Welcher ETP hat den engsten Spread im ganzen Land?
Bei deutschen Standardwerten haben zwei Comstage-ETFs die Nase vorn.
Doch das ist nur ein Teil des Bildes. Bei ETPs kommen Handelskosten hinzu, die im Gegensatz zu den Ausgabeaufschlägen von aktiven Fonds sehr stark schwanken und für die meisten Anleger weitgehend unbekannt sind. Insofern gibt die Gesamtkostenquote TER nicht das gesamte Bild der ETP-Kosten wider. (Lesen Sie hier mehr zum Thema "Kosten für ETP-Anleger").
Um Anlegern ein besseres Bild über die Zusatzkosten von ETPs zu geben, liefern wir Ihnen ab jetzt jede Woche einen Überblick über den durchschnittlichen Spread einer ausgewählten Morningstar-Produktkategorie. Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkauf eines Produkts, die sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel entstehen. (Zusätzlich zu den Spreads fallen beim Börsenhandel Brokerkosten an, die von Bank zu Bank stark variieren können.)
Zum Start dieser neuen wöchentlichen Rubrik haben wir uns die Morningstar-Kategorie „Aktien Standardwerte Deutschland“ vorgenommen. Sie finden in der Tabelle eine Auswahl an ETFs, die Indizes für deutsche Standardwerte abbilden, sortiert nach den niedrigsten Handelsspannen. Diese entscheidende Information finden Sie in der zweiten Spalte von rechts in der Tabelle unter der Überschrift „5-Tages-Durchschnitt“. Hintergrund: Wir wollten Tages-Ausreißer vermeiden und haben deshalb bei der Spread-Berechnung den Durchschnitt der zuletzt verfügbaren Handelsdaten verwendet. Das umfasst die letzten fünf Handelstage per Börsenschluss zum 11. Januar. Die täglichen Spreads finden Sie weiter links in der Tabelle. Die Information, an welcher Börse diese Spannen berechnet wurden, finden Sie weiter links. Um zu verdeutlichen, wie wichtig es für Investoren ist, die Handelsspannen als Kostenfaktor in Rechnung zu stellen, haben wir nachrichtlich die Gesamtkostenquote der jeweiligen Fonds in der äußersten Spalte rechts aufgeführt.

Was sagt uns die obere Tabelle im Einzelnen?
Zunächst fällt auf, dass die Spread-Unterschiede zwischen den 16 Produkten teilweise erheblich sind. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je exotischer ein Index, desto weiter der Spread. Doch es gibt auch markante Ausnahmen: Auf den ersten Blick erstaunen die sehr niedrigen beziehungsweise nicht vorhandenen Handelskosten der günstigsten 3 Produkte im Untersuchungszeitraum. Der Comstage-ETF auf den FAZ-Index hat einen Spread von null Punkten, und auch die Handelskosten der beiden Dividenden-ETFs auf den DivDax von Comstage und iShares sind extrem niedrig.
Interessant ist auch der Umstand, dass es auch bei den Trackern auf den Dax-30-Index erhebliche Unterschiede gibt. Wer etwa den Dax-ETF von Source zwischen dem 5. und 11. Januar gekauft oder verkauft hat, musste im Schnitt 19 Basispunkte an Handelskosten berappen. Der iShares-Dax wies dagegen mit Durchschnitts-Spreads von 3 Basispunkten die niedrigsten Kosten für Dax-ETFs auf. Wer beim Kauf eines ETP also nur nach der TER geht, hat in diesem Fall beim optisch günstigeren Produkt draufgezahlt. Denn der Source-Dax weist eine Gesamtkostenquote von 15 Basispunkten auf, derweil der iShares-Dax eine TER von 17 Basispunkten ausweist.
Auffällig sind auch die relativ hohen Spreads bei einigen Strategie-ETF: Der DAXplusProtective Put von Lyxor und der ETF DAXplus Maximum Dividend von ETFlab kosteten in der Woche 5. bis 11. Januar 41 beziehungsweise 43 Basispunkte pro Trade. Das übersteigt die jährlichen Gesamtkosten dieser Produkte. Hätte ein Investor in einem fiktiven Beispiel innerhalb eines Jahres jeweils zweimal den ETF DAXplus Maximum Dividend von ETFlab unter diesen Bedingungen gekauft und verkauft, hätte er dafür 1,72% des Ordervolumens an Handelskosten bezahlt, derweil die jährlichen Verwaltungskosten für den Fonds nur anteilig 0,3 % pro Jahr betrugen.
Mit Ausnahme des Dax-ETFs von Source waren die Unterschiede zwischen den Handelskosten bei den meisten Standard-ETFs indes gering. Wer an den fünf Handelstagen vom 5. bis 11. Januar einen dieser Dax-ETF gekauft oder verkauft hat, musste zwischen 3 und 5 Basispunkte an Handelskosten bezahlen. Der Amundi ETF MSCI Germany (Platz 12 der Tabelle) war dagegen merklich teurer: Hier fielen für jede Transaktion im Schnitt 12 Basispunkte und mehr an.
Übrigens ist unsere Spread-Übersicht auch mit Blick auf die Frage „Swap-ETF oder Full Replication-ETF?“ aufschlussreich. Der Unterschied ist hier unerheblich. Dass der Dax-ETF von iShares unter allen Dax-ETF den engsten Spread aufweist, hat eher damit zu tun, dass der vor gut elf Jahren aufgelegte iShares Dax das Produkt der ersten Stunde ist und am besten bei Anlegern eingeführt ist. Inzwischen ist dieser ETF das am meisten gehandelte Finanzinstrument am Börsensegment Xetra. Unsere Übersicht zeigt indes auch: die Handelsnachteile für Investoren, die stattdessen auf Dax-ETF von Comstage, Lyxor und db X-trackers setzen, sind weitgehend vernachlässigbar. Das Feld ist bei Standardwerte-Produkten sehr eng.
HINWEIS: Der tägliche Spread stellt den Durchschnitt aller Spreads während eines Handelstages dar. Die Berechnung basiert auf Echtzeitdaten. Zwischenberechnungen werden dann ausgelöst, wenn ein neuer Best-Ask oder Best-Bid erhalten wird. Solange es auch einen entsprechende Bid oder Offer an diesem Tag gibt, wird ein Spread berechnet. Im Umkehrschluss wird für Wertpapiere dann kein Spread berechnet, wenn es sowohl keinen Bid- als auch Offer-Preis gibt. Morningstar erfasst zudem die Zahl der Beobachtungspunkte.






