Fondsgeschäft gerät im August ins Stocken

Rentenfonds brechen im August ein, und auch die Nachfrage nach Aktienfonds ist gering. Indes wachsen Indexfonds unerbittlich auf Kosten aktiv verwalteter Fonds weiter. Der Morningstar Fonds-Absatzbericht für Europa.

Ali Masarwah 28.09.2018

Die Mittelflüsse in europäischen Langfristfonds haben sich im August zu einem regelrechten Rinnsal verengt. Diese Publikumsfonds, inklusive Indexprodukte, sammelten netto nur noch 750 Millionen Euro ein, nachdem sich im Vormonat eine Erholung im Fondsgeschäft abgezeichnet hatte. Besonders mies war die Anlegerstimmung für Rentenfonds. Fixed-Income-Produkte verzeichneten Abflüsse von 3,8 Mrd. EUR. Damit setzte sich der Ausverkauf vom Mai und Juni fort. Die Erholung im Juli bleibt also vorläufig eine Zwischenepisode. Besonders betroffen waren Emerging Markets-Rentenfonds: Drei der zehn Rentenfondskategorien mit den höchsten Abflüssen im August sind Schwellenländer-Investments. 

Aktienfonds schafften es mit Nettomittelzuflüssen von 530 Mio. EUR in positives Terrain. Das lag vor allem an der unverändert hohen Nachfrage nach US-Aktienfonds und globale Wachstums- und Technologiefonds, die bereits seit geraumer Zeit wie geschnitten Brot im Vertrieb laufen. (Kontinuität gab es übrigens auch bei den unbeliebten Aktienfondskategorien: Aktienfonds Japan, Europa und etliche Dividendenkategorien wurden auch im August verkauft.

Bei den wichtigsten Asset-Klassen halten sich Anleger merklich zurück

Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass Fondsanleger im August sich weiter mit Blick auf die beiden wichtigsten Anlageklassen in Zurückhaltung üben. Aber es gibt eine weitere Facette, nämlich die divergierende Entwicklung bei aktiv verwalteten Fonds und Indextrackern, auf die wir weiter unten eingehen werden. 

Mischfonds blieben indes gefragt, wenn auch auf niedrigerem Niveau als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Aktien-Renten-Mixfonds sammelten netto 4,1 Milliarden Euro ein und waren damit gewissermaßen die Einäugigen unter den Blinden. Getrieben wurde die Nachfrage von Zuflüssen in ausgewogene Dollar-Mischfonds (die vor allem außerhalb der Eurozone vertrieben werden) sowie von flexiblen, ausgewogenen und aktienorientierten Mischfonds, die auf Euro lauten und damit die unverändert positive Nachfrage nach Mischfonds in der Eurozone widerspiegeln. 

Der Absatz von alternativen Fonds erholte sich und war im August mit 450 Millionen Euro nach zwei Monaten mit Abflüssen wieder in positivem Terrain. Allerdings markierte dies zugleich den zweitschlechtesten Monat für diese Hedgefonds-Produkte seit Dezember 2011. Die beiden größten Kategorien, alternative Multistrategiefonds und Long-Short-Rentenfonds, verzeichneten weiterhin Nettoabflüsse, die nur knapp durch Zuflüsse in Systematic Futures, US-Long-Short-Aktienfonds und Global Macro-Fonds kompensiert wurden. 

Rohstoffprodukte setzten ihre Talfahrt im Vertrieb weiter fort. Sie verzeichneten Abflüsse von 675 Mio. EUR. Erneut erlitten breit streuende Rohstoffkörbe die höchsten Abflüsse. Edelmetallfonds verzeichneten dagegen erstmals seit Mai wieder Nettozuflüsse.

Geldmarktprodukte verzeichneten Abflüsse von 4,2 Mrd. EUR, die durch die Rückgabe von Anteilen an irisch domizilierten Fonds verursacht wurden.

Per Ende August belief sich das Geldvermögen in langfristigen Fonds mit Domizil Europa auf 8,66 Billionen Euro nach 8,67 Billionen Euro zum 31. Juli. Die in Geldmarktfonds investierten Assets sanken auf 1.173 Billionen Euro von 1.176 Billionen Euro. 

Tabelle: Mittelzuflüsse und Geldvermögen von Publikumsfonds per Ende August 

Aktiv versus passiv 

Mit Blick auf das Aktiv-Passiv-Schisma dominierte Kontinuität. Das Wachstum von Indexfonds setzte sich unerbittlich fort, während aktiv verwaltete Renten- und Aktienfonds Abflüsse hinnehmen mussten. Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre ging die Nachfrage nach Mischfonds und alternativen Produkten zurück. Das verdeutlichte noch deutlicher als in den vergangenen Jahren die veränderte Präferenz vieler Anleger. Inzwischen beläuft sich der Marktanteil von Indexfonds (ex Geldmarkt) auf 16,7 Prozent des europäischen Markts für Publikumsfonds. Naturgemäß sind Indexfonds besonders stark im Aktienfonds-Segment vertreten, wo knapp 27,5 Prozent des Marktes inzwischen passiviert wurde. 

Passive Aktienfonds (sowohl offene Indexfonds als auch börsengehandelte Fonds) verzeichneten im August Zuflüsse von 3,5 Mrd. EUR. Die Nachfrage wurde durch den regelrechten Hunger nach US-Standardwertefonds getrieben. Vor allem S&P 500-Tracker profitierten dabei. Insgesamt gingen diesen Fonds Zuflüsse von 1,3 Mrd. EUR zu. Inzwischen sind gut Zweidrittel der Assets dieser Kategorie in Indexfonds investiert. Auch britische Large-Cap-Fonds, globale Standardwertefonds sowie global anlegende Schwellenländer-Aktienfonds profitierten auf der Passivseite. 

Aktiv verwaltete Aktienfonds büßten indes gut drei Milliarden Euro an Abflüsse ein. Damit war der August der vierte Monat in Folge mit Nettoabflüssen. Vor allem globale Schwellenländer-Aktienfonds verzeichneten bei den Aktiven die höchsten Abflüsse, aber auch Europa ex-UK Large-Cap und Japan Large-Cap-Fonds verbuchten Nettoabflüsse. 

Die größten Verlierer waren indes aktiv verwaltete Rentenfonds im August, nachdem sich der Absatz im Juli stabilisiert hatte. Es wurden Anteilsscheine im Wert von 5,6 Mrd. EUR zurückgegeben. Das war immerhin deutlich weniger als die Abflüsse im Mai und Juni. Mit Abflüssen von 1,3 Mrd. EUR waren global anlegende flexible Rentenfonds das prominenteste Opfer. Das ging vor allem auf den fortgesetzten Abverkauf des PIMCO Income zurück. Unter den aktiv verwalteten Rentenfonds wurden auch diversifizierte EUR Rentenfonds, global anlegende Schwellenländerfonds (Hartwährungen) und global anlegende Rentenfonds 

Passiv verwaltete Rentenfonds hingegen setzten mit Zuflüssen von gut 1,7 Milliarden Euro ihren Siegeszug fort. Besonders gefragt waren Indexprodukte für US-Staatsanleihen und USD Unternehmensanleihen, die Kategorienbasis die höchsten Zuflüsse verzeichneten. 

Indes mussten aktiv verwaltete und passive Rohstoffprodukte im August gleichermaßen Rückgaben von Anteilsscheinen hinnehmen. Indexfonds verloren mit 510 Mio. EUR mehr als die aktiv verwaltete Fonds (minus 164 Mio. EUR). Abflüsse aus breit aufgestellten Rohstoffkörbe waren die Haupttreiber für die negative Absatzbilanz. 

Tabelle: Mittelflüsse in die wichtigsten Asset-Klassen nach Aktiv-Passiv-Schema

Die vollständige Version des Fondsabsatzberichts lesen Sie hier.

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.