ETF-Investments können auch eine miese Entscheidung sein

Alle Welt spricht über die Vorzüge von ETFs. Diese sind zwar tatsächlich zahlreich, aber es gibt auch eine weniger glamouröse Seite der immer beliebteren passiven Vehikel. Eine Übersicht über Bereiche, in denen sich passives Investieren weniger lohnt.

Ali Masarwah 06.09.2019

Indexfonds sind in aller Munde, und sie entwickeln sich immer mehr zum Alptraum von Fondsmanagern. ETFs und nicht börsennotierte Indexfonds verzichten auf aktives Management und bilden passiv einen Index ab. Sie zeichnen sich durch niedrige Kosten aus und schichten nur selten das Vermögen um, was ihre Portfolios stabil macht. Diese simplen Prinzipien reichen oft aus, um aktive Fondsmanager alt aussehen zu lassen. Besonders evident sind die Vorteile von ETFs am US-Aktienmarkt. Je nach Betrachtungszeitraum haben die Indextracker, die typischerweise den S&P Index abbilden, in den vergangenen 15 Jahren 90 Prozent und mehr der aktiv verwalteten USA-Fonds übertroffen. 

In den USA stimmen die Anleger seit einer Dekade mit den Füßen ab 

Seit der Finanzkrise vollzieht sich im Mutterland des Investmentfonds ein regelrechter Erdrutsch. Anleger geben in großem Stil aktiv verwaltete Fonds zurück und kaufen Indexfonds. Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben US-Anleger aktiv verwaltete Fonds im Wert von 330 Milliarden US-Dollar zurückgegeben und im Gegenzug über 530 Milliarden Dollar in Indexfonds investiert. Ohne Geldmarktfonds machen Indexfonds inzwischen gut 40 Prozent des US-Fondsmarktes aus. 

Diese Entwicklung ist auch hierzulande zu beobachten, wenn sie sich auch mit einer Verzögerung von rund fünf Jahren abzeichnet. In Europa sind inzwischen gut 18 Prozent des Fondsmarktes „passiviert“. In diesem Jahr gingen Indexfonds über 82 Milliarden Euro an Zuflüssen zu – mehr als doppelt so viel, wie aktiv verwaltete Fonds einsammelten. 

Auch in Europa haben Indexfonds große Vorteile gegenüber aktiv verwalteten Fonds, die sich in den wichtigen Kategorien in einer deutlich besseren Performance widerspiegeln. Das ergibt regelmäßig unser Aktiv-Passiv-Barometer für Investmentfonds, das wir jedes Quartal für den deutschsprachigen Markt kalkulieren. In den großen Kategorien, wie etwa Aktien USA und Aktien Welt, Aktien Europa und Aktien Eurozone, aber auch in wichtigen Bond-Kategorien, wie etwa EUR Renten diversifiziert, weisen ETFs ein überlegenes Rendite-Risiko-Profil auf. 

Ohne Strategic Beta ETFs, die wir in diesem Kontext eher aktiv verwalteten Fonds zuschlagen, kommen die börsennotierten Indexfonds europaweit auf ein überdurchschnittliches Morningstar Sterne Rating von 3,3 Sternen.  In 63 Kategorien, in denen Sterne-Ratings vergeben werden, kommen ETFs auf ein Rating von durchschnittlich über 3,0. Die untere Tabelle zeigt die 20 Fondskategorien, die im deutschsprachigen Raum typischerweise vertrieben werden, in denen ETFs am besten abschneiden. 

Tabelle: Die 20 Fondskategorien, in denen ETFs am besten abschneiden 

Doch Indexfonds sind längst nicht immer eine gute Wahl für Anleger. In 32 europäischen Fondskategorien weisen ETFs im Schnitt Ratings von weniger als 3,0 Sternen im Durchschnitt auf. Wir haben deshalb die Tabelle „gedreht“ und zeigen, in welchen Fondskategorien ETFs in der Vergangenheit eine schlechte Wahl waren. 

Das schlechteste Ergebnis erzielten ETFs in der Kategorie Aktien Vietnam. Hier ist nur ein ETF vertreten. Der Xtrackers FTSE Vietnam Swap ETF weist ein Ein-Sterne-Rating auf, was bedeutet, dass 90 Prozent der übrigen Fonds der Kategorie ein besseres Rendite-Risiko-Profil aufweisen. Aktive Fondsmanager haben den FTSE Vietnam Tracker also weit hinter sich gelassen.  Der ETF hinkte in den vergangenen fünf Jahren aber auch kumuliert gut 45 Prozentpunkte dem Kategorie-Index, Vietnam VN Index, hinterher.

Bei Schweizer Anleihen können ETFs nicht mit günstigen Gebühren punkten 

ETFs, die sich auf Schweizer Kurzläufer-Renten konzentrieren, konnten ebenfalls keine Performance-Bäume ausreißen. Im Schnitt kommen die zwei ETFs der Kategorie, die beide den SIX SBI Domestic Govt Mid 1-3 TR CHF abbilden, auf 1,5 Sterne. Dank der Gnade der späten Geburt bringt es der UBS ETF auf ein Zwei-Sterne-Rating. Der ehemalige Credit Suisse ETF, der nunmehr unter der iShares Flagge segelt, hat 1,5 Jahre länger auf dem Buckel. In Zeiten niedrigster Zinsen haben aktive Manager durch die Beimischung längerer Laufzeiten einen Performance-Vorteil erzielt. Typischerweise zeichnen sich aktiv verwaltete Schweizer Rentenfonds zudem durch niedrige Kosten aus, sodass die ETFs in dieser Kategorie keine großen Kostenvorteile haben. 

Auch bei Fonds für griechische Aktien hatten Anleger in den beiden passiven Vehikeln am Markt, die im Schnitt ein Rating von 1,5 Sternen aufweisen, nur eingeschränkt Fortüne. Ein Zwei-Sterne-Rating hält der Lyxor MSCI Greece, der den MSCI-Länderindex abbildet (plus den Kurs der Aktie von Coca Cola, was dazu dient, die griechische Tochter des US-Getränkeherstellers zu berücksichtigen, die im Zuge der Griechenlandkrise von der Athener zur Londoner Börse „umgezogen“ war). Die griechische Alpha Bank Group bietet einen ETF an, der den FTSE/Athex 20 abbildet, der nur ein Ein-Sterne-Rating trägt.

Die untere Tabelle bietet eine Übersicht über die Kategorien, in denen ETFs ein unterdurchschnittliches Rendite-Risiko-Profil gegenüber den aktiv verwalteten Fonds der Kategorie aufweisen. Sie zeigt, dass Indexfonds vor allem bei den Schwellenländer-Einzelmärkten, etwa Brasilien, China, China A-Shares, die Türkei, Nachteile gegenüber aktiv verwalteten Fonds haben. Sie zeigt auch, dass passive Vehikel auch bei Nebenwerten Nachteile gegenüber aktiv verwalteten Fonds haben. 

Tabelle: ETFs in marktgängigen Kategorien mit schwachen Sterne-Ratings 

Eine erste Erklärung für dieses recht konsistente Bild ist, dass Fondsmanager bei ineffizienten Märkten Informationsvorsprünge haben, die sie für die Anleger gewinnbringend ausspielen. Das interessante ist dabei, dass aktiv verwaltete Fonds in diesen Segmenten typischerweise teurer sind als aktiv verwaltete Fonds für globale und regionale Emerging-Markets Aktien bzw. als Fonds für Standardwerten aus den Industrieländern. Hier sind aktive Manager offenbar in der Lage, die Kostennachteile auszugleichen, was ihnen in effizienteren Märkten seltener gelingt. 

Doch es gibt auch Ausnahmen. So weisen Schweizer Nebenwerte-ETFs Durchschnitts-Ratings von 4,0 auf, während Schweizer Standardwerte-ETFs lediglich ein Rating von durchschnittlich 2,6 Sternen haben. Eine recht einleuchtende Erklärung für dieses scheinbar widersprüchliche Ergebnis ist, dass in der Schweiz domizilierte Fonds steuerliche Vorteile mit Blick auf die Behandlung von Dividenden gegenüber Nicht-Schweizer Fonds haben. Alle drei ETFs für Schweizer Nebenwerte sind in der Schweiz beheimatet, während gut ein Drittel der aktiv verwalteten Schweizer Nebenwertefonds in Luxemburg domiziliert ist. 

Bei ETFs für Schweizer Standardwerte weisen die Schweiz domizilierten ETFs Durchschnitts-Ratings von drei Sternen auf, während nicht-Schweizer ETFs für Schweizer Standardwerte im Schnitt nur auf ein Zwei-Sterne-Rating kommen. Auch das dazu beitragen, die schwache Bilanz von Schweizer Standardwerte-ETFs zu erklären. 

Auch bei deutschen Nebenwerte-ETFs gilt die oben gemachte Feststellung nicht. Wenig schmeichelhaft für Deutschland-Fondsmanager in der Kategorie ist, dass ETFs auf Durchschnitts-Ratings von 3,6 Sternen kommen. Das ist sogar deutlich besser als das Abschneiden von ETFs für deutsche Standardwerte, die nur auf ein Rating von durchschnittlich 3,1 Sterne kommen. Dass im Umkehrschluss aktiv gemanagte Deutschland-Fonds im Vergleich zu DAX-ETFs recht gut abschneiden, kann vor allem auf die Beimischung von Nebenwerten in aktiven Fonds begründet werden. Nebenwerte haben seit der Finanzkrise – wir leben in merkwürdigen Zeiten - nicht eine bessere Performance als Standardwerte erzielt, sondern haben diese Outperformance auch mit einem geringeren Risiko erzielt.

Fazit 

Verfechter des aktiven Managements mögen diese ETF-Mängelliste mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Aber sie sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass ETFs in erster Linie bei den „Satelliten“ Federn lassen müssen – überwiegend sehr überzeugend schneiden sie in den wichtigen Standardwertekategorien ab, in denen das meiste Anlegergeld steckt. Das spricht dafür, dass Indexfonds auf absehbare Zeit weiter besser im Vertrieb abschneiden werden als aktiv verwaltete Fonds. 

Auch unsere ETF-Mängelliste ändert nichts am befund, dass Anleger in Europa in den für sie wichtigsten Fondskategorien mit passiven Produkten gut beraten sind. Dazu gehören übrigens auch viele Rentenfondskategorien, in denen die passiven Fonds ihre Kostenvorteile auf beeindruckende Weise ausspielen.  Ob diversifizierte USD und EUR Rentenfonds, Fonds für Hochzinsanleihen oder für Schwellenländeranleihen: in diesen Kategorien liegen im Schnitt ETFs vor aktiv verwalteten Fonds. Das sollte der Fonds-Industrie zu denken geben – und sie idealerweise bestärken, die Kosten ihrer Produkte weiter zu senken, um den Anforderungen des Niedrigzinsumfelds gerecht zu werden.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.