Interview: Bei Fonds gibt es keinen Kondi­tionen­wett­bewerb

Kurs halten, auch wenn die Zeiten an den Märkten volatil sind. Es lohnt sich immer und immer wieder, diese Binse hervorzuheben. Dazu und zu einigen anderen Entwicklungen am Fondsmarkt in Deutschland hatte ich in einem Interview mit Fundplat.com einige Anmerkungen. 

Ali Masarwah 30.04.2019

Ein Interview, das am 25. April auf fundplat.com veröffentlicht wurde. In meinem Rückblick auf das bisherige Marktgeschehen in diesem Jahr stelle ich die These auf, dass das vergangene halbe Jahr lehrbuchartig gezeigt hat, wie wichtig es für Portfolio-Manager wie auch für Privatanleger gleichermaßen ist, Kurs zu halten, auch wenn die Zeiten an den Märkten volatil sind. Darüber hinaus stelle ich heraus, dass die Dreifaltigkeit der klassischen Indexfonds (inklusive ETFs) - tiefe Kosten, breite Streuung, stabile Asset Allocation - auch bei aktiven Managern zu finden ist, auch wenn man mitunter an vielen hypernervösen Fondsmanager verzweifeln mag. Das Interview führte Thomas Caduff, CEO der Fundplat GmbH, eine B2B Event- und Media-Plattform mit Präsenz in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz, dem ein herzliches Dankeschön für die Genehmigung dieses Nachdrucks gebührt. 

Thomas Caduff: Herr Masarwah, das erste Quartal ist Geschichte, die Märkte haben sich beruhigt, haben Sie genug Stoff zum Schreiben?

Ali Masarwah: Sie meinen, das plätschert wieder alles so dahin, und ich sitze in meinem Skrip­torium und suche hände­ringend nach etwas Neuem? Nein, es gibt wahnsinnig viel zu schreiben, immer und immer aufs Neue. Auch wenn wir der Meinung sind, dass kurz­fris­tige Markt­entwick­lungen wenig mehr als «noise» sind, also Lärm, der eher vom Wesent­lichen ablenkt, konnte man doch einige Erkennt­nisse als Investor aus den Entwick­lungen des vergan­genen halben Jahres ziehen. Der Stimmungs­um­schwung in der Wirt­schaft und bei den Zentral­banken steht in einem radi­kalen Kontrast zu der Entwicklung von Risiko-Assets, also Aktien und riskanten Bonds. In den ersten vier Monaten dieses Jahres sind die Kurse nach oben enteilt, und so mancher Beobachter oder Markt­teil­nehmer, der Ende Dezember noch auf Krise einge­stellt war, reibt sich immer noch verwundert die Augen, wie schnell die Kurs­erholung war.

Was wäre denn die wichtigste Lehre aus der Korrektur im vierten Quartal 2018 und der Erholung in den ersten Monaten dieses Jahres?

Kurs halten und sich nicht in Market Timing Versuchen zu üben! Das kostet Geld und keiner weiss, wann die Korrektur ihren Tief­punkt erreicht hat und die Märkte zur Aufhol­jagd blasen. Hätten Sie Ende Dezember gedacht, dass die Märkte gerade einmal zwei, drei Monate brauchen würden, um den Einbruch aufzu­holen?

Dann sollten Anleger auf ETFs setzen, die immer voll investiert sind?

Das ist für viele Anleger tatsächlich eine gute Empfehlung, aber nicht, weil ETFs Indizes abbilden, sondern weil sie zwei, drei sehr wichtige Eigen­schaften haben, die aktiv verwal­tete Fonds oft vermissen lassen: sie sind sehr günstig, in der Regel breit diversi­fiziert, und sie handeln wenig und sind somit strategisch aufge­setzt. Letzteres, also das sehr geringe Trading, bewirkt übrigens tiefe Handels­kosten, was Index­fonds oft sehr viel besser aussehen lässt als aktiv verwal­tete Fonds…

Aber?

Ich fühle mich unwohl mit der Pauschal­empfehlung, auf Index­fonds zu setzen. Es gibt da draußen gute aktiv verwal­tete Fonds mit erfah­renen Managern, die es schon seit Jahren schaffen, ihre Bench­marks zu schlagen. Eben weil sie einige - leider meistens nicht alle - Eigen­schaften mit­bringen, die ich oben erwähnt habe. Vor allem Value-bewusste Manager, die bei Kurs­schwächen zuschlagen, könnten einen erheb­lichen Mehr­wert gegen­über adäquaten Bench­marks erzielen. Leider sind diese Fonds oft sehr teuer, was die Anleger­rendite deutlich schmälert, und dann ist oftmals nur die Markt­rendite drin. Insti­tutio­nelle Investoren profi­tieren von tiefen Gebühren, von denen Privat­anleger leider nur träumen können.

Was waren die Absatz-Renner bei den aktiv verwalteten Produkten und bei den ETFs?

Auf Ebene der Kategorien haben Anleger in Europa in diesem Jahr vor allem Risiko-Assets gekauft. Global anle­gende Aktien­fonds, Emerging-Markets-Aktien­fonds und Emerging-Markets-Renten­fonds, Hoch­zins­fonds. Bei Einzel­fonds kann ich den «PIMCO GIS Income Fund» hervor­heben, der in den ersten drei Monaten fast sechs Milliarden Euro an Neu­geldern einge­sammelt hat, aber auch Fonds wie der «AB American Income Portfolio» war sehr erfolg­reich. Diese beiden Fonds stehen für einen Fokus auf höher rentier­liche Bonds, das spiegelt also die Rück­kehr des Risiko­appetits der Inves­toren wider. Bei ETFs und Index­fonds haben einige breit diver­sifi­zierte Produkte das Rennen gemacht - auf der Aktien­seite waren das ETFs auf den MSCI ACWI; besonders gepunktet haben aber Bond-ETFs, was schon bemer­kens­wert ist, wenn man sich der Propa­ganda-Feld­züge aktiver Manager gegen das vermeintlich große Risiko auf der Passiv­seite verge­gen­wärtigt. Anleger suchen tiefe Gebühren in Zeiten tiefer Renditen. Punkt. Das sollten aktive Manager zum Anlass nehmen, die Gebühren auf der Bond­seite zu senken.

Täuscht es, oder gibt es insgesamt zu viele Fonds im DACH-Raum?

Es gibt leider viel zu viele Fonds, da täuscht sich Ihr Gefühl nicht. Vor allem in Deutsch­land und in Öster­reich gibt es keinen Kondi­tionen­wett­bewerb, da exis­tieren viele Nischen, in denen man es sich als Asset Manager bequem machen kann. Fehlt der Wett­bewerbs­druck, bleiben die Kosten hoch und viele Manager mit schwachen Leistungen werden nicht mit Geld­entzug bestraft. Es fehlt der «Trigger» für eine markt­breite Konso­lidierung, die eigentlich nötig wäre.

Wie können sich die großen Anbieter unterscheiden - mal abgesehen vom Service?

Service ist schon mal eine Menge, gerade dann, wenn man sich auf der Produkt­seite nicht vom Wettbe­werber abheben kann. Das gilt vor allem für ETF-Anbieter, aber eben nicht nur; viele aktive Manager haben nicht den Stein der Weisen gefunden, auch wenn sie es typischer­weise behaupten. Aber am Ende des Tages werden leistungs­starke Produkte den Weg zum Kunden finden, insofern würde ich mehr als den Service die Konstanz bei der Bewirt­schaftung von Produkten hervor­heben. Wer gute Produkte kreiert und diese mit langem Atem und ruhiger Hand managt, wird am Ende von Kunden belohnt.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.