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Kontinuitäten und Diskontinuitäten auf morningstar.de

Mischfonds dominieren Ranking der Anlegerfavoriten im zweiten Quartal. Auch weniger bekannte Namen machen sich bei Investoren bemerkbar. Die beliebtesten Fonds auf morningstar.de in der Übersicht.

Ali Masarwah 07.08.2017

Auf den ersten Blick findet sich in der Favoritenliste unserer Leser per Ende Juni nicht viel Neues: Im zweiten Quartal dominierten die langjährigen Fonds-Favoriten, allen voran der flexible Mischfonds aus dem Hause Flossbach von Storch, Mischfonds FvS SICAV Multiple Opportunities. Das Portrait dieses Fonds wurde in den drei Monaten per Ende Juni unter allen Fonds, die in Deutschland zu Vertrieb zugelassen sind, am häufigsten auf unserer Website angeklickt. Das ist bereits seit Anfang 2014 der Fall, als wir angefangen haben, die Fonds-Favoriten auf unserer Website quartalsregelmäßig nachzuhalten. Doch es gibt auch einige neue Nuancen beim Leserverhalten, auf die wir im Verlauf dieser Umschau eingehen werden. 

Zur Erinnerung: Wir blicken regelmäßig auf die Statistiken, die uns zeigen, welche Anlagefonds Sie, liebe Leserinnen und Leser, besonders interessiert haben. Heute halten wir nach, welche Fondsnamen oder ISINs Sie in die Suchmaske auf unserer Website besonders häufig im zweiten Quartal eingegeben haben. Die untere Liste liefert einen Überblick über die Fonds im Fokus auf morningstar.de. Sie ist nach den am häufigsten angeklickten Anlageprodukte im vergangenen Quartal sortiert. 

Neben dem Namen und der ISIN der Fonds finden sich Angaben zu den qualitativen und quantitativen Morningstar Ratings, Informationen zur Performance bzw. wie diese im Kategorievergleich ausgefallen ist. Neben der Performance-Zahl finden Sie den Perzentil-Rang in der jeweiligen Vergleichskategorie. Eine niedrige Zahl signalisiert eine gute Platzierung. Diesbezüglich hat der FvS in diesem Jahr per Ende Juli keine Bäume ausgerissen: Er liegt im 72 Perzentil und zählt damit zum schwächsten Drittel vergleichbarer Fonds in Europa. 

Der von Bert Flossbach verantwortete Fonds befindet sich in guter Gesellschaft: Auch der ausgewogene EUR Mischfonds Carmignac Patrimoine landete im 62. Perzentil und erwirtschaftete somit eine wenig spektakuläre Performance.   

Tabelle: Die beliebtesten Fonds auf morningstar.de im zweiten Quartal

 

Besser lief es für den zweitbeliebtesten Fonds auf morningstar.de im zweiten Quartal – für den DWS Top Dividende. Der von Thomas Schüssler verantwortete Fonds lag im laufenden Jahr mit einem Plus von 0,37 Prozent gerade noch im Plus, was aber dennoch für das 38. Perzentil der global investierenden Dividendenfonds reichte. Der DWS Deutschland, der drittbeliebteste Fonds, legte um knapp neun Prozent zu, was deutlich über der DAX-Performance lag und auch ein besseres Ergebnis bedeutete als rund zweidrittel der Konkurrenzfonds. Angesichts seines recht indexnahen Rentenprofils mag die Outperformance des Kapital Plus von Allianz Global Investors auf den ersten Blick überraschen. Der defensive Mischfonds legte um gut 2,2 Prozent zu. Hier dürfte sich vor allem das Comeback der Growth-Aktien im Jahresverlauf manifestiert haben, die 2016 noch unter dem zeitweiligen Favoritenwechsel hin zu mehr zyklischen Branchen gelitten hatten. 

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ist ebenfalls auf der Favoritenliste vertreten. Er schnitt auch in diesem Jahr im Vergleich zu flexiblen Mischfonds sehr gut ab. Er profitierte dabei von seiner hohen Nebenwertequote und der klaren Fokussierung auf europäische Aktien. Europäische Nebenwerte hatten erneut in diesem Halbjahr einen Lauf im Vergleich zu Standardwerten. Wir haben bereits häufiger über diesen Fonds berichtet, der lange Zeit ein Aktien-Nebenwertefonds war, wegen seiner hohen Cash-Quote aber vor einigen Jahren zu einem Mischfonds umdeklariert wurde. 

Es müssen nicht immer Flossbach und Carmignac sein 

Dieser kurze Abriss zeigt, dass die Favoritenliste von viel Kontinuität geprägt war. Doch im zweiten Quartal gab es mit Blick auf die Favoritenfonds doch einige Neuerungen. Etwa war der Templeton Growth (Euro) Fund A wieder mit von der Partie. Der prominente Value-Fonds gehörte lange Zeit zu den Favoriten im Privatkundenvertrieb. Allerdings zeigte der Fonds in den vergangenen Jahren nur noch ein durchschnittliches Rendite-Risiko-Profil, was am Drei-Sterne-Rating deutlich wird. 

Nicht länger dabei ist dagegen der langjährige Anlegerliebling Ethna-Aktiv A. Für ihn war das vergangene Jahr nichts weniger als ein annus horribilis. Er startete mit einer hohen Aktienquote, stieg dann zur Unzeit aus den Aktienmärkten aus und konnte auch im Gesamtjahr den Rückstand nicht mehr ausgleichen. Mit einem Minus von 4,7 Prozent lag der Fonds per Ende 2016 im 98. Perzentil seiner Kategorie – er zählte also zu den zwei Prozent schwächsten defensiven Mischfonds in Europa. Inzwischen ist das Fondsvermögen auf rund 6,3 Milliarden Euro abgeschmolzen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten zogen Anleger gut 2,2 Milliarden Euro ab. Allerdings kamen die Abflüsse zur Unzeit, wie das oft der Fall bei schwächelnden Favoriten ist: Mit einer Performance von 3,2 Prozent in diesem Jahr zählt der Fonds zu den besseren Produkten seiner Kategorie. 

IP White und WHC Global Discovery schieben sich in der Rangliste nach vorn 

Doch kommen wir zu zwei prominenten Aufsteigern, von denen der IP White T („T“ steht für thesaurierend, es gibt auch eine ausschüttende Variante „A“), allerdings bereits im Jahresverlauf 2016 zeitweilig in unserer Favoritenliste vertreten war. Der Fonds der Inter-Portfolio, eine Tochter der „Freie Internationale Sparkasse“ (gehört zur Sparkasse Bremen), wurde erst im Dezember 2014 aufgelegt. Wegen einer zeitweilig sehr guten Performance stieg das Vermögen des Fonds innerhalb Jahresfrist von knapp 50 Millionen auf derzeit gut 185 Millionen Euro. 

Fondsmanager Lars Rosenfeld investiert in Aktien und kurzlaufende Unternehmensanleihen und sichert in volatilen Märkten die Aktienquote ab. Das hat in diesem Jahr eine signifikante Outperformance gebracht. Allerdings sollte die gute Bilanz wegen des kurzen Track Records noch nicht zu hoch bewertet werden. Die Performance Fee ist sportlich: Übertrifft der Fonds eine Hurdle Rate von fünf Prozent pro Jahr, fallen Gebühren in Höhe von 25 Prozent der darüber hinaus erzielten Rendite an. Immerhin gibt es eine High Water Mark. 

Eine längere Performance-Historie bringt der zweite Neuling unserer Auswahl mit, der WHC Global Discovery. Er wird seit 2010 von Markus Wedel verantwortet. Hinter diesem Fonds steht der bankenunabhängige Vermögensverwalter SPSW Capital aus Hamburg. Wedel, ein ehemaliger Aktienhändler, ist seit Anfang 2015 Co-Gesellschafter-Geschäftsführer des Bafin-lizensierten Finanzportfolioverwalters. Der Fonds hat das Kunststück vollbracht, seit 2013 in jedem Kalenderjahr zu den zehn Prozent besten ausgewogenen Mischfonds zu gehören. Diese Konstanz liest sich darin ab, dass er in den vergangenen drei Jahren zum ersten Perzentil der Vergleichsgruppe gehört. Aktuell ist der 2010 aufgelegte Fonds zu gut 50 Prozent in Aktien investiert, in erster Linie in kleinkapitalisierte Titel wie König und Bauer, VTG, MLP oder Centrotec. Ungeachtet der globalen Ausrichtung, die auch im Namen mehr als angedeutet wird, steckt knapp die Hälfte des Aktienanteils in deutschen Unternehmen. 

Der Erfolg des Fonds ist inzwischen kein Geheimnis mehr: Mit einem Vermögen von knapp 360 Millionen Euro zählt der Fonds inzwischen nicht mehr zu den Kleinen seiner Art. Allein in diesem Jahr gingen dem Fonds rund 100 Millionen Euro an Nettomittelzuflüssen zu. Immer mehr Anleger handeln bei Mischfonds also nach dem Motto: Es müssen nicht immer Flossbach oder Carmignac sein.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.