US-Aktien: Wie „sicher“ sind Gewinne langfristig?

Investoren wollen Gewissheit: Was könnte ich schlimmstenfalls verlieren? Das wissen wir natürlich nicht, aber mit dem „Morningstar Investment-Trichter“ zeigen wir, dass die Zeit Performance-Wunden unweigerlich heilt. Heute blicken wir auf die Historie des amerikanischen Index S&P 500.  

Investmentfonds entfalten ihren Charme für Anleger, wenn sie langfristig gehalten werden. Die Leser unserer Kolumnen kennen unser Mantra. Langfristige Anlageprozesse erfordern Kontinuität, und wer seinen Fonds – egal, ob es ein aktiv verwalteter Fonds oder ein ETF ist – über mehrere Börsenzyklen hält, wird aller Voraussicht nach deutlich besser fahren als taktische Trader, die in mehr oder weniger hoher Frequenz „Fonds-Hopping“ betreiben. 

Doch auch noble Mantras brauchen „Futter“. Die meisten Anleger sind risikoavers, und deshalb ist es wichtig, die Zahlen „sprechen“ zu lassen. Wer befürchtet, dass er auch für eine sehr lange Zeit auf Verlusten sitzenbleiben könnte, wird sich im Zweifel nicht an eine Wertpapieranlage herantrauen. 

Deshalb wollen wir unser Plädoyer für Langfristinvestments aus einem für die meisten Leser vermutlich ungewohnten Blickwinkel vornehmen. Mit dem Morningstar Investment-Trichter können Anleger nicht nur ein Gefühl für die langfristige Performance eines Investments entwickeln, sondern auch, dass eine lange Haltedauer die Wogen der Märkte glättet und die Wahrscheinlichkeit extremer Ausschläge reduziert. Unsere Illustration, die wir in lockerer Reihe veröffentlichen, zeigt auch, wie lange ein Investor warten musste, bis sein Investment schwarze Zahlen schrieb. Wir nehmen uns dafür bekannte Indizes vor. Heute blicken wir auf den US-Standardwerte-Index S&P 500. 

Drei Szenarien durch den Morningstar Investment Trichter gejagt 

Unser Trichterdiagramm berücksichtigt verschiedene historische Investment-Perioden eines Investments. Es wird immer in Blöcken aufeinanderfolgender Monatsrenditen gemessen und ggf. annualisiert (wir rechnen dafür in Euro). Unsere Rechnung umfasst typischerweise 25 Jahre. Zugrunde legen wir etablierte Indizes, die schon seit langer Zeit existieren, sodass die Datenreihen, die der Rechnung zugrunde liegen, in der Regel 30, 40 Jahre oder noch mehr zurückreichen. 

Kritiker werden einwenden, dass ein 25 Jahre andauernder Investmenthorizont heute illusorisch anmutet. Aber wenn es um die Altersversorgung oder die Ausbildung der Kinder geht, sind 25 Jahre eigentlich keine unvorstellbar lange Zeit. Wir erinnern zudem daran, dass auch ultimativ erfolgreiche Fonds Underperformance-Phasen von rund zehn Jahren durchlaufen können! 

Unsere Grafik unten zeigt an, welche Performance im historischen Rückblick im besten Fall und welche im schlechtesten Fall herausgekommen wäre. Zudem zeigt unser Trichter den durchschnittlichen Szenario-Verlauf an. Unsere drei Szenarien sind wie folgt illustriert: die blaue Linie bildet den optimalen Verlauf nach 25 zusammenhängenden Jahren ab, die grüne den denkbar schlechtesten Verlauf, und die graue Linie markiert das durchschnittliche Szenario von 25 Jahren.

Die Gesamthistorie, aus der wir diese Daten ableiten, umfasst 46,5 Jahre. Bewegt man sich von links nach rechts entlang der Zeitachse, wird deutlich, dass sich der Renditekorridor deutlich verengt; sowohl die maximalen Verluste in den jeweiligen Jahresperioden also auch die spiegelbildlichen maximalen Renditen werden geringer. Das ist der wundersame Glättungseffekt, den langfristige Investments ermöglichen!

Unterhalb der Grafik finden Sie die dazugehörige Tabelle, welche die Renditeangaben der drei Szenarien in Zahlen widergibt und dabei auch die Sicht auf verschiedene Zeiträume ermöglicht. 

Grafik: Zwischen Achterbahnfahrt und geglätteter Performance: Szenarien für den S&P 500 Index   

 

Szenario-Renditen in % p.a., Daten per 31.3.2018, Quelle: Morningstar Direct

Kommen wir nun zu den Renditezahlen. Die untere Tabelle zeigt, dass kurze Zeiträume Achterbahnfahrten mit sich bringen können. Der S&P 500 hätte im besten Fall in der 46,5-jährigen Spanne unserer Betrachtung eine Zwölfmonats-Performance von sensationellen 89,7 Prozent erzielt. Allerdings fielen in der schlechtesten 12-Monatsperiode Verluste von 39,8 Prozent an. Wer zwei Jahre dabei blieb, erzielte im besten Fall annualisiert 53,6 Prozent (statt 77,5 Prozent), im schlimmsten Fall lag das Minus bei 31,3 Prozent p.a. 

Und so setzt sich der Trend fort, je weiter man den Blick weiter nach rechts lenkt. Wer zehn Jahre bei der Stange blieb, erzielte bestenfalls ein durchschnittliches Plus von knapp 24,6 Prozent p.a.; im schlimmsten Fall lag der Verlust pro Jahr bei 5,3 Prozent. 

Und jetzt kommen wir zur spannenden Frage: Nach wie vielen Jahren wären Verluste im Gesamtzeitraum von 46,5 Jahren bei US-Standardwerteindex ausgeschlossen? Beim S&P 500 wäre nach 14 Jahren kein Verlust möglich gewesen. Ab dem 14. Investment-Jahr hätte der US-Standardwerte-Index im schlimmsten Fall ein Plus von 0,8 p.a. erzielt. Das ist für ein Aktieninvestment sehr mickrig, aber angesichts der Fixierung von Anlegern auf Verluste, zeigt unser Beispiel, dass Langfristigkeit die beste Medizin gegen Kursverluste darstellt. 

Unterstellt man einen Break-even von zwei Prozent Inflation, dann hätte man nach 15 Jahren im schlimmsten Fall real einen Gewinn erzielt -- bei einem nominalen Plus von 2,2 Prozent pro Jahr. 

Die maximale Periode von 25 Jahren erbrachte im schlechtesten Fall eine Performance von 6,5 Prozent. Das liegt am unteren Ende der langfristigen Aktienrenditen von sechs bis acht Prozent pro Jahr.

Tabelle: Was beim S&P 500 nach XY Jahren herausgekommen wäre

Über den Autor

Pierre De Larminat und Ali Masarwah  Pierre De Larminat ist Client Service Consultant EMEA; Ali Masarwah ist Chefredakteur von Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz