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US-Schiefer-Öl verdunkelt mittelfristigen Ausblick für Ölpreis

Der Ölpreis profitiert derzeit vom Optimismus der Marktakteure. Doch die Aussichten sind längst nicht rosig, und vor diesem Hintergrund sind Ölfirmen an der Börse überbewertet. Eine Übersicht über die Bewertungen wichtiger US-Ölkonzerne.

Stephen Simko, CFA 27.02.2017

Aufgrund der Drosselung der Fördermengen durch die OPEC und des starken Nachfragewachstums sind die Fundamentaldaten an den Erdölmärkten 2017 so gut wie seit dem Einbruch der Ölpreise vor zwei Jahren nicht mehr. Der Konsensprognose zufolge sind die Fundamentaldaten nun robust genug, um den Ölpreis selbst dann noch zu stützen, sollte die Beschränkung der OPEC-Produktion wegfallen.

Doch das könnte eine gefährliche Schimäre sein. Das positive Szenario mag vor wenigen Monaten realistisch gewesen sein. Heute sind jedoch Zweifel angebracht, dass es zum Tragen kommt. Denn durch die deutliche Steigerung der Schieferöl-Aktivitäten werden die Fördermengen in den USA nun beständig und rasch zunehmen. Das gilt auch für den Fall, dass sich die Anzahl der Bohranlagen nicht weiter erhöht.

Dieses Wachstum in Verbindung mit einer etwaigen Angebotserhöhung durch die OPEC ist vermutlich mehr als ausreichend, um die Hoffnung auf Verknappung am Markt zunichtezumachen. Den Erdölmärkten droht erneut ein Überangebot.  

Schiefer-Ölproduzenten kommen aus der Deckung

Inzwischen ist offensichtlich, dass die aktuellen Ölpreise zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen, die für die großen Schieferölproduzenten in den USA äußerst attraktiv sind. Dadurch wurden die Voraussetzungen geschaffen, damit die Förderung von unkonventionellem Öl deutlich wachsen kann. Tatsache ist, dass sich auch an der drohenden Kosteninflation nichts ändern wird. Sofern sich die Schieferölproduzenten nicht disziplinierter verhalten oder die OPEC sich nicht dauerhaft aus dem US-amerikanischen Markt zurückzieht, stehen die Ölmärkte vor großen Problemen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass eines dieser beiden Ereignisse eintreten wird.

Es ist allerdings gut möglich, dass die Ölpreise in den kommenden Monaten noch steigen werden, wenn die Einhaltung der Regelung innerhalb der OPEC hoch bleibt oder die Drosselung der Fördermengen Bestand hat. Da das steigende Produktionsvolumen bei Schieferöl nicht vor der zweiten Jahreshälfte zu einer deutlichen Änderung auf der Angebotsseite führen dürfte, wäre ein weiterer Abbau der Lagerbestände kurzfristig möglich.  

Dies könnte die Auffassung der Optimisten unter den Marktteilnehmern stützen, dass sich die Fundamentaldaten an den Ölmärkten verbessern. Tatsächlich würden Ölpreise, die irgendwann in den kommenden Monaten über dem aktuellen Niveau liegen, Benzin ins Feuer gießen, da dies sicher eine noch stärkere Investitionstätigkeit bei den US-amerikanischen Schieferölproduzenten begünstigt.

Momentum könnte 2016 den Ölpreis stützen, 2017 droht Korrektur  

Auch wenn in der Welt des Öls derzeit nichts sicher ist, scheinen sich Wolken am Horizont zu zeigen. Wir halten an unserer Prognose fest, wonach die Ölpreise 2017 robust bleiben. Dabei gehen wir bei West Texas Intermediate von einem Durchschnittspreis von 58 US-Dollar je Barrel aus, gefolgt von einem deutlichen Rückgang auf 45 Dollar im Jahr 2018. 

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Kurse der US-Ölunternehmen überbewertet. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung unserer Einschätzungen zu wichtigen Ölkonzernen: 

Devon Corp. Kein Wettbewerbsvorteil (No Moat), geschätzter fairer Wert 35 US-Dollar, Schlusskurs am 24. Februar an der NYSE 42,81 US-Dollar. 

ConocoPhillips. Kein Wettbewerbsvorteil (No Moat), geschätzter fairer Wert 45 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar 47,04 US-Dollar.  

Chevron Corp. Enger Wettbewerbsvorteil (Narrow Moat), geschätzter fairer Wert 95 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar, 110,12 US-Dollar. 

National Oilwell Varco Inc. Kein Wettbewerbsvorteil (No Moat), geschätzter fairer Wert 28 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar 39,79 US-Dollar. 

Halliburton Co. Enger Wettbewerbsvorteil (Narrow Moat), geschätzter fairer Wert 45 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar 52,87 US-Dollar. Lesen Sie auch hier die aktuelle Detailanalyse.

Exxon Mobil Corp. Enger Wettbewerbsvorteil (Narrow Moat), geschätzter fairer Wert 79 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar 81,08 US-Dollar. 

Schlumberger Ltd. Enger Wettbewerbsvorteil (Narrow Moat), geschätzter fairer Wert 70 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar 80,15 US-Dollar. Lesen Sie auch hier die aktuelle Detailanalyse.

Occidental Petroleum Corp. Kein Wettbewerbsvorteil (No Moat), geschätzter fairer Wert 54 US-Dollar, letzter Schlusskurs an der NYSE am 24. Februar 64,89 US-Dollar. Lesen Sie auch hier die aktuelle Detailanalyse.

Wichtige Hinweise: Analysten von Morningstar müssen sich in ihrem Verhalten an den Ethikkodex, die Richtlinie für Wertpapierhandel und Offenlegung und die Richtlinie zur Integrität von Investment-Research von Morningstar halten. Nähere Informationen zu Interessenskonflikten erhalten Sie hier.

 

Über den Autor

Stephen Simko, CFA  Stephen Simko, CFA, is a senior stock analyst on the Technology Team.