Höhere Hürde für positives Analyst Rating

Morningstar hat das zukunftsorientierte Analyst Rating weiterentwickelt. Gebührenunterschiede machen sich künftig stärker bemerkbar.

Barbara Claus 08.07.2019

Seit 2008 vergeben die Morningstar Analysten in Europa das qualitative Morningstar Analyst Rating, um Anlegern bei der Auswahl eines geeigneten Fonds zu helfen. Im Oktober führen wir einige Neuerungen ein. Diese Umstellungen werden auch in den Morningstar Quantitative Ratings nachvollzogen, die mit Hilfe eines Algorithmus das Morningstar Analyst Rating nachbilden, um ein größeres Fondsuniversum abzudecken.

Während die fünfstufige Ratingskala mit Gold, Silver, Bronze, Neutral und Negative sowie die Verfügbarkeit der Ratings, zum Beispiel über Morningstar Direct, bestehen bleibt, kommt es zu mehreren wichtigen Weiterentwicklungen, über die wir Anlegern an dieser Stelle einen Überblick geben möchten:

1. Vereinfachtes System

Während unser System bisher auf fünf Bewertungspfeilen beruhte: People, Process, Parent, Performance und Price (Fondsmanagement, Prozess, Fondsgesellschaft, Performance und Gebühren), bewerten die Analysten zukünftig nur noch drei Bereiche: People, Process und Parent. Anhand dieser Beurteilung schätzen sie ein, wieviel Mehrwert eine Strategie vor Kosten erzielen kann. Die bisher separat erfolgte Beurteilung der Performance fließt in die Analyse der drei anderen Bereiche ein, während die Gebühren zukünftig an anderer Stelle im Ratingprozess berücksichtigt werden.

2. Stärkere Gewichtung der Gebühren

Derzeit berurteilen wir die Gebühren eines Fonds relativ zu seiner Kategorie. Sofern verfügbar, legen wir hier eine sogenannte ‚Clean Share Class‘, eine Anteilsklasse ohne Bestandsprovisionen, zugrunde und vergleichen diese mit ähnlichen Anteilsklassen von Fonds mit vergleichbarer Ausrichtung. Nach der neuen Methodik machen wir uns von der relativen Bewertung unabhängig, indem die Gebühren von der prognostizierten Mehrrendite eines Fonds abgezogen werden. Dadurch kommt der Bewertung der Gebühren zukünftig dieselbe Bedeutung wie der Einschätzung der Bereiche People, Process und Parent zu.

3. Höhere Hürde für aktive Strategien

In der Vergangenheit haben die Analysten die drei ‚Medalist‘-Ratings Gold, Silver und Bronze an aktive Strategien vergeben, bei denen sie überzeugt waren, dass sie nach Kosten auf risikoadjustierter Basis ihre Benchmark oder den Durchschnitt der Morningstar Kategorie übertreffen würden, jedoch nicht zwangsläufig beides. Hier wird die Messlatte zukünftig höher gelegt, so dass nur noch diejenigen Fonds ein positives Morningstar Analyst Rating erhalten, die gegenüber beiden Vergleichsmaßstäben einen Mehrwert nach Kosten erzielen können.

4. Klarere Empfehlungen für Anleger

Die Methodikänderungen werden dazu führen, dass Fonds in Märkten, in denen aktives Management sich schwertut, einen Mehrwert gegenüber einer Benchmark zu erzielen, auch seltener positive Analyst Ratings erhalten. Anleger bekommen dadurch eine Einschätzung zu den Chancen aktiver oder passiver Strategien in einzelnen Kategorien und können dies bei ihrer Anlageentscheidung berücksichtigen. Dadurch stellen wir aktive Fonds stärker als bisher in Konkurrenz zu den meist passiven und kostengünstigen ETFs.

5. Analyst Ratings auf Anteilsklassenbasis

Derzeit fokussieren sich die Fondsanalysten bei der Vergabe der Ratings auf eine repräsentative Anteilsklasse. Sofern vorhanden, ist dies die Anteilsklasse ohne Bestandprovisionen oder alternativ die älteste Retail-Anteilsklasse. In Zukunft werden die Ratings auf Anteilsklassenbasis vergeben, was bedeutet, dass vom voraussichtlich erzielten Mehrwert einer Strategie (vor Kosten) für jede einzelne Anteilsklasse die jeweils anfallenden Kosten abgezogen werden, was sich auch in unterschiedlichen Analyst Ratings für verschiedene Anteilsklassen eines Fonds niederschlagen kann.

6. Höhere Granularität bei den Pillar-Ratings

Während die Bewertungs für die Bewertungspfeiler People, Process und Parent bislang nur auf einer dreistufigen Skala mit ‚positiv‘, ‚neutral‘ oder ‚negativ‘ ausgedrückt wurde, werden künftig die Pillar-Ratings auf einer fünfstufigen Skala mit den Werten ‚hoch‘, ‚überdurchschnittlich‘, ‚durchschnittlich‘, ‚unterdurchschnittlich‘ und ‚niedrig‘ angegeben.

Start Ende Oktober 2019

Die weiterentwickelten Analyst Ratings werden Anlegern ab dem 31. Oktober 2019 zur Verfügung stehen, wobei zunächst eine festgelegt Anzahl von Strategien nach der neuen Methodik bewertet wird und die restlichen Strategien in den darauffolgenden 12 Monaten umgestellt werden. Die Quantitative Ratings werden am 31. Oktober 2019 komplett aktualisiert.

 

 

Über den Autor

Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar