verhalten an den Ethikkodex, die Richtlinie für Wertpapierhandel und Offenlegung und die Richtlinie zur Integrität von Investment-Research von Morningstar halten. Nähere Informationen zu Interessenskonflikten erhalten Sie hier.

Über den Autor

Greggory Warren, CFA  Greggory Warren, CFA, is a senior stock analyst with Morningstar.