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Das globale Fondsgeschäft 2016: Vanguard wirbelt, aktive Asset Manager zittern

In den USA war in der Aktiv-Passiv-Frage ein Erdrutsch zu beobachten. Passiv verwaltete Fonds gewinnen auch in Europa deutlich Marktanteile.

Ali Masarwah 17.03.2017

Im ersten Teil unseres Berichts zum globalen Fondsgeschäft 2016 haben wir die großen Trends nachgezeichnet. Nun kommen wir zur Frage, wie sich das Geschäft mit Indexfonds weltweit entwickelt hat. Mit Fug und Recht kann die Verschiebung von Anlagegeldern von aktiv verwalteten Fonds hin zu passiven Vehikeln als einer der wichtigsten Trend des vergangenen Jahres beschrieben werden. Dies wird bereits deutlich, wenn man sich die Absatzbilanz der größten Fondsanbieter weltweit vor Augen führt. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, sammelten Vanguard, BlackRock – vor allem Dank iShares – und State Street das meiste Geld 2016 ein.

Die Erfolgsgeschichte des US Fondsgiganten Vanguard ist bereits seit Jahren Legende. Vor allem in den USA hat das 1974 von John Bogle gegründete Fondshaus in den vergangenen Jahren regelmäßig alle anderen US-Fondsanbieter im Neugeschäft hinter sich gelassen. Genauer gesagt führt Vanguard die Ranking-Liste der Fondsanbieter in den USA Jahr für Jahr seit 2007 an. (Vorher waren American Funds, der Brand der Fonds der Capital Group, der dominante Name im Neugeschäft in Amerika.) Im abgelaufenen Jahr ist dem Unternehmen aus Malvern in Pennsylvania allerdings ein Kunststück sondergleichen gelungen: Die Nettozuflüsse in Vanguard-Fonds (einschließlich ETFs, ohne Geldmarktfonds), übertrafen die aggregierten Flows aller anderen Fondsanbieter weltweit. 2016 verzeichneten Vangaurd-Fonds Mittelzuflüsse von 317 Milliarden US-Dollar, gefolgt von BlackRock mit 154 Milliarden Dollar und State Street mit 61 Milliarden US-Dollar. Der absatzstärkste Anbieter von aktiv verwalteten Fonds war Goldman Sachs mit 29 Milliarden Dollar, gefolgt von Fidelity und JPMorgan mit sieben Milliarden Dollar.

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten Asset Manager weltweit 2016

Der Trend hin zu passiv verwalteten Fonds geht eindeutig von den USA aus. Während aktiv verwaltete Fonds Abflüsse von 204 Milliarden Dollar sahen, sammelten Indexfonds fast 500 Milliarden Dollar netto ein. Besonders stark war der Aktienfondsbereich betroffen, wie die untere Graphik zeigt. Auch bei Rentenfonds dominierten die passiven Vehikel, wenn auch aktiv verwaltete US-Rentenfonds immerhin Zuflüsse verbuchten.

In Europa war dieser Trend bei Aktienfonds ähnlich, wenn auch auf einem viel niedrigerem Niveau. Bei Rentenfonds war der Trend indes umgekehrt: Hier konnten aktiv verwaltete Rentenfonds deutlich mehr Neugelder auf sich vereinen als passive Rentenfonds. In Asien war dieser Trend noch deutlicher, und bei Aktienfonds sahen aktiv verwaltete Fonds mit Domizil Asien Zuflüsse (wenn auch deutlich geringere als Indexfonds.)

 

Tabelle: Mittelflüsse in aktive und passive Fonds nach Asset Klasse und Region

Kommen wir zu Schluss zum Marktanteil passiver Fonds in den beiden großen Asset Klassen Aktien und Anleihen. Die erste der unteren beiden Grafiken zeigt, dass bei Aktienfonds der Marktanteil der passiven Fonds in Asien und den USA stramm der 50-Prozent-Marke annähert. Aber auch in Europa stecken rund 25 Prozent der Gelder in Aktien-Publikumsfonds in ETFs und nichtbörsennotierten Indexfonds.

Anders indes bei Rentenfonds: Hier sind die USA allein auf weiter Flur. Gut 27 Prozent der Gelder in Rentenfonds sind bereits passiviert worden. Die Quote für Europa liegt hier nur bei rund elf Prozent. In Asien ist die Quote der passiven Rentenfonds am Rentenfondsvermögen sogar zuletzt etwas gesunken. Sie lag per Ende Dezember 2016 bei etwas unter zehn Prozent.

Grafik: Der Anteil der Indexvehikel bei Aktienfonds

 

Grafik: Der Anteil der Indexvehikel bei Rentenfonds

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.