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Absatz von Renten-ETFs im Juli verhalten, Aktien-ETFs dagegen nachgefragt

Morningstar Absatzstatistik legt Schluss nahe, dass sich Anleger zunehmend optimistisch für die Eurozone zeigen. Zuflüsse in Euro-Banken-ETFs auf Rekordhoch.  

Ali Masarwah 16.08.2017

Im Juli haben sich Anleger bei Renten-ETFs eher zurückhaltend gezeigt, haben dafür aber bei Aktien-ETFs beherzt zugegriffen. Wie die Morningstar Absatzdaten für europäisch domizilierte ETFs zeigen, gingen Renten-ETFs 1,56 Milliarden Euro netto zu, was deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Monate lag. Die Nachfrage nach Aktien-ETFs war indes solide; sie sahen Zuflüsse in Höhe von 4,88 Milliarden Euro. Bei Rohstoffen waren Gold-Produkte gefragt. 

Insgesamt beliefen sich die Zuflüsse in Indexprodukte aus Europa auf 7,8 Milliarden Euro. Damit erhöhte sich das verwaltete Vermögen auf 613 Milliarden Euro. 

 

Betrachtet man die Nachfrage nach Fondskategorie, dann bietet sich die Erholung der Eurozone bzw. der zunehmende Optimismus von Anlegern für Eurozonen-Aktien als Erklärungsmuster für die Nettoinvestitionen im Juli an. Die beiden Kategorien mit der höchsten Nachfrage waren ETFs für Eurozonen-Standardwerte – vor allem ETFs auf den Index Euro STOXX 50 – sowie Sektor-ETFs für Finanz-Aktienindizes. Letztere enthielten vor allem Index-Tracker auf Eurozonen-Banken, die im Juli einen Absatzrekord verbuchten. In keinem Monat wurden in den vergangenen Jahren höhere Zuflüsse gesehen als im Juli. Auch die bis dato zutiefst unbeliebten DAX-ETFs, die seit Jahren überwiegend Abflüsse hinnehmen mussten, sahen Zuflüsse von netto 540 Millionen Euro. Die Bilanz der DAX-Tracker bleibt indes für den bisherigen Jahresverlauf negativ. 

Die Nachfrage nach Renten-ETFs für USD Anleihen und Schwellenländerländerpapieren war zwar deutlich positiv, fiel jedoch niedriger aus als in den vergangenen Monaten.

Überwiegend abgestoßen wurden dagegen Hebel- und Short-Bond-ETFs. Hinter den Abflüssen der Gesamtkategorie von 300 Millionen Euro stecken überwiegend Rückgaben von Short-Bund-Future-ETFs, die im Zuge erneut steigender Kurse deutscher Bundesanleihen im Verlauf des vergangenen Monats verkauft wurden. Auch Euro-Hochzinsanleihe-ETFs wurden verkauft, was für mehr Risikobewusstsein auf der Rentenseite sprechen könnte. Etliche Sektor-ETFs wurden verkauft. Da diese sowohl zyklische als auch defensive Branchen umfassten, fällt es schwer, hier klare Trends auszumachen.

Marktführer iShares verbuchte im Juli mit 3,54 Milliarden Euro die höchsten Zuflüsse unter den ETF-Anbietern. Der Löwenanteil ging dabei Aktien-ETFs zu, iShares Bond-ETFs sahen dagegen unterdurchschnittliche Zuflüsse von 850 Millionen Euro, was den Gesamttrend im Juli widerspiegelt und angesichts der Tatsache, dass iShares mit Abstand auch das höchste Bond-ETF-Vermögen auf seine Produkte vereint, keine Überraschung ist.

UBS profitierte vor allem von Zuflüssen in seine Schweiz-domizilierten Gold-ETFs, die in der Eurozone nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. 

Die börsengelisteten Indexprodukte von Deutsche Asset Management sahen Zuflüsse in Höhe von 1,42 Milliarden Euro. Inzwischen wurden alle ETFs und ETCs des Hauses unter der Marke „Xtrackers“ zusammengefasst, was zur Folge hat, dass die Deutsche Bank nunmehr wieder vor Lyxor ETFs Platz zwei des ETF-Anbieter-Rankings nach verwaltetem Vermögen belegt.

Die höchsten Abflüsse musste indes Source hinnehmen. Das geht vor allem auf Rückgaben von breit diversifizierten Rohstoffkörben zurück, die Abflüsse von gut 500 Millionen Euro sahen. Auch etliche der optimierten Sektorprodukte des Hauses, das von Invesco übernommen wird, wurden zurückgegeben. (Auch Invesco ETFs, die unter dem Label „Power Shares“ verkauft werden, sahen im Juli Nettomittelabflüsse.)

ComStage litt unter Rückgaben von USA-Aktien-ETFs und Bund-Future-Short-Produkten. Deka-ETFs sah vor allem Rückgaben von Eurozonen-ETFs, was gegen den Trend allgemeinen Markttrend ging.

Strategic Beta ETFs, also Produkte, die alternative Gewichtungs-Logiken aufweisen als herkömmliche kapitalisierungsgewichtete Indizes, zeigten erneut gegenläufige Trends. Während Rendite-orientierte Produkte, vor allem Value-ETFs, Zuflüsse sahen, mussten Risiko-orientierte ETFs Abflüsse hinnehmen. Der Markt ist bereits seit einigen Monaten dergestalt zweigeteilt: Seitdem Investoren mit Low-Volatility-Produkten 2016 herbe Rückschläge hinnehmen mussten, finden sich die meisten Anleger auf der Verkaufsseite wieder. In diesem Jahr haben Low Volatility ETFs bereits knapp fünf Prozent ihres Vermögens durch Rückgaben verloren. Die höchsten Abflüsse mussten im Juli der iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility und Ossiam Emerging Markets Minimum Variance hinnehmen, die 130 Millionen bzw. 80 Millionen Euro an Rückgaben hinnehmen mussten.

 

Ein letzter Blick auf die Juli-Zuflüsse nach einzelnen ETFs verdeutlicht die großen bereits erwähnten Trends. UBS ETF (CH) Gold sah die höchsten Zuflüsse wie auch etliche ETFs auf den DAX und Eurozonen Banken-ETFs.

Auf der Verliererliste waren der Source Bloomberg Commodity ETF mit Abflüssen von 511 Millionen Euro, Source Stoxx Europe 600 Optimised Industrial Goods & Services (211 Millionen Euro an Abflüssen) und iShares Physical Gold ETC (206 Millionen Euro) prominent vertreten. Aber auch Euro-Hochzins ETFs, Bund-Short-, US-Inflationsschutz- und USA-Aktien-ETFs waren im Verlierer-Ranking zu finden.

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.