Wenn Sie mit der Nutzung dieser Website fortfahren, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Lesen Sie hier mehr über unsere Cookie Policy und welche Arten von Cookies wir verwenden.

Schlechte, gute und fragwürdige Wege zu Eurozonen-Aktien(ETFs)

Die US-Wachstums-Story hat sich eingetrübt, und die politische Hängepartie in Großbritannien hat die Chancen auf baldige Klarheit in Sachen Brexit verringert. Derweil erholt sich die Wirtschaft der Eurozone zusehends. Zeit also, auf die Eurozonen ETFs am Markt zu blicken.

Ali Masarwah 16.06.2017

Was bisher als Nachteil eines Eurozonen-Investments galt, könnte künftig von Vorteil sein: Wer auf Unternehmen aus dem Währungsraum setzt, verzichtet auf wichtige Segmente des europäischen Marktes wie Großbritannien, die Schweiz und auch Norwegen. Dass wichtige Energie-, Rohstoff- und Pharma-Werte im Portfolio fehlen, die man in den eben genannten Ländern vorfindet, muss heute kein Fehler sein. Energie- und Rohstoffaktien sind im Zuge des Preisdrucks auf Rohstoffe stark unter Druck gekommen, und Schweizer Pharmawerte haben in den vergangenen Monaten ebenfalls gelitten.

Angesichts der sich aufhellenden Perspektiven für die Wirtschaft in der Eurozone könnten Aktien aus Frankreich, Italien und Spanien (wie auch Deutschland) verstärkt internationale Investoren anlocken, nicht zuletzt solche, die den US-Aktienmarkt für überbewertet halten.

Viele Wege zu Eurozonen-ETFs

Doch welche Wege führen zu Eurozonen-Aktien-ETFs? Wir haben uns die Produkte am Markt angeschaut und sind dabei in zwei Schritten vorgegangen. Zum einen haben wir uns die Aktien-ETFs angeschaut, die das größte Vermögen auf die Waage bringen. Lohnt es sich zu kaufen, was alle kaufen? Im zweiten Schritt haben wir uns die Produkte angeschaut, die in den vergangenen Jahren die höchste Outperformance gegenüber aktiven wie passiven Eurozonen-Aktienfonds erzielt haben.  

Fangen wir mit den größten Produkten an. Die untere Tabelle listet die zehn größten Eurozonen-Produkte am Markt auf. Bereits der erste Blick zeigt, dass der Euro STOXX 50 der Index der Wahl für sehr viele Investoren ist. Sechs der zehn größten Tracker bilden diesen Index ab. Per Ende Mai brachten sie gut 33 Milliarden Euro auf die Waage. Doch dass die Maxime „big is beautiful“ in diesem Fall nicht gilt, wird anhand der Bilanz gegenüber aktiven wie passiven Eurozonenprodukten klar. Die Spalte rechts zeigt die jährliche relative Rendite gegenüber dem durchschnittlichen Fonds der Morningstar Kategorie Aktien Eurozone Standardwerte in den vergangenen drei Jahren auf. Die Bilanz der sechs Euro STOXX ETFs fällt gegenüber Vergleichsfonds negativ aus. Auch das Morningstar Sterne Rating, das die risikoadjustierte Rendite ausdrückt, kommt mit einem Drei-Sterne-Rating aller sechs Tracker durchschnittlich daher. 

Tabelle: Die größten zehn Eurozonen-ETFs am Markt

 

Was ist das Problem? In der Vergangenheit lief die Bankenlastigkeit, vor allem mit Blick auf das hohe Gewicht spanischer, italienischer und französischer Banken, gegen diese Investments. Zudem deckt der Euro STOXX 50 den Markt eher schlecht als recht ab. Er kommt zwar auf 60 Prozent des Eurozonen-Aktienmarkts, hat aber einen sehr starken Fokus auf die allergrößten Unternehmen, die so genannten Mega-Caps. Große und mittelgroße Unternehmen sind indes untergewichtet.

Auf Sektorenebene machen Finanztitel mit 20 bis 25 Prozent den größten Anteil aus; deutsche und französische Aktien sind mit insgesamt zwei Drittel des Gewichts auf Länderebene dominierend. Auf Einzeltitel-Ebene sind Total, Sanofi, Anheuser Bush Inbev und Siemens die größten Positionen mit einem Gewicht von je vier bis sechs Prozent. Auch wenn die Indexregeln eine recht begrenzte Umschlaghäufigkeit mit sich bringen, fiel das Ergebnis in der Vergangenheit eher bescheiden aus, und auch für die Zukunft spricht nicht viel für diese Produkte, die in vielfacher Hinsicht nicht die Möglichkeiten des Eurozonen-Aktienmarkts ausschöpfen. 

MSCI EMU und Euro STOXX sind gute Diversifizierer 

Haben Anleger also kein glückliches Händchen gehabt? Das wäre zu hart geurteilt. Es finden sich auch Produkte in der oberen Liste, die durchaus Potenzial haben. Hier ist zum einen der EURO STOXX Index zu nennen, der deutlich breiter gefasst ist als der Euro STOXX 50. Er enthält rund 300 statt nur 50 Aktien. Der Anteil sehr großer Unternehmen liegt hier bei rund 55 Prozent statt 90 Prozent wie beim Euro STOXX 50; der Anteil an Nebenwerten ist mit rund zehn Prozent für einen Standardwerte-Index ordentlich. Entsprechend ist die durchschnittliche Marktkapitalisierung der Aktien im breiter gefassten Index mit rund 32 Milliarden Euro etwa halb so groß wie beim Euro STOXX 50. 

Einen ähnlich guten Zugang zum Markt für Eurozonen-Aktien bieten die drei Tracker auf den MSCI EMU. Er ist mit rund 240 Aktien ähnlich breit diversifiziert wie der Euro STOXX Index, liegt allerdings etwas höher auf der Marktkapitalisierungsleiter und hat nur rund sechs Prozent seines Gewichts in Nebenwerten. 

Diese breitere Diversifikation hat in der Vergangenheit einen großen Unterschied gemacht. Die vier Tracker auf den MSCI EMU und Euro STOXX weisen jeweils ein Vier-Sterne-Rating auf, wofür die deutlich bessere Performance sowie das bessere Risikoprofil verantwortlich sind. Die rechte Spalte der Tabelle illustriert den Vorsprung der vier Fonds gegenüber dem durchschnittlichen Eurozonen-Standardwertefonds.

Sollen Anleger das Glück in der Faktor-Nische suchen?

Kommen wir nun zu den zehn passiven Produkten mit der höchsten Outperformance gegenüber der Kategorie Aktien Eurozone Standardwerte in den vergangenen drei Jahren. Bereits der Blick auf die Spalte rechts in der unteren Tabelle zeigt, dass hier ganz andere Outperformance-Qualitäten herrschen als bei den oben aufgeführten Standardwerte-Produkten. Der stärkste Outperformer ist der UBS ETF MSCI EMU SRI, ein Nachhaltigkeits-ETF, der mit gut 60 Aktien recht konzentriert im Vergleich zum MSCI EMU daherkommt. Der ETF verfolgt einen so genannten Best in Class Ansatz, der die Unternehmen mit den höchsten Nachhaltigkeits-Merkmalen gewichtet. Es wird also keine Branche per se ausgeschlossen. Dabei wird das Thema Nachhaltigkeit breit definiert. Es umfasst die Themen Umwelt, Soziales und Governance. Die fünfprozentige Grenze stellt sicher, dass auf Einzeltitelebene keine Unwucht entsteht. 

Tabelle: Die Eurozonen-ETFs mit der höchsten Outperformance vs. der Kategorie

Interessant ist, dass bis auf diesen ETF sowie den Lyxor Euro Stoxx 300 alle anderen Outperformer Strategic Beta Produkte sind. Sie folgen anderen Gesetzen als dem der Marktkapitalisierung. Es findet sich eine bunte Mischung an Faktor-ETFs unter den besten Eurozonen-Produkten, wie etwa der SPDR Euro STOXX Low Volatility, der auf die Eurozonen-Aktien mit der tiefsten Schwankungsbreite setzt, sowie Growth- und Dividenden ETFs. Diese Produkte brachten eine signifikante Outperformance gegenüber den überwiegend aktiv verwalteten Produkten der Kategorie Aktien Eurozone Standardwerte. 

Das verwaltete Vermögen zeigt freilich, dass es sich hier – mit Ausnahme des SPRD S&P Euro Dividend Aristocrats – eher um Nischenprodukte handelt. Das dürfte zum einen daran liegen, dass das Thema Strategic Beta bzw. Faktor-ETFs viel weniger in der Investorenwelt präsent ist, als es permanente Marketing-Beschallung der Produktanbieter vermuten lassen könnte. Zum anderen dürften viele Investoren vor der komplexen Materie zurückschrecken, was auch daran liegt, dass Faktor-Investing ein glückliches Händchen beim Timing erfordert.

Willst du Faktor-ETFs oben sehen, musst du die Tabelle drehen 

Für jeden Faktor, der einen guten Lauf hat, gibt es einen, der unter einer Schwächephase leidet. Die Outperformance von Dividenden-Ansätzen heute ist hierfür ein gutes Beispiel. 2007 waren viele Dividenden-ETFs stark in Euroland-Banken investiert, was die Performance dieser Produkte lange Zeit deutlich belastet hat. Aktuell profitieren diese ETF indes von der Untergewichtung von Rohstoff- und Gesundheitsaktien sowie von der hohen Gewichtung von Immobilien-Titeln und Versorgern.

Das Bild kann sich freilich drehen, und die Tatsache, dass viele Strategic Beta ETFs recht konzentriert daherkommen, deutet an, dass hier nicht immer eitel Sonnenschein herrschen wird. Spiegelbildlich zu den Outperformern sind auch die Underperformer unter den Eurozonen ebenfalls unter den Strategic Beta Produkten zu finden. Etliche Large-Cap Value-ETFs zeigen eine noch schwächere Bilanz als die oben erwähnten ETFs auf den Euro STOXX 50. Wer also heute Strategic Beta ETFs in Performance-Tabellen weit oben findet, kann sicher sein, dass er solche Proudkte spiegelbildlich auch findet, wenn er die Tabelle umdreht.

Die hohen Abweichungen vom Markt könnten also mehr Risiko sein, als viele ETF-Anleger bereit sind einzugehen. Viele Langfrist-Investoren dürften sich lieber mit biederem Durchschnitt zufriedengeben. Andere Anleger dürften Strategic Beta ETFs taktisch einsetzen, was mal klappen wird und mal nicht. Es spricht vieles dafür, dass das hohe verwaltete Vermögen in den zahlreichen Euro STOXX 50 ETFs kein Zufall ist. 

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.