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Das global Fondsgeschäft 2016 im Überblick

Zuflüsse in Fonds gehen 2016 weltweit deutlich zurück. Rentenfonds bleiben ungeachtet der möglichen Zinswende die Produkte der Wahl für Anleger weltweit. Der Morningstar Bericht zum Fondsabsatz weltweit für das Jahr 2016.

Ali Masarwah 17.03.2017

Die Mittelzuflüsse in Anlagefonds sind weltweit im vergangenen Jahr gegenüber 2015 deutlich zurückgegangen. 2016 wurden netto 728 Milliarden US-Dollar in Publikumsfonds (einschließlich ETFs) investiert. Das sind knapp 28 Prozent weniger als der Fondsindustrie weltweit zugeflossen ist, wie aus der jährlich veröffentlichten Gesamtmarktstatistik von Morningstar hervorgeht. Dank freundlicher Aktien- und Rentenmärkte erhöhte sich das Fondsvermögen weltweit von 28,675 Billionen auf 30,650 Billionen US-Dollar, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht.

Tabelle: Mittelflüsse und Vermögenswerte in Fonds nach Regionen

Die Struktur der Zuflüsse geben ein eher eingetrübtes Stimmungsbild der Investoren wider, die recht passgenaue ist mit Blick auf die Kapitalmarktturbulenzen über weite Strecken des vergangenen Jahres. Aktienfonds verbuchten Abflüsse von 33 Milliarden US-Dollar nach Zuflüssen in Höhe von 346 Milliarden US-Dollar im Jahr zuvor, Geldmarktfonds sahen sehr hohe Zuflüsse von 196 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 144 Milliarden Dollar) und Rentenfonds sammelten 412 Milliarden Dollar ein (145 Milliarden Dollar). Unsicherheitsfaktoren gab es einige: Die Sorgen um das fragile Wirtschaftswachstum, die vor allem Ausdruck in den Turbulenzen am Kapitalmarkt zu Jahresanfang fanden, das Brexit-Votum in Großbritannien sowie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Freilich deutete sich nach der US-Präsidentschaftswahl ein Stimmungsumschwung an, zumindest bei US-Fondsanlegern. In den letzten beiden Monaten des Jahres stiegen die Zuflüsse in Aktienfonds vor allem jenseits des Atlantiks sprunghaft an, nachdem diese Fonds für Risikopapiere in den Monaten zuvor überwiegend verkauft worden waren. Rentenfonds verbuchten im November indes hohe Abflüsse, was einen Paradigmenwechsel andeutet, der von steigendem Optimismus mit Blick auf die Hoffnung auf einen weltweiten Konjunkturaufschwung. Dieser so genannte „Reflations-Trade“, beim dem Abflüsse aus Bond-Fonds und Zuflüsse in Aktienfonds einhergingen, gab jedoch nicht den Ausschlag für die Investment-Trends 2016. Es wird spannend zu sehen, wie sich diese veränderten Rahmenbedingungen auf die Zuflüsse im Jahr 2017 auswirken werden.

Tabelle: Mittelflüsse und Vermögenswerte in Fonds nach Asset Klassen

 

Kommen wir nun zu den Präferenzen der Investoren nach Region. Die untere Tabelle zeigt die zehn Märkte nach regionalen Fondsdomizilen. Faktisch sind die großen europäischen Fondsstandorte gleich zweimal vertreten: Einmal in der Gruppe „Europe“, zum anderen in der Gruppe „Cross Border“, die sich zu über 90 Prozent aus Luxemburger und irischen Fonds zusammensetzt. Das zeigt, dass sich europäische Fonds, vorwiegend in der Hülle von UCITS (OGAW), inzwischen zu einem Exportschlager gemausert haben, die auch in Asien und Lateinamerika vertrieben werden. Indes werden auch die grenzüberschreitenden Fonds aus den Luxemburger und Dubliner Heimwerkstätten unverändert überwiegend in Europa vertrieben, so dass die Mittelflüsse auch dieser zweiten europäischen Fondsgruppe als Indikation für die Anlagepräferenzen europäischer Investoren gesehen werden kann.

Die höchste Nachfrage sahen 2016 Rentenfonds, wobei die höchsten Zuflüsse in den USA erzielt wurden, gefolgt von „Cross-Border“ und Asien. Mit der prominenten Ausnahme Asiens mussten Aktienfonds in allen maßgeblichen Standorten Abflüsse hinnehmen. Alternative Fondsvehikel bleiben vor allem Produkte für den europäischen Markt, mit großem Abstand gefolgt von Asien. In allen anderen Fondsdomizilen mussten diese Hedgefonds-ähnlichen Vehikel über wiegend Abflüsse hinnehmen. Mischfonds wurden wiederum vorwiegend in Europa vertrieben, in geringerem Maße in Asien und Ozeanien. In den USA mussten Mischfonds indes hohe Abflüsse von gut 42,5 Milliarden US-Dollar hinnehmen.

Tabelle: Mittelflüsse in Fonds nach Asset Klassen und Regionen

Ein Blick auf die Zuflüsse nach großen Fondskategorien zeigt, dass US-Rentenfonds und US-Geldmarktfonds die höchsten Nettoneugelder auf sich vereinen konnten. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Das gilt auch für Fonds der Kategorie Aktien USA Standardwerte Blend, die nach Abflüssen im Jahr 2015 die dritthöchsten Zuflüsse auf Kategorie-Ebene im abgelaufenen Jahr verbuchten. Es folgen weltweit investierende Aktien-Standardwertefonds sowie Euro- und GBP-Geldmarktfonds.

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Zuflüssen 2016

Die höchsten Abflüsse mussten indes Aktienfonds für USA-Standardwerte Growth hinnehmen, die 110 Milliarden US-Dollar an Rückgaben verkraften mussten. Auch europäische Standardwertefonds wurden massiv verkauft, nachdem sie im Jahr 2015 noch hohe Zuflüsse verbucht hatten. Auch Sektorfonds mit Schwerpunkt auf Healthcare und Konsumgüter mussten Abflüsse hinnehmen. Wie auch der starke Abverkauf von US-Growth-Fonds deutet dieser Nachfragerückgang auf die Sektor-Rotation weg von defensiven Branchen hin zu Zyklikern hin.  

Tabelle 15: Die Fondskategorien mit den höchsten Zuflüssen 2016

 

Lesen Sie hier weiter mehr zu den Mittelflussdaten weltweit in Indexfonds und aktiv verwaltete Produkte.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.