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Deutsche Standardwertefonds im Fokus

Im zweiten Teil unserer Serie zu deutschen Aktien blicken wir nun auf die Fondskategorie ‚Aktien Deutschland Standardwerte‘

Barbara Claus 11.09.2017

Im ersten Teil unserer Serie zu deutschen Aktien haben wir die wichtigsten Eigenschaften des Marktes bzw. der wichtigsten Indizes vorgestellt. Nun kommen wir zur Ebene der Fondskategorien. Bei Morningstar werden zwei Kategorien für deutsche Aktien geführt: Aktien Deutschland Standardwerte und Aktien Deutschland Nebenwerte.

In unserer Performanceanalyse konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die Standardwertekategorie. Diese beinhaltet Fonds, deren mittlere Marktkapitalisierung sich im Large-Cap-Bereich bewegt, Beimischungen von Nebenwerten jedoch zulässt, solange sie die Strategie nicht dominieren. Derzeit wird diese Kategorie durch 63 Fonds repräsentiert. Um einen möglichst fairen Vergleich der Fonds zu gewährleisten, haben wir uns, sofern vorhanden, auf die auf Euro lautenden Retail- Anteilsklassen ohne Mindestinvestition beschränkt, die eine möglichst lange Historie und ein möglichst hohes investiertes Volumen aufweisen.

Schaut man sich die größten Fonds an, so werden die obersten Plätze der Rangliste durchweg von Fonds der vier großen deutschen Fondsgesellschaften AllianzGI, Deutsche AM, Deka und Union Investment belegt. Mit Abstand auf Platz 1 als Deutschlandfonds mit dem größten Volumen hat es der von Tim Albrecht verwaltete DWS Deutschland geschafft, der zuletzt per Ende August 2017 ein Volumen von ca. 6,8 Mrd. EUR aufwies.

Die 20 größten Fonds für deutsche Standardwerte

  

Bei den großen Fonds fallen zwei Tatsachen besonders ins Auge: Erstens existiert der durchschnittliche Fonds, bzw. die zugrundeliegende Strategie in der Regel schon mehrere Jahrzehnte (die Fonds Deutsche Invest German Equity und Allianz German Equity sind Klonfonds der schon länger existierenden Strategien DWS Deutschland und Concentra) und die Performance der Fonds, hier gemessen am durchschnittlichen Morningstar Rating, fällt bei den größten Fonds insgesamt überdurchschnittlich aus. Der Durchschnitt der Morningstar Sterne Ratings der 20 größten Fonds liegt deutlich über dem mittleren Rating von 3,0 Sternen. Genauer gesagt liegt der Durchschnitt über drei Jahre bei 3,7, über fünf Jahre ebenfalls bei 3,7 und über 10 Jahre bei 3,4 Sternen. Sicherlich liegt dieser Effekt auch zu einem guten Teil darin begründet, dass erfolgreiche Fonds Gelder von Anlegern anziehen.

Allerdings gibt es auch hier einige Ausreißer nach unten: So liegt der mit einem Volumen von 4.8 Mrd. Euro zweitgrößte Vertreter der Kategorie, der DekaFonds, mit einem Rating von 3 Sternen über alle beobachteten Zeiträume nur im Mittelfeld, der UniFonds, der mit 2,5 Mrd. Euro Volumen den fünften Platz belegt, weist Ratings von zwei oder drei Sternen, abhängig vom Betrachtungszeitraum, auf. Darüber hinaus gibt es noch weitere große Fonds, die sich historisch unterdurchschnittlich entwickelt haben, wie den FT Frankfurter Effekten Fonds, den DekaLux-Deutschland oder den UniFonds –net-. Gründe für das hohe Volumen dieser Fonds könnte beispielsweise der gute Zugang zu Anlegern durch ein eigenes Vetriebsnetz sein, das Fremdfonds, auch wenn sie eine bessere Performance aufweisen, benachteiligt.

Nach den 20 größten Fonds schauen wir uns nun die 20 Fonds mit der besten und der schlechtesten Performance aus der Kategorie ‚Aktien Deutschland Standardwerte‘ an. Welche Faktoren gibt es neben der Fondsgröße, die viele erfolgreiche Fonds gemeinsam haben? Wir betrachten zunächst die Gebühren, Anzahl der Aktien und Marktkapitalisierung.

Die 20 besten und schlechtesten Fonds für deutsche Standardwerte

 

Die Tabelle zeigt die 20 Fonds für deutsche Standardwerte mit der besten und schlechtesten Performance in den letzten fünf Jahren, gemessen am Morningstar Risk-Adjusted Return, der auch das Risiko eines Fonds berücksichtigt. 

Die besten Fonds für deutsche Aktien weisen gegenüber dem Rest der Vergleichsgruppe einige Merkmale auf, die bei ihnen im Durchschnitt besonders ausgeprägt sind.

Die besten 20 Fonds: Wesentliche Merkmale in der Übersicht

Amtszeit des Managers

Auffällig ist, dass die Amtszeit des am längsten agierenden Fondsmanagers bei den besten Fonds mit 8,27 Jahren nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt der gesamten Kategorie von 7,51 Jahren liegt. Dies ist ermutigend, auch wenn es hier in den letzten Monaten einige Wechsel gab: Henning Gebhardt, ehemaliger Manager der Fonds DWS Aktien Strategie Deutschland und Investa, ist 2017 zu Berenberg gewechselt, wo er CIO und Manager des neu aufgelegten Berenberg Aktien Strategie Deutschland ist.

Das Team für deutsche Aktien bei der Deutsche AM ist zwar nach wie vor überdurchschnittlich gut aufgestellt und mit Tim Albrecht, dem Manager des mit ‚Silver‘ ausgezeichneten DWS Deutschland, stand ein versierter Nachfolger zur Verfügung, doch verfolgt der Fonds, anders als der DWS Deutschland, einen explizit wachstumsorientierten Ansatz, so dass sich der exzellente Track Record von Albrecht nicht uneingeschränkt auf den DWS Aktien Strategie Deutschland übertragen lässt.

Matthias Born, ehemaliger Manager des Concentra und seiner Klone Allianz German Equity, Allianz Thesaurus und Allianz Adifonds hat sich im laufenden Jahr ebenfalls dem Team bei Berenberg angeschlossen. Im Zuge der Managerwechsel haben wir auch die Morningstar Analyst Ratings der genannten Fonds angepasst, wobei wir den DWS Aktien Strategie Deutschland weiterhin mit dem positiven Morningstar Analyst Rating ‚Bronze‘ (zuvor: ‚Silver‘) auszeichnen.

Aktienanzahl und Portfoliokonzentration

Die erfolgreichen Fonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Durchschnitt eine deutlich höhere Anzahl an Aktien im Portfolio halten als die breite Kategorie. Insgesamt hat es sich daher für die Fondsmanager gelohnt, auch abseits des sehr konzentrierten Universums der deutschen Blue Chips zu investieren. Die Top-20- Fonds weisen zudem einen deutlich höheren Anteil an Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung auf. Trotz insgesamt höherer Aktienanzahl im Portfolio verfügen die besten Fonds in der Kategorie gleichzeitig auch über eine insgesamt höhere Portfoliokonzentration, das heißt: Die Top-Titel der Fondsmanager sind einerseits mit höheren Gewichten im Portfolio vertreten, während gleichzeitig eine höhere Anzahl an kleineren Positionen beigemischt wird.

Aktive Share und Performance

In der obigen Tabelle haben wir für die 25 größten Fonds der Kategorie die Active Share gegenüber einem DAX ETF berechnet. Weitere Erläuterungen zur Kennzahl Active Share finden Sie hier

Während die durchschnittliche Active Share der Vergleichsgruppe bei 41,27% liegt, weist das erste Quartil eine Active Share von 62,64% auf. In unserer Vergleichsgruppe liegt die risikoadjustierte Performance der untersuchten Fonds im Quartil mit der höchsten Active Share durchschnittlich bei 11,77% p.a. und im Quartil mit der niedrigsten Active Share nur mehr bei 8,71%. Zum Vergleich wies ein durchschnittlicher DAX ETF im Durchschnitt über die letzten fünf Jahre einen Morningstar Risk Adjusted Return von 9,05% p.a. aus und liegt damit im 45. Perzentil der Kategorie.

Auch langfristig war bislang ein Zusammenhang zwischen Active Share und Performance gegeben, wenn man die Morningstar Ratings über 10 Jahre zugrunde legt. (Annahme: Die Höhe der Active Share bleibt je Fonds im Zeitablauf relativ konstant). Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Der DWS Aktien Strategie Deutschland und der DWS Deutschland, die in der Vergangenheit hervorragende Ergebnisse erzielt haben, gehören gemessen an der Active Share nur zum zweit- und drittaktivsten Quartil. Da diese Fonds jedoch die Möglichkeit haben, den Investitionsgrad in einem Rahmen von 90-120% aktiv zu steuern, könnte die Active Share den Aktivitätsgrad unterschätzen.

Der positive Zusammenhang zwischen Active Share und risikoadjustierter Performance, hier gemessen am Morningstar Risk Adjusted Return über 5 Jahre, steht im Einklang mit den Ergebnissen unserer Studie für europäische Standardwerte (Hier finden sie die vollständige Studie in englischer Sprache zum Download). Unsere Untersuchung von Aktienfonds mit Schwerpunkt auf europäischen Titeln hat gezeigt, dass aktive Fonds sich insgesamt besser entwickelt haben als ihre benchmarknahe Pendant, wenn auch ihr Vorsprung in den letzten Jahren geschrumpft ist. Anleger sollten beachten, dass sich die Schwellen, ab denen Fonds als aktiv gelten, je nach Kategorie unterscheiden können. Im Fall des DAX haben wir es mit einem sehr konzentrierten Index mit lediglich 30 Titeln zu tun, so dass die Active Shares hier deutlich niedriger ausfallen als bei breiter gestreuten Indizes wie MSCI World oder MSCI Europe. Zur Verdeutlichung: eine Active Share von 50% hieße in diesem Fall, dass ein Fonds, angenommen alle DAX-Titel wären gleichgewichtet, von den 30 nur mehr 15 Aktien im Portfolio hätte.

Die Active Share ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. So macht es zwar Sinn für Anleger, indexnahe Fonds mit hohen Gebühren zu meiden, doch sollte die Active Share nicht das alleinige Auswahlkriterium sein. Ein hohe Active Share ist keine Garantie für Outperformance. Das Fondsmanagement muss auch die richtigen aktiven Wetten eingegangen sein. Das zeigt nicht zuletzt unsere Untersuchung: Der LBBW Exportstrategie Deutschland oder der Fondak sind Beispiele für Fonds, die sich trotz vergleichsweise hoher Active Shares nicht besser geschlagen haben als der Durchschnitt. Auf europäischer Ebene fiel zudem eine kleine Gruppe mit extrem hohen Active Shares von über 90% ins Auge, für die der positive Zusammenhang zwischen Active Share und Performance nicht mehr gültig war. In unserer Vergleichsgruppe für deutsche Aktien waren jedoch keine Fonds mit solchen Extremwerten bei der Active Share vorhanden.

Anlagestil

Was den Anlagestil angeht, ist sehr deutlich, dass die Fonds mit guter Performance in den letzten fünf Jahren ein deutlich höheres Gewicht an Wachstumswerten im Portfolio hatten als der Kategoriedurchschnitt. Dies verwundert hinsichtlich der 2016 nur kurzzeitig unterbrochenen Outperformance von Wachstumswerten in den letzten Jahren nicht.

Kosten

Bezüglich der Kosten ist der Unterschied weniger gravierend als erwartet. Die Fonds mit besonders guter Wertentwicklung sind mit 1,61% laufenden Kosten p.a. fast genauso teuer wie der Kategoriedurchschnitt. Auch bei ETFs, deren laufende Kosten im Durchschnitt bei lediglich 0,26% liegen, war kaum ein positiver Effekt auf die Performance nach Kosten auszumachen: Die risikoadjustierte Performance lag in den letzten fünf Jahren mit durchschnittlich 9,05% p.a. nur leicht über dem Kategoriedurchschnitt (45% Perzentil).

Fazit

Insgesamt lässt sich festhalten, dass es sich bislang für aktive Manager im Segment deutscher Aktien ausgezahlt hat, ihre Überzeugungen in den Top-10-Titeln im Portfolio deutlich zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig außerhalb des Blue-Chip Universums zu investieren. Insgesamt überzeugten auch diejenigen Manager, die ihre Fonds schon über einen überdurchschnittlich langen Zeitraum zu verwalten. In unserer Vergleichsgruppe konnten sich Fonds mit einer höheren Active Share insgesamt durchsetzen und überzeugten auch im Vergleich mit ETFs. Günstige Kosten waren für sich genommen in den letzten Jahren, entgegen unserer Erwartungen, in der Vergleichsgruppe der aktiv verwalteten Fonds in der Kategorie ‚Aktien Standardwerte Deutschland‘ kein Kriterium für Outperformance und auch im Vergleich mit den sehr günstigen ETFs war der Effekt nur wenig ausgeprägt. Allerdings waren hohe Kosten auch kein Qualitätsmerkmal und gingen nicht notwendigerweise mit höheren Active Shares einher.

Festzuhalten ist, dass ein Fonds, die oben genannten Kriterien erfüllt, zwar im Durchschnitt in den letzten Jahren besser abgeschnitten hat als seine Vergleichsgruppe, diese Kriterien aber nicht alleine zur Auswahl eines einzelnen Fonds herangezogen werden sollten. Für eine zukunftsgerichtete Betrachtung ist eine ausführlichere Analyse erforderlich, die wir im Rahmen der Morningstar Analyst Ratings durchführen.

Im dritten Teil unserer Serie zu deutschen Aktien stellen wir drei Fonds mit positiven Morningstar Analyst Ratings vor

Über den Autor Barbara Claus

Barbara Claus  ist Fondsanalystin bei Morningstar