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Welche Länder bieten gute Bedingungen für Fondsanleger?

Globale Fondsstandorte im Vergleich: Die neue Edition der ‚Global Fund Investor Experience‘ Studie.

Natalia Wolfstetter 10.10.2017

Welche Erfahrungen machen Fondsanleger in unterschiedlichen Ländern und wo gibt es Verbesserungsspielraum? Diesen Fragen gehen wir seit 2009 in einer alle zwei Jahre durchgeführten Untersuchung, der ‚Global Fund Investor Experience‘ Studie nach. Die globale Analyse, die Morningstar alle zwei Jahre durchführt, ist die mittlerweile fünfte und nimmt insgesamt 25 Länder in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika unter die Lupe. Dafür wurden in jedem Land vier für Fondssparer relevante Bereiche untersucht: Regulierung & Besteuerung, Transparenz, Gebühren, Vertrieb.

Im Allgemeinen bieten diejenigen Länder für Fondsanleger ein gutes Umfeld, die über eine unabhängige und proaktive Aufsichtsbehörde verfügen, wo sich die steuerliche Belastung in Grenzen hält und langfristiges Investieren fördert, wo eine hohe Transparenz herrscht, das Gebührenniveau moderat ist, Fonds über verschiedene Vertriebskanäle verfügbar sind und Anleger in den Medien umfangreiche Informationen über unterschiedliche Investmentmöglichkeiten vorfinden.

Die wichtigsten Ergebnisse unserer diesjährigen Studie

  • Wir führen statt der bisherigen 12-stufigen Bewertungsskala eine neue, 5-stufige Skala ein: Top, Above Average, Average, Below Average, Bottom (deutsch: Hoch, Überdurchschnittlich, Durchschnittlich, Unterdurchschnittlich).
  • In vielen Ländern hat sich das Umfeld für Fondsinvestoren durch die Weiterentwicklung der Regulierung und anlegerfreundlichere Praktiken verbessert.
  • Auch 2017 stehen die USA an der Spitze, insbesondere dank einer guten Bewertung in den Bereichen Transparenz und Gebühren, aber auch der Größenvorteile des dortigen Fondsmarktes im Vergleich zu anderen Ländern.
  • Deutschland platziert sich wie in den vorherigen Studien im Mittelfeld.
  • Belgien, Frankreich, Italien, Finnland und Spanien schneiden unterdurchschnittlich ab, was v.a. auf unterdurchschnittliche Noten in den Bereichen Gebühren und Vertrieb zurückzuführen ist.
  • Südafrika, Australien und Thailand sind aufgrund regulatorischen Rückenwinds in die Reihe der überdurchschnittlichen Märkte aufgestiegen.
  • Das bevorstehende Inkrafttreten von MiFID II stärkt den Anlegerschutz, wodurch europäische Staaten in künftigen Untersuchungen besser abschneiden dürften.
  • Die Qualität der Kommentare in Fondsfactsheets und Jahresberichte ist weltweit verbesserungsbedürftig. Diese sind in vielen Fällen nicht aussagekräftig.
  • In den meisten Ländern werden Berater weiterhin durch Vertriebsprovisionen vergütet.
  • In nahezu allen untersuchten Märkten sind Banken der dominante Vertriebskanal. Nur in Australien, Kanada, Neuseeland und Großbritannien spielen auch unabhängige Berater eine wesentliche Rolle.

 

Die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland auf einen Blick:

  • Deutschland liegt weiterhin im Mittelfeld der untersuchten Länder.  
  • In puncto Regulierung und Besteuerung schneidet der deutsche Fondsmarkt durchschnittlich ab. Die nationale Regulierung folgt in großen Teilen der europäischen Aufsichtspraxis.
  • Trotz der Anwendung der Abgeltungssteuer fällt die Nachsteuerrendite für deutsche Fondssparer im internationalen Vergleich eher niedrig aus. Zwar wird das Fondssparen für die Altersvorsorge steuerlich gefördert (Stichwort: ‚Riester-Rente‘), doch ist hier die Auswahl im Vergleich zu nicht geförderten Alternativen begrenzt.
  • Die Transparenz bewertet Morningstar in der Studie als durchschnittlich. Für jeden Fonds ist gemäß europäischer Regulierung eine ‚Wesentliche Anlegerinformation‘ erforderlich, die Informationen zu Anlagezielen, Risiko, Kosten und der historischen Wertentwicklung beinhaltet. Portfolioinhalte müssen halbjährlich veröffentlicht werden, doch in der Praxis sind für über 60% der Fonds monatliche Aufstellungen verfügbar, wenn auch mit Zeitverzug. Fondsmanagernamen werden recht häufig offengelegt.
  • In der Kategorie ‚Gebühren‘ sind Fondssparer in Deutschland schlechter gestellt als im globalen Durchschnitt. Insbesondere (Aktien)fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen, aber nicht hierzulande domiziliert sind, sind recht teuer. Asymmetrische Erfolgsgebühren (d.h. Gebühren auf die Outperformance, ohne im Gegenzug eine Reduktion bei Underperformance zu gewähren) sind, wie in vielen anderen Länder auch, zulässig, doch hat sich die Gestaltung der Erfolgsgebühren durch 2013 eingeführte Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht insgesamt verbessert. Die Beratung erfolgt i.d.R. provisionsbasiert und Fonds ohne Vertriebsprovision sind selten.
  • Deutschland schneidet in der Kategorie ‚Vertrieb‘ überdurchschnittlich ab. Einziges größeres Manko: Weniger als 50% der vertriebenen Fonds werden in einem System der ‚Open Architecture‘, d.h. unter Berücksichtigung von Fremdfonds, angeboten. Die Bevorzugung hauseigener Fonds ist nicht zwangsläufig im Interesse der Anleger.

Die Gesamtergebnisse für alle betrachteten Länder zeigt die folgende Aufstellung (in absteigender und dann alphabetischer Reihenfolge):

Top: USA

Above Average: Australien, Großbritannien, Korea, Schweden, Südafrika, Thailand

Average: China, Dänemark, Deutschland, Hong Kong, Indien, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Singapur, Schweiz, Taiwan

Below Average: Belgien, Finnland, Frankreich, Italien, Spanien

Bottom: keine

Die Gewichtung der einzelnen Kategorien wurde gegenüber der Studie 2015 teilweise angepasst: ‚Regulierung und Besteuerung‘ sowie ‚Transparenz‘ tragen unverändert 20 bzw. 30% zum Gesamtergebnis bei, die Kategorie ‚Gebühren‘ erhielt einen höheren Stellenwert (von 25 auf 30%), während der Anteil des Bereichs ‚Vertrieb‘ von 25 auf 20% reduziert wurde. Damit soll insgesamt der hohen Bedeutung der Gebühren für die künftigen Anlageergebnisse Rechnung getragen werden.

Details sind in der ausführlichen Fassung der ‚Global Fund Investor Experience Study 2017‘ nachzulesen. Diese kann hier als PDF (englischsprachiges Dokument) heruntergeladen werden und erhält Details für alle untersuchten Märkte.

Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar