Risikoappetit der Investoren kehrt zurück

Morningstar-Absatzdaten zeigen für Janaur Zuflüsse in Aktien, Hochzinsanleihen - aber auch in Euro-Geldmarktfonds.

Ali Masarwah | 22-02-12

Nach der regelrechten Anlegerflucht im vergangenen Jahr haben sich die europäischen Investoren mit den steigenden Aktienmärkten 2012 ein Herz gefasst und wieder in Fonds investiert. Dass die Risikoaversion regelrecht in Renditehunger umgeschlagen ist, zeigen die Morningstar-Fondsabsatzdaten für den Monat Januar. Demnach sind Anleger im großen Stil wieder an die Märkte über aktiv verwaltete Fonds zurückgekehrt. An erster Stelle standen dabei Anleihefonds. Sie standen nach den hohen Abflüssen des vergangenen Jahres an erster Stelle auf der Kaufliste der Fondsanleger. Netto wurden knapp 7 Milliarden Euro in Anleihefonds angelegt, gefolgt von Aktienfonds, die Zuflüsse in Höhe von netto rund 3,5 Milliarden Euro verbuchten. Auch Mischfonds (1,5 Milliarden), Alternatives (980 Millionen) und Rohstoffe (210 Millionen Euro) waren gefragt. Nur Wandelanleihen wurden mit Nettomittelabflüssen von über 110 Millionen im Januar überwiegend verkauft (siehe untere Tabelle).

Tabelle: Die Gewinner des Monats Januar: Anleihen, Aktien, Mischfonds

Wie sehr sich das Stimmungsbild bei Investoren im Verlauf der vergangenen Monate sukzessive aufgehellt hat, zeigt die Grafik zum Absatzverlauf bei Fonds europaweit in den vergangenen 12 Monaten: Nachdem der Schock über die drohende Pleite Griechenlands im August 2011 manifest wurde, setzte die Absatzbewegung der Anleger ein. Im August wurden massiv Gelder aus Aktien- und Anleihefonds abgezogen (hellblaue bzw grüne Balken) - offenbar dämmerte vielen Investoren vor allem im September und Oktober, dass auch Euro-Geldmarktfonds (gelbe Balken) ein Risiko darstellen könnten. Wie die untere Grafik zeigt, verharrten die Abflüsse aus Aktien und Anleihen das ganze Jahr 2011 über auf hohem Niveau.

Grafik: Wie nachhaltig ist die Trendumkehr im Januar 2012?

Daten per 31.1.2012, Quelle: Morningstar Direct

Was haben Anleger im einzelnen gekauft? Unsere Übersicht zeigt, dass im Januar mit Euro-Geldmarktfonds die Produktkategorie im Fokus stand, die im Vorjahr noch regelrecht panisch verkauft worden war: Euro-Geldmarktfonds war die Morningstar-Kategorie mit den höchsten Zuflüssen im Januar 2012. Diese Kurzfristanlagevehikel sammelten netto 9,3 Milliarden Euro ein. Wie aus der Tabelle hervorgeht, waren auch Geldmarktfonds, die auf Britisches Pfund lauten sowie Hochzinsanleihefonds stark gefragt. Sie verzeichneten einen Nettoabsatz von 2,7 Milliarden bzw 2,5 Milliarden Euro.

Die am stärksten nachgefragte Aktienkategorie waren Aktienfonds für Schwellenländer, die knapp 2,4 Milliarden Euro an Zuflüssen verbuchen konnten. Auch Aktienfonds für globale Standardwerte sammelten netto Gelder ein. Nach hohen Abflüssen im vierten Quartal 2011 waren nunmehr auch flexible Mischfonds gefragt, die mit 730 Millionen wieder eine positive Nettovertriebsleistung verzeichnen konnten. 

Tabelle: Die Januar-Gewinner: Euro-Geldmarktfonds und hoch verzinsliche Anleihen

Spiegelbildlich zu den Gewinnern verloren diejenigen Geldmarktfonds besonders viel Geld, die vom Sicherheitsstreben der Anleger im Vorjahr noch profitiert hatten: US-Dollar-Geldmarktfonds mussten Abflüsse in Höhe von 5,2 Milliarden Euro hinnehmen. Die Nuancen der Morningstar-Statistik zeigen allerdings auch, dass es keine 180-Grad-Wendung mit Blick auf die Risikoeinschätzung der Anleger zum Euro gegeben hat. Etliche Euro-Anleihe-Kategorien verzeichneten hohe Mittelabflüsse, was zeigt, dass die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Fähigkeit der europäischen Politik, die Schuldenkrise zu lösen nach wie vor manifest ist. Während globale Aktienfonds überwiegend auf der Kaufliste standen, wurden Aktien mit Anlageschwerpunkt europäische Standardwerte überwiegend verkauft, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht.

Tabelle: Die Europhobie dominiert zwar nicht, ist aber nach wie vor manifest 

 

Welche Fonds standen im Vertriebsfokus und welche Fonds haben Anleger verkauft? Lesen Sie hier weiter.  

Hinweis: Morningstar schätzt die Absatzdaten der Fondsindustrie in Europa auf monatlicher Basis. Wir wenden folgende Methodologie an: Es werden - kurz gesagt - die Volumina der in Europa zugelassenen Fonds zum Ende des jeweiligen Monats mit ihrem Volumen zum Monatsanfang abgeglichen. Die Residualgröße, die sich nicht auf die Performance-Entwicklung zurückführen lässt, stellt die (positive oder negative) Nettoabsatzleistung des jeweiligen Fonds dar. Die aggregierten Morningstar-Daten geben zuverlässig und sehr zeitnah die Absatztrends in Europa wider, können sich aber von den offiziellen Statistiken der nationalen europäischen Fondsverbände und der europäischen Fondsvereinigung Efama unterscheiden. Unterschiede basieren im wesentlichen darauf, dass sich unsere Fondskategorien von denen der Fondsindustrie unterscheiden. Zudem kann unser Schätzverfahren durch die Dynamik der Zuflüsse innerhalb eines Monats beeinflusst werden, was zu Abweichungen von den endgültigen Fondsdaten der Fondsanbieter führen kann.

Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich Nehmen Sie hier Kontakt auf.