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Ein bisschen weniger China, bitte!

Aktiv verwaltete Schwellenländer-Aktienfonds sind deutlich stärker diversifiziert als ihre passiven Pendants bzw. die klassischen Indizes. Das gilt auch für die Ebene der einzelnen Sektoren.  

Ali Masarwah 19.12.2017

In der vergangenen Woche haben wir die Frage aufgeworfen, wovon eigentlich die Rede ist, wenn es um Emerging Markets Investments geht. Typischerweise werden Aktienportfolios nach dem Prinzip der Marktkapitalisierung gewichtet. Der Gesamtwert der Anteile der wichtigsten börsennotierten Unternehmen entscheidet, egal, ob man als Investor aktiv verwaltete Fonds kauft oder ETFs. Und das Konzept der Marktkapitalisierung ist ein höchst instabiles. Denn es unterliegt dem Wandel der zugrundeliegenden Akteure. Unternehmen wachsen und gedeihen, stagnieren, schrumpfen oder scheitern. Um diesen Punkt zu illustrieren, haben wir gezeigt, wie stark sich die Struktur des Markets in den vergangenen Jahren verändert hat. So hat sich die Zusammensetzung des Schwellenländer-Leitindex, der MSCI Emerging Markets, seit 2007 mit Blick auf Regionen- und Länderzusammensetzung stark verändert (lesen Sie hier mehr). 

Wir wollen nun schauen, wie die Manager von aktiv verwalteten Emerging Markets Aktienfonds die Wachstumsstory interpretieren und wo sie ihre Schwerpunkte setzen. Dafür haben wir alle aktiv verwaltete Aktienfonds der Morningstar-Kategorie „Aktien Schwellenländer global“ in unserer Datenbank ermittelt und die Länder- und Branchen-Struktur per Ende September 2017 analysiert. In den unteren Tabellen haben wir die Durchschnittswerte für die 398 Fonds aufgeführt. Da die Welt der aktiv verwalteten Fonds eine relative ist, haben wir nicht nur die absoluten Gewichtungen genannt, sondern auch die Schwerpunkte relativ zur MSCI Benchmark gemessen. Hat ein Fonds ein Land oder eine Branche untergewichtet, ist der Wert in der Tabelle negativ, ist er positiv, deutet das auf eine Übergewichtung gegenüber dem MSCI Emerging Markets hin. 

Tabelle: Aktive Schwellenländerfonds: Die Branchengewichtungen

Kommen wir zunächst zu den Sektoren. Ein typisches kapitalisierungsgewichtetes Schwellenländer-Aktienuniversum hat heute einen klaren Schwerpunkt im Technologiesektor. Davon weichen die aktiven Fondsmanager bis zu einem gewissen Grad ab. Sie gewichten Technologie-Aktien deutlich unter, und zwar um 3,9 Prozentpunkte. Deutlich weniger stark vertreten als im MSCI-Index sind auch Energie-Aktien, Telecoms und Immobilien-Titel. 

Demgegenüber sind aktiv verwaltete Schwellenländer-Aktienfonds stärker im Banken- und Finanzdienstleistungs-Sektor vertreten, als das beim Index der Fall ist. Finanztitel stellen die größte Position in aktiv verwalteten Fonds mit durchschnittlich 22,3 Prozent. Deutlich übergewichtet sind auch Konsumgüter-Aktien, wobei defensive Konsumgüter höher in der Gunst der aktiven Manager stehen als zyklische Werte. 

Tabelle: Aktive Schwellenländerfonds: Die Ländergewichtungen

Blickt man auf die Ländergewichtungen, so fällt sofort auf, dass China-Aktien deutlich in aktiv verwalteten Fonds untergewichtet sind, und zwar um knapp sieben Punkte gegenüber dem MSCI Emerging Markets. Dies ist ein typisches Bild für aktiv verwaltete Fonds, die bei einer derartig dominanten Gewichtung im Index deutlich stärker diversifizieren. Dennoch machen China-Aktien mit 22,2 Prozent die größte Position nach Ländern aus. Deutlich untergewichtet sind aktiv verwaltete Fonds auch in Südkorea sowie Taiwan. Etliche Fondsmanager verbannen diese Länder sogar ganz aus ihren Portfolios, da sie Taiwan und Südkorea – nicht ganz zu Unrecht - als Industrieländer einstufen. Allerdings hat das auch Folgen für die Branchenstruktur der Portfolios, da in den beiden Ländern Technologie-Titel stark vertreten sind.  

Demgegenüber finden wir Aktien aus Brasilien, Indien und Russland in aktiv verwalteten Fonds übergewichtet. Im Falle Brasiliens könnte dies ein Nachhall der phantastischen Performance 2016 sein, als Brasilien-Aktien in atemberaubendem Tempo dem Tal der Tränen entstiegen waren. Bei Russland-Aktien dürften viele Fondsmanager dagegen Werthaltigkeit ausgemacht haben. Im Zuge der russischen Invasion der Krim hatten die meisten Staaten Sanktionen verhängt, die, zusammen mit dem Einbruch beim Ölpreis, die Wirtschaft des Landes in eine tiefe Rezession stürzten. Das hatte auch den Aktienmarkt in Mitleidenschaft gezogen – so sehr, dass Russland nunmehr für viele Fondsmanager zu einer Value-Wette geworden ist.  

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.