Niedrige Gebühren sind ein guter Erfolgsindikator

Morningstar hat untersucht, welche Prognosekraft Gebühren und das Morningstar Rating haben.

Russel Kinnel 06.09.2010

Dieser Artikel bezieht sich auf eine US-Studie, die von Morningstar mit US-Fonds durchgeführt wurde und ursprünglich auf www.morningstar.com erschien.

Bevor wir Ihnen die Ergebnisse unserer Untersuchungen im Detail vorstellen, hier die Kernaussagen: Wie oft hat es sich ausgezahlt, bei der Fondsauswahl auf die Gebühren (Total Expense Ratio) zu achten? Immer. Wie oft hat es sich ausgezahlt, das Morningstar Rating (die ‚Sterne‘), zu berücksichtigen? Mit einigen Ausnahmen in den meisten Fällen. Wie häufig war das Rating der bessere Indikator für den künftigen Erfolg? In etwas weniger als der Hälfte aller Fälle.

Bei der Untersuchung von Gebühren (TERs bzw. Gesamtkostenquoten) und Ratings haben wir uns auf drei Kennzahlen konzentriert, die unserer Auffassung nach für Anleger die größte Bedeutung haben:

Erfolgsquote (Success Ratio)

Die offizielle Fondsrendite erfasst nicht das ganze Bild. Fondsgesellschaften können ihre Fonds auflösen und damit Fehler unter den Teppich kehren. Dadurch verschwinden die Verluste der betroffenen Fondsanleger aber nicht. Dies berücksichtigen wir in unserer Studie mit der Erfolgsquote (Success Ratio). Diese gibt an, welcher Prozentsatz aller Fonds in einer Vergleichsgruppe überlebt und die Konkurrenz übertroffen hat. Dies ist eine gute Definition von Erfolg im Sinne des Fondssparers, auch wenn allzu oft Anleger und Medien die offizielle Fondsrendite alleine schon mit Erfolg gleichsetzen. Die Erfolgsquote ist die beste der drei Kennzahlen, da hier kein Survivorship Bias vorhanden ist (d.h. neben ‚überlebenden‘ Fonds werden auch liquidierte Fonds einbezogen, um Verzerrungen zu vermeiden).

Fondsrendite
Da in jeder Vergleichsgruppe (Morningstar Kategorie) die Aufteilung auf die unterschiedlichen Ratingstufen gleich ist (10% erhalten 1 bzw. 5 Sterne, 22,5% erhalten 2 bzw. 4 Sterne und die mittleren 35% erhalten 3 Sterne), lassen sich die Fondsrenditen über verschiedene Kategorien zusammenfassen, um zu überprüfen, wie sich diese Kennzahl für eine Anlageklasse als Ganzes ausgewirkt hat.

Morningstar Rating
Das (quantitative) Morningstar Rating misst die risiko- und kostenbereinigte Performance eines Fonds. Natürlich wollen wir wissen, ob das Rating das künftige Abschneiden eines Fonds (wiederum unter Berücksichtigung von Kosten und Risiko) prognostizieren kann. Anleger kommen mit weniger risikoreichen Fonds besser zurecht als mit Fonds mit hohen Risiko, da erstere weniger starke Gefühle von Furcht und Gier auslösen. Daher sind risikoärmere Fonds, auch wenn sie etwas geringere offizielle Renditen aufweisen, für Anleger mit besseren Ergebnissen verbunden als Fonds mit hohen Risiken und Renditen.

Wie wir vorgingen
Wir betrachteten die Ratings und Gesamtkostenquoten von 2005-2008 und verfolgten sie bis März 2010 weiter. Dabei wurden die Daten auf Kategorieebene in mehreren großen Anlageklassen zusammengefasst (z.B US-Aktien, Internationale Aktien). Für Fonds, die im gesamten Betrachtungszeitraum existierten, berechneten wir die Rendite bis Ende März 2010. In die Erfolgsquote gingen auch Fonds ein, die verschmolzen oder liquidiert wurden. Bei den Ratings verwendeten wir das 5-Jahres- und 3-Jahres-Rating für Fonds aus dem Jahr 2005. Für 2006 und 2007 nutzen wir das 3-Jahres-Rating. Für Fonds aus 2008 gibt es noch kein Rating.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf den Unterschied zwischen Fonds mit einem und fünf Sternen sowie zwischen den Fonds aus dem kostengünstigsten und dem teuersten Quintil.

Aussagekraft der Gesamtkostenquote
Die Gesamtkostenquote erwies sich als das beste Entscheidungskriterium und ist ein starker Indikator für die künftige Performance eines Fonds. In jedem betrachteten Zeitraum und in jeder Anlageklasse schnitten kostengünstige Fonds besser als teure Fonds ab.  

Dies bestätigt auch der Blick auf die Erfolgsquoten, da teure Fonds mit höherer Wahrscheinlichkeit eine schwache Performance aufweisen und eher aufgelöst werden.

Daher überrascht es nicht, dass günstige Fonds auch anhand des Ratings die besseren risiko- und kostenbereinigten Renditen aufwiesen.

Aussagekraft des (quantitativen) Morningstar Ratings
Im Allgemeinen hatten 5-Sterne-Fonds im Bezug auf alle drei Kennzahlen gegenüber 1-Sterne-Fonds die Nase vorne. Es gab aber Ausnahmen. So blieben globale Aktienfonds mit einem Stern gegenüber vergleichbaren Fonds mit fünf Sternen zurück, wenn man die offizielle Fondsrendite betrachtet.

Allerdings kehrt sich das Bild um, wenn liquidierte Fonds einberechnet werden. Das Rating war in Bezug auf die Erfolgsquote in allen Fällen ein guter Indikator für den künftigen Erfolg (und damit auch das künftige Rating).

Gebühren vs. Rating
Beide Kriterien halfen Anlegern dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Im Hinblick auf die Erfolgsquote wiesen sie eine ähnlich hohe Güte auf. Insgesamt war die Gesamtkostenquote als Kriterium leicht überlegen.

Das beste Argument für die Gesamtkostenquote ist vermutlich, dass sie immer funktioniert hat. Kosten werden laufend von der Performance abgezogen, unabhängig vom Marktumfeld. Das Rating spiegelt die vergangene risikoadjustierte Performance wieder und ist damit stärker von der Marktphase abhängig. Wenn es sehr starke Schwankungen gibt, funktioniert es weniger gut.

Fazit
Anleger sollten die Gebühren zur Vorauswahl von Fonds einsetzen und sich auf kostengünstige Anlageprodukte konzentrieren. Das Rating kann ebenfalls hilfreich sein, besonders im Hinblick auf Fonds, die verschmolzen oder liquidiert werden könnten. Denn selbst wenn sich ein 1-Sterne-Fonds erholt, könnte die Fondsgesellschaft entscheiden, dass sein Track Record zu schwach ist um ihn fortzuführen.

Natürlich sollte man sich auch über andere wichtige Faktoren ein Bild machen, die Anlagestrategie, das Management und die Fondsgesellschaft selbst. Dabei hilft nicht zuletzt das qualitative Morningstar Rating, das Morningstar mittlerweile für viele Fonds vergibt.

Eine Tabelle mit den detaillierten Ergebnissen der Gebühren- und Ratingstudie finden interessierte Leser hier (in englischer Sprache).

Über den Autor

Russel Kinnel  Russel Kinnel is Morningstar's director of mutual fund research. He is also the editor of Morningstar FundInvestor, a monthly newsletter dedicated to helping investors pick great mutual funds, build winning portfolios, and monitor their funds for greater gains. (Click here for a free issue). Mr. Kinnel would like to hear from readers, but no financial-planning questions, please. Follow Russel on Twitter: @russkinnel.