Diskussion um Fondsliquidität treibt Anleger auch auf morningstar.de um

Tiefer Fall bei H2O-Fonds zeigt, wie eng Glanz und Niedergang im Fondsmanagement beieinander liegen können. Wie gut vertragen sich illiquide Positionen mit der täglichen Handelbarkeit von Fonds? Diese Frage greifen wir im Ranking der am häufigsten gesuchten Fondsportraits auf morningstar.de im zweiten Quartal auf.

Ali Masarwah 30.07.2019

Typischerweise zeichnet sich die Liste der Fonds-Favoriten auf morningstar.de durch Stabilität aus. Korrekturen kommen und gehen, die am häufigsten aufgerufenen Fondsportraits auf unserer Homepage lassen Marktgeschehnisse indes zumeist unberührt. Das ist löblich, da es für die Konstanz von Langfristinvestoren spricht, die regelmäßig nach ihren Fonds-Investments sehen. Etwas anders sah es im zweiten Quartal aus. Die Liste der Fonds-Favoriten für die Zeit zwischen Anfang April und Ende Juni zeigt, dass Anleger von den Ereignissen um die Natixis-Tochter H20 nicht unberührt blieben. 

Gleich zwei Fonds des Londoner Anbieters alternativer Fonds H2O tauchen in der Liste der am häufigsten angeklickten Fonds im zweiten Quartal auf: Der H2O Multibonds, ein flexibler Rentenfonds, wurde am zweithäufigsten in den drei Monaten per Ende Juni aufgerufen, der H20 Allegro, ein Global Macro Fonds, landete auf Platz neun unseres Quartals-Rankings. Anleger hatten Grund zur Unruhe: Etliche Fonds der Natixis-Tochter gerieten in Turbulenzen, nachdem ruchbar wurde, dass die Fonds in großem Stil in illiquide Anleihen investiert waren, die wenig miteinander gemein hatten, außer dass sie mit dem umstrittenen Investor Lars Windhorst in Verbindung stehen. 

Tabelle: Die Liste der am häufigsten gesuchten Fonds im zweiten Quartal 2019

Die Zeitung Financial Times hatte aufgedeckt, dass die H2O-Fonds „Adagio“, „Allegro“, „Moderato“, „Multibonds“, „Multistrategies“ und „Vivace“ über 1,4 Milliarden Euro in Firmen-Bonds mit Bezug zu Lars Windhorst investiert hatten. Auch dass H2O-Chef Bruno Crastes einen Posten im Aufsichtsrat der Windhorst-Holding Tennor Holdings innehatte wurde kritisch vermerkt.

In normalen Zeiten mögen illiquide Positionen einen Performance-Booster darstellen; dass in turbulenten Zeiten illiquide Papiere nicht bzw. nur mit hohen Verlusten veräußert werden können und ihre Rolle in Publikumsfonds umstritten sind, sorgte für kontroverse Diskussionen - und zu sehr hohen Abflüssen aus H20-Fonds durch verunsicherte Investoren. Allein aus den beiden H2O Fonds unserer Liste zogen Anleger im Juni gut 2,2 Milliarden Euro ab

Ende Juni teilte H20 mit, dass die „nicht-gerateten privaten Bonds“ veräußert bzw. neu bewertet wurden. (Diese Bezeichnung ist ein Euphemismus für die Windhorst-bezogenen Holdings.) Die Wertberichtigungen und Verkäufe führten zu Verlusten, die insgesamt jedoch recht moderat ausfielen. Der H20 Allegro verzeichnete einen Quartalsverlust von nur 0,39 Prozent; der H20 Multibonds legte sogar minimal um 0,07 Prozent zwischen April und Juni zu.   

Wie eng sollten Fonds mit ihren Investments verbunden sein?

Nun mag man einwenden, dass angesichts der langjährig hervorragenden Ergebnisse – der H20 Multibond konnte in den vergangenen drei Jahren beispielsweise jährlich um gut 24 Prozent zulegen! – die sehr hohen Abflüsse aus den H20 Fonds im zweiten Quartal übertrieben waren. Doch wer die Sache vom Ergebnis her beurteilt, hat eine wichtige Dimension nicht erfasst. Es geht um die Frage der Angemessenheit und Geeignetheit von illiquiden Positionen in Fonds, die Anlegern tägliche Liquidität versprechen. Vermutlich war es nur dem beherzten Handeln von H20 und den entspannten Marktbedingungen zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert wurde. 

Die Diskussionen um die Rolle von illiquiden Assets in Fonds hat darüber hinaus eine weitere, Governance-bezogene Dimension. Die große Bedeutung von Beteiligungen Windhorsts hat ein Geschmäckle angesichts der offenbar langjährigen Geschäftsbeziehungen zwischen Windhorst und H2O, wie gerade das Aufsichtsratsmandat von Crastes illustrierte.

Wie H20 reinräumte, hat Windhorst H2O in den vergangenen Jahren mehrfach Investmentopportunitäten ermöglicht, die den Fonds wohl sonst nicht offen gestanden hätten. Es war also keinesfalls so, dass die neun Windhorst-bezogene Bonds zufällig in H2O Fonds landeten. Die besagten Investments kamen auch im Rahmen der von H2O als „konstruktive Kollaboration“ bezeichnete Geschäftsbeziehung mit Windhorst zustande. In Köln würde man diese Art von Deal unter dem Motto beschreiben: „Man kennt sich und man hilft sich“. Ist ein derartiges Gekungel in der Welt der liquiden Publikumsfonds mit den hohen UCITS-vorgegebenen Liquiditätsanforderungen angemessen? Diese grundsätzliche Frage soll an anderer Stelle aufgegriffen werden. 

Vom FvS bis Templeton Growth: Im Westen nichts Neues 

Die sonstigen Highlights des Fonds-Rankings zum zweiten Quartal in Kürze. Fangen wir mit den eher unerfreulichen Entwicklungen an. Der Templeton Growth (Euro) Fund hat auch im abgelaufenen Quartal seinen Anlegern keine Freude gebracht. Im freundlichen Aktienumfeld verlor der Fonds gut zwei Prozent. Damit landete der Fonds unter den zehn Prozent schlechtesten Value-Aktienfonds zwischen April und Juni. Auch in den vergangenen drei Jahren zählte der von Norman Boersma verantwortete Fonds zu den schwächeren Fonds seiner Kategorie.

Die Krise des Templeton Growth Fonds illustriert nur zum Teil das Dilemma des Value-Stils. Seit Jahren laufen Growth-Aktien günstigen Aktien den Rang ab. Allerdings schwächelt der Fonds auch im Vergleich zu anderen Value-Fonds, was durch das Zwei-Sterne-Rating illustriert wird. Natürlich lässt sich dies auch durch die seit Jahren zu beobachtende Untergewichtung von US-Aktien und Technologie-Werten (spiegelbildlich begleitet von der Übergewichtung Europas bzw. Finanzaktien) erklären. Befriedigend fallen diese Erklärungen allerdings nicht aus. Vor diesem Hintergrund muten die Abflüsse von 82 Millionen Euro in diesem Jahr gering an. 

Eher Wasser und trocken Brot gab es auch im zweiten Quartal für die Investoren im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Der Fonds verlor gegen den Trend knapp 1,5 Prozent zwischen April und Juni und verzeichnete auch im bisherigen Jahresverlauf bis Ende Juni einen Verlust von 0,5 Prozent. Die hohe Cash-Quote von knapp 30 Prozent, die Absicherung der US-Dollar-Positionen sowie die Outperformance von Standardwerten gegenüber Nebenwerten mögen einen Teil der Underperformance gegenüber anderen Mischfonds erklären. 

FvS profitiert vom rasant steigenden Goldpreis im zweiten Quartal 

Recht unspektakulär verlief die Performance des Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Er landete zwischen April und Juni im besten Viertel der flexibel anlegenden Mischfonds. Mit gut 60 Prozent war die Aktienquote zuletzt eher moderat, der Cash-Anteil jedoch recht hoch; aufgefangen wurde dieser Nachteil jedoch von der rund zehnprozentigen Goldquote, die angesichts des rasanten Goldpreisanstiegs im zweiten Quartal ein Performance-Turbo war. 

Boden gut gemacht hat im zweiten Quartal auch der Carmignac Patrimoine, der im elften Perzentil der ausgewogenen Mischfonds lag. Anleger trauen dem Braten jedoch nicht, wie die Abflüsse von rund 350 Millionen Euro im Juni zeigen. Dass der Zwei-Sterne-Fonds noch einiges an Performance gut machen muss, deuten die Abflüsse von gut 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr an. 

DWS Deutschland behauptet sich in positivem Marktumfeld 

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich die beiden Dividendenfonds Deka-DividendenStrategie und DWS Top Dividende – mit leichten Vorteilen für den Deka-Fonds in den vergangenen drei Jahren – und auch in diesem Jahr. Das dürfte auch der defensiveren Natur des DWS Top Dividende geschuldet sein, der zudem eine niedrigere Nebenwerte-Quote als der Deka Dividenden Strategie aufweist. 

Der von Tim Albrecht verantwortete DWS Deutschland liegt ungeachtet eines eher durchschnittlichen zweiten Quartals mit einem Plus von gut 17 Prozent in diesem Jahr erneut recht weit vor im Vergleich zu anderen Deutschland-Fonds. Einmal mehr hat sich die eher sportliche Ausrichtung des Fonds bezahlt gemacht. Und auch wenn das Fondsmanagement bei der DWS aktuell eher die Gefahr von Abwärtsrisiken hervorhebt, belief sich die Investitionsquote des Fonds Ende Juni bei etwas über 100 Prozent. Defensiv sieht anders aus, und so partizipierte der Fonds von der per Saldo positiven Entwicklung des Aktienmarkts im Juni (wie auch im gesamten ersten Halbjahr).

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.