Mit dem SLK auf der Überholspur

Sollten Anleger zyklische Aktien angesichts der wackeligen Konjunktur vermeiden? Nicht unbedingt. Insbesondere deutsche Autohersteller könnten den Stoff für eine interessante taktische Anlagestrategie hergeben. 

Gordon Rose 29.11.2012

Der Automobilsektor – Was sagen unsere Analysten

Der Automobilmarkt in Europa schwächelt. Die Autobauer leiden unter der Eurokrise. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Neuzulassungen in Frankreich um 13% zurückgegangen, und auch in Deutschland sank die Zahl ungeachtet der robusten Konjunktur um 1,6%. Auch im nächsten Jahr erwarten Analysten einen Nachfragerückgang in Westeuropa. Sollten sich Anleger von Autowerten fernhalten? Nicht unbedingt. Deutsche Hersteller haben es den Experten angetan. Analysten favorisieren deutsche Autobauer über die Konkurrenz aus Frankreich. Vor allem Volkswagen und BMW profitieren laut Expertenmeinungen von ihrer Präsenz im Luxussegment und in den Schwellenländern. Außerdem erfreuen sie sich einer robusten Nachfrage im heimischen Markt, während sich andere europäische Konkurrenten in Deutschland schwer tun. Im Vergleich zur französischen Konkurrenz haben BMW und Co. einen wachsenden Absatz in den Schwellenländern. Insbesondere die Produktion vor Ort und die lokalen Vertriebskanäle wirken sich hierbei positiv aus. PSA Peugeot-Citroen und Renault konzentrieren sich hingegen auf den schwächelnden Massenmarkt in Europa Zudem verlieren die französischen Autobauer zunehmend Marktanteile an günstigere Hersteller wie Kia Motors und Hyundai Motor aus Südkorea.

Die Aktienanalysten von Morningstar sehen BWM auf gutem Weg zu einem neuen Rekordjahr. Der Absatz im Luxussegment in China und Japan ist im letzten Quartal um 39% bzw. 12% gestiegen. Die BMW-Aktie hat dieses Jahr um fast 30% zugelegt, da neue Modelle der Hauptproduktlinie zunehmend gekauft wurden. Dennoch wird die Aktie derzeit mit einem Abschlag von 14% zu dem von Morningstar ermittelten fairen Marktwert gehandelt.

Aber auch bei Volkswagen sieht Morningstar noch Luft nach oben, nachdem die Wolfsburger im dritten Quartal bessere Zahlen geliefert haben als erwartet. Unterstützt von Umsatzzuwächsen bei Audi konnte die Aktie dieses Jahr um fast 40% zulegen. Aufgrund der starken Zahlen haben unsere Analysten den fairen Wert von €160 auf €195 angehoben; sprich, die Aktien wird derzeit mit einem Abschlag von fast 30% gehandelt.

Noch positiver sind unsere Aktienanalysten gegenüber Daimler eingestellt, obwohl der Konzern die Markterwartungen im letzten Quartal nicht erfüllen konnte. Im abgelaufenen Quartal sind insbesondere der Konzernabsatz von PKWs und LKWs zurückgegangen. Gleichzeitig ist jedoch der Umsatz bei Mercedes-Benz und Daimler LKWs um 14% bzw. 15,8% angestiegen. Morningstar behält dennoch den fairen Marktwert bei €71, was derzeit einer Prämie von fast 90% zum aktuellen Marktpreis entspricht.

Die ETF-Auswahl ist begrenzt

Neben der risikoreicheren Einzelanlage können Investoren kostengünstige ETFs auf den STOXX Europe 600 Automobiles & Part Index kaufen, um an der potenziellen Erfolgsstory teilzunehmen. Der Index besteht derzeit zu 70% aus deutschen Unternehmen, wobei Daimler, Volkswagen und BWM zusammen ca. 60% des Indexwertes ausmachen; und die Performance des Index profitiert. Der STOXX Europe 600 Automobiles & Part Index legte im laufenden Jahr um über 28% zu. Im Vergleich, der STOXX Europe 600 Index schaffte lediglich eine Rendite von 15,3%.

Insgesamt gibt es 5 ETFs, die den europäischen Automobilsektor mit zwei verschiedenen Indizes abbilden. Der mit Abstand größte ETF ist der Source STOXX Europe 600 Opt Aut&Parts ETF mit einem Gesamtvolumen von €136,4 Millionen.

Bei beiden Referenzwerten, handelt es sich um Sub-Indizes des breiter aufgestellten STOXX Europe 600 Index, welcher ca. 90% der europäischen Marktkapitalisierung abdeckt. Der Unterschied der beiden Indizes besteht darin, dass die Gewichtung der einzelnen Unternehmen beim STOXX Europe 600 Optimised Automobiles & Parts Index 20% nicht überschreiten darf. Zudem versucht der Index die Zusammensetzung in Bezug auf Liquidität zu optimieren. Dieser Optimierungsprozess spiegelt sich letztendlich auch in der Indexzusammensetzung wieder, insbesondere bei den Einzeltiteln. Ist beim STOXX Europe 600 Automobiles & Parts Index Daimler mit 28% größtes Unternehmen, wird der Stuttgarter Autohersteller mit lediglich 19% im STOXX Europe 600 Optimised Automobiles & Parts Index gewichtet. Auch bei Volkswagen gibt es größere Unterschiede. Der optimierte Index gewichtet VW mit 22%, wobei das Unternehmen 16% vom STOXX Europe 600 Automobiles & Parts Index ausmacht. Beim Münchner Autobauer sind die Unterschiede jedoch etwas geringer. Der optimierte Index gewichtet das Unternehmen mit 19%, wobei es im nicht optimierten Index mit 16% gewichtet wird.

Die Unterschiedliche Indexzusammensetzung hat aber auch leichte Auswirkungen auf das Risiko-Rendite-Profil. Über die letzten 3 Jahre wies der STOXX Europe 600 Optimised Automobiles & Parts Index eine jährliche Rendite von 16% auf. Im Vergleich, der nicht optimierte Index erzielte im selben Zeitraum eine Rendite von 14,6%. Gleichzeitig unterscheidet sich die Volatilität jedoch kaum.

Potenzielle Investoren sollten fest an die weitere positive Wertentwicklung der Deutschen Autoindustrie glauben, die insbesondere von der Nachfrage aus den BRIC-Ländern getrieben werde dürfte. Aufgrund der engen Ausrichtung des Referenzwertes, sollte dieser ETF lediglich als taktisches Investment einen Platz im Portfolio finden.

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.