Defensive Mischfonds geraten 2018 unter die Räder: Versuch einer Zwischenbilanz

Hört man sich unter Fondsmanagern um, dann hatten konservative Anlagen in diesem Jahr eine schwere Zeit. Diese Aussage muss qualifiziert werden. Das tun wir im Kontext einer Übersicht zur Bilanz defensiver Mischfonds.

Ali Masarwah 04.12.2018

Das Jahr 2018, das sich in diesen Tagen dem Ende entgegenneigt, war nichts für schwache Nerven:  Die Volatilität an den Aktienmärkten ist gestiegen, und in etlichen Bond-Segmenten liefen die Spreads auseinander. Auch bei Rohstoffen war wenig bis nichts zu holen. In diese Klage stimmen viele Manager von defensiven Mischfonds ein. Tenor: Es gab kein Entrinnen, Performance gab es in diesem Umfeld nicht zu holen, schlimmer noch, die Renditen seien deshalb allerorts negativ.

Angesichts unsicherer Aussichten mit Blick auf die Folgen der Geldpolitik der Notenbanken und des Niedrigzinsumfelds müssten Anleger künftig höhere Risiken eingehen, so der Tenor einiger Manager defensiver Fonds in einem jüngst abgehaltenen Webinar des Beratungshauses Drescher & Cie

Wer so argumentiert, hat zweifelsohne einige valide Punkte für die bescheidene Performance-Bilanzen in diesem Jahr benannt. Aber leider auch Etliches ausgelassen, und die Prognose ist auch nur bei Eintritt eines bestimmten Szenarios valide. Aber mit Szenarien ist das so eine Sache: einen Determinismus gibt es nicht.  

Defensive Mischfonds: defensiv nur mit Blick auf die Aktienquoten?

Zunächst zu den Basics: Defensive Mischfonds haben die Aufgabe, das Anlegerkapital stärker zu schützen als, sagen wir, aggressiv investierende Mischfonds. Während defensive Mischfonds gemäß unserer Definition Aktienquoten von maximal 35 Prozent aufweisen sollten, haben aggressive Mischfonds eine Aktienquote von mindestens 65 Prozent. Bond-seitig sind die Fonds auf Euro-Emissionen konzentriert, wobei globale defensive Mischfonds durchaus die Freiheit haben, auf Fremdwährungen zu setzen. Defensive Mischfonds sind also stark auf Anleihen fokussiert, aggressive Mischfonds vorwiegend in Aktien. Das stimmt mit dem ersten Blick auf die Aktienquoten der Produkte - derzeit bei rund 25 Prozent - überein.

So weit, so klar, also? Sind defensive Mischfonds wirklich defensiv? Nicht ganz. Denn in den vergangenen Jahren haben die Manager defensiver Mischfonds angesichts tiefer Anleiherenditen die Duration ihrer Bond-Portfolios einerseits reduziert, frei nach dem Motto: die Renditen sind tief, also müssen sie steigen (was angesichts der klaren EZB-Zinspolitik verwundert). Zugleich haben sie, um mehr Performance zu erzielen, die Kreditqualität der Bonds in ihren Fonds reduziert. Auch wurden sichere Staatsanleihen reduziert. 

Das bringt uns zur Performance-Diagnose für das laufende Jahr. Die Performance defensiver Mischfonds auf der Bond-Seite war so, wie man es bei Portfolios in diesem Jahr erwarten konnte, die eine kurze Duration aufweisen, Staatsanleihen untergewichten und sich dafür mit Spread-Papieren vollgesogen haben: eher schwach.   

Wenig Fortune auch auf der Aktienseite

Und hat man kein Glück, kommt bekanntlich das Pech hinzu: Mischfonds, die an Anleger in der Eurozone verkauft werden, sind auf der Aktienseite seit jeher bei US-Aktien untergewichtet gegenüber globalen Benchmarks. Nun hat der US-Aktienmarkt für den US-Anleger kaum Performance in diesem Jahr erzielt. Das gilt indes nicht aus der Sicht des Euro-Anlegers. Der Euro hat gegenüber dem Dollar in diesem Jahr rund acht Prozent verloren. Ein ungehedgtes globales Aktienportfolio, das sich am MSCI World Index orientiert, hatte also von der Fremdwährungsseite starken Rückenwind. Angesichts der Untergewichtung von US-Aktien war es bei defensiven Mischfonds freilich ein eher laues Lüftchen. 

Diese ungute Melange erklärt, warum defensive Mischfonds, Sie ahnen es, in diesem Jahr absolut mies abgeschnitten haben. Im Schnitt büßten die Privatanleger-Tranchen der global anlegenden defensiven Mischfonds mit Vertriebszulassung in Deutschland per Ende November gut 3,6 Prozent ein. Der Vergleichsindex der Kategorie, der zu 75 Prozent aus dem Bond-Index Bloomberg Barclays Euro Aggregate Total Return und zu 25 Prozent aus dem Aktienindex FTSE World besteht, legte um 0,95 Prozent zu. Von 270 Fonds gelang es nur einem einzigen, dem Fidelity SMART Global Defensive, besser als der Index abzuschneiden. Zwei andere Fonds, der Deka BR 35 und Deka BR 20, lagen in den ersten elf Monaten zwar unter Indexniveau, aber immerhin im Plus. Die „übrigen“ 267 Fonds der Kategorie verzeichneten per Ende November in diesem Jahr Verluste. 

Blicken wir auf die Performance im Einzelnen. Während der Index nur zwei negative Monate im laufenden Jahr hatte und im Februar 0,4 Prozent und im Oktober 1,3 Prozent verlor, mussten defensive Mischfonds im Schnitt in sieben von elf Monaten Verluste hinnehmen. Interessant ist, dass die aktiv verwalteten Fonds in den beiden ausgeprägten Verlustmonaten deutlich stärker verloren als der Composite-Index: 1,1 Prozent im Februar und 1,9 Prozent im Oktober. Spiegelbildlich konnten die Fonds in zwei Monaten mit einer ausgesprochen positiven Performance bei Risiko-Assets, im Januar und im April, leicht besser abschnitten als der Aktien-Renten-Index. Defensive Mischfonds waren also offensiver ausgerichtet, als es der Index vermuten lassen würde. 

Wer nun vermutet, dass die Kosten der Grund für die Underperformance seien, der erfasst nicht das gesamte Bild. Zwar sind defensive Mischfonds im Schnitt mit laufenden Gebühren von gut 1,6 Prozent sehr teuer. Doch auch ohne Berücksichtigung der Kosten hinkten die Produkte dem Index hinterher. Im laufenden Jahr lag die Brutto-Performance mit minus 2,13 Prozent um gut drei Prozentpunkte schlechter als der Index. Vergegenwärtigt man sich, dass die Differenz zwischen Index-Performance und Bruttorendite in den vergangenen Jahren bei rund zwei Prozentpunkten lag, dann liegt der Schluss nahe, dass die Allokationsentscheidungen der Fondsmanager in diesem Jahr besonders wenig Mehrwert brachten. 

Fazit: More of the same? Bitte nicht! 

Das bringt uns zum Fazit, dass defensive Mischfonds in diesem Jahr Anlegern per Saldo keinen Mehrwert brachten. Fondsmanager, die nun ihren Fonds als Schlussfolgerung ein sportlicheres Risikoprofil verpassen wollen, um die verpasste Rendite aufzuholen, sollten bedenken, dass sie damit möglicherweise gegen das Mandat der Investoren verstoßen.

Defensive Mischfonds sollten ein konservatives Rendite-Risiko-Profil aufweisen, und das beinhaltet nicht nur eine relativ tiefe Aktienquote, sondern auch eine vorsichtige Vorgehensweise bei Bonds. Spread-Produkte sollten allenfalls maßvoll beigemischt werden. Übrigens zeigt die positive Performance-Bilanz von sicheren Staatsanleihen – der Rex P liegt in diesem Jahr komfortabel im Plus -, dass hier durchaus Performance-Potenzial vorhanden ist, unter anderem abgeleitet vom Diversifikationspotenzial, das Anleger immer wieder diese sichere Region des Bond-Markts aufsuchen lässt.

Vergegenwärtigt man sich, dass sichere Bonds durchaus in negativem Rendite-Terrain landen können, dann muss man nicht mit dem Bond-Doomsday-Szenario vieler Fondsmanager konform gehen. Bricht die Weltkonjunktur im kommenden Jahr ein und bringen Brexit und die neue italienische Irredenta die Eurozone unter Druck, dann werden sichere Staatsanleihen eine hervorragende Performance erwirtschaften. Andere Szenarien, andere Performance-Pfade, halt.

Vielleicht sollten es die Anbieter von Mischfonds ja einmal damit versuchen, die Erwartungen ihren Anleger dahingehend zu managen, dass sie ihnen verdeutlichen, dass es auf der Bond-Seite in den kommenden Jahren wenig zu holen gibt und Aktienmärkte nun einmal schwanken. Es gibt Phasen, in denen Risikoprämien nun einmal nicht sprudeln. Und sie könnten dennoch nicht unterschlagen, dass gerade Aktienschwankungen von sicheren Anleihen ausbalanciert werden können (die indes keine Performance-Raketen sind).

Übrigens könnten die Fondshäuser durchaus auf pfiffige Weise die Performance ihrer Fonds ohne Zusatzrisiken optimieren: indem sie die Kosten ihrer Produkte senken. Jeder Basispunkt weniger auf der Kostenseite schlägt sich 1:1 positiv auf die Anleger-Performance nieder. Bei durchschnittlich gut 1,6 Prozent an Kosten für Retail-Produkte gibt es also durchaus Performance-Potenzial bei defensiven Mischfonds zu heben.

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.