Dann waren es nur noch zwei

SDPR steigt aus dem Rennen um den ETF-Arm von Credit Suisse aus. Berichten zur Folge ist nur noch Markführer iShares und ein unbekannter Bieter im Rennen.

Gordon Rose 21.12.2012

Willkommen zur neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz diskutieren wir die Highlights der ETF-Märkte. Wir stellen die Gewinner und Verlierer unter den in Europa gelisteten ETFs vor und geben einen Überblick über die europaweit neu gelisteten Indexprodukte.

 

Wer reißt sich Credit Suisse unter den Nagel?

In einer unserer letzten Ausgaben haben wir davon berichtet, dass Credit Suisse ihren ETF-Arm zum Verkauf anbietet. Diese Woche wurde bekannt, dass State Street aus dem Rennen ausgestiegen ist. Berichten zur Folge haben insgesamt drei Bieter Interesse für das ETF-Geschäft angemeldet. Neben iShares soll noch ein dritter unbekannter dabei sein.

Lassen Sie uns zum Jahresabschluss ein wenig spekulieren: Der ETF-Arm von State Street, SPDR, gehört mit einem Vermögen von €3 Milliarden laut Morningstar-Daten nicht zu den Top-10 Anbietern in Europa. Eine Übernahme von Credit Suisse hätte daher Sinn gemacht, um die Marktpräsenz mit einem Schlag kräftig zu erhöhen. Bei iShares gibt es hingegen große Überschneidungen bei der Produktpalette von Credit Suisse ETFs, und daher ist die Sinnhaftigkeit einer solchen Akquisition etwas fragwürdig. Es könnte lediglich dazu dienen, die Position als Marktführer weiter auszubauen. Auch Vanguard wurde bereits als potenzieller Käufer genannt. Aufgrund der besonderen Struktur des Billiganbieters wäre eine Integration der Produktpalette des Schweizer Anbieters eventuell mit Komplikationen verbunden. Kreative Vertreter der ETF-Branche haben hingegen die Zürcher Kantonalbank ZKB ins Spiel gebracht. ZKB bietet derzeit lediglich Rohstoffprodukte an und hat sich in der Vergangenheit bereits versucht, im Aktien- und Rentenmarkt zu positionieren – ohne Erfolg. Mit einem Kauf der ETF-Sparte von Credit Suisse, einem bereits etablierten ETF-Anbieter, wären die Erfolgsaussichten wesentlich besser.

Wir dürfen also gespannt sein, wer sich Credit Suisse ETFs unter den Nagel reißt.

Auch MSCI kann mit neuen Indizes „glänzen“

Nachdem in den letzten Wochen hauptsächlich STOXX neue Indizes auf den Markt gebracht hat, hat diese Woche MSCI mit 5 neuen Indizes von sich hören lassen. Zu den neuen Indizes gehören der MSCI ACWI Quality Index, der MSCI World Quality Index, der MSCI Emerging Markets Quality Index, der MSCI Europe Quality Index und der MSCI USA Quality Index. Als Auswahlkriterium gilt eine hohe Eigenkapitalquote, konstantes Gewinnwachstum und eine geringe Verschuldungsquote. Laut Indexanbieter sollen diese Indizes eine geringe Korrelation mit anderen Strategien aufweisen.

Die neue Serie von MSCI ist der beste Beweis dafür, dass es für den Otto-Normal-Anleger immer schwieriger wird, zwischen „aktiv“ und „passiv“ zu unterscheiden. Das Problem dieser Strategien ist zudem, dass sie auf historischen Daten basieren, die kein Indikator für die Zukunft darstellt. Es wird von Investoren also immer mehr abverlangt, da Indizes und ETFs immer komplizierter werden. Ob das am Ende vom Tag zielführend ist, darf kritisch hinterfragt werden.

Vanguard – „Nur das Beste für Berater“

Im Zuge der sogenannten „Retail Distribution Review“ (RDR), die ab dem 01. Januar 2013 in England greift, hat Vanguard eine neue ETF-Microseite „Vanguard Learning“ veröffentlicht. Vanguards neue Plattform dient dazu  Vermögensberater in ETFs „auszubilden“, mit der Hoffnung, dass das gewonnen Wissen die Berater dazu motiviert vermehrt in ETFs zu investieren. Die mangelnde Kenntnis von Beratern hinsichtlich ETFs wird als ein Grund angeführt, warum sich die Produktklasse gegenüber Fonds in der Vergangenheit schwergetan hat.

Knackpunkt der RDR-Regulierungen sind transparentere Kostenmodele der Vermögensverwalter, die keine Bestandsprovisionen mehr von Fonds erhalten dürfen. Zukünftig gilt in Großbritannien das Beratermodell, nach dem Investoren für ihre Beratung direkt zahlen müssen, anstatt indirekt über die Produkte, die sie kaufen. Befürworter von RDR sind der Meinung, dass dieses Modell Investoren eine neutralere und damit hoffentlich bessere Beratung ermöglicht.

Vanguard und die gesamte ETF-Industrie erhofft sich, dass der verstärkte Fokus auf Kosten das ETF-Geschäft beleben wird. Von vielen wird auch vermutet, dass RDR ein wichtiger Faktor für den Markteintritt von Vanguard in Europa war. Die neue Microseite dürfte die Vermutungen erhärten.

 ETF Markt – die Neuemissionen

Wie bereits letzte Woche angekündigt, hat db X-trackers diese Woche die ersten physisch replizierenden ETFs an der Deutschen Börse gelistet. Neben den Standardindizes, wie dem DAX, EURO STOXX 50 und FTSE, können Investoren nun erstmals direkt an der Wertentwicklung der größten Unternehmen der Eurozone ohne Finanzwerte teilnehmen.

Neben den physisch replizierenden Produkten hat db X-trackers zudem den db x-trackers II iBoxx EUR Liquid Covered Index UCITS ETF auf den Markt gebracht. Der Referenzwert bildet die Wertentwicklung von auf Euro denominierten Pfandbriefen mit Investment-Grade ab.

Auch Lyxor hat diese Woche im Jahresendspurt noch fünf ETFs an der Deutschen Börse und der Euronext gelistet. Investoren können mit dem Lyxor ETF SG Global Quality Income NTR an der Wertentwicklung von globalen Unternehmen der Industriestaaten teilnehmen. Die Unternehmen sollen neben einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite eine nachhaltige Performancesteigerung liefern.

Mit dem Lyxor ETF S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll haben Investoren zukünftig die Möglichkeit, an der impliziten Volatilität des S&P 500 Index teilnehmen.

An der Euronext hat Lyxor einen ETF auf italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 6 Monaten auf den Markt gebracht. Zudem können Investoren künftig an der Wertentwicklung von Unternehmen aus dem globalen Goldsektor teilnehmen. Hierzu gibt es eine US-Dollar- und eine Euro-Anteilsklasse.

ETF Markt – Gewinner und Verlierer

Japanische Aktien konnten am Mittwoch den besten Tag des Jahres verzeichnen. Anleger spekulieren darauf, dass die neue Regierung um Premierminister Shinzo Abe aggressive Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung ergreifen wird.

Bei den Verlierern der Woche sind Silberprodukte zu finden. Analysten streiten sich jedoch um die Gründe, da es weder Neuigkeiten noch Fundamentaldaten gibt, die den Einbruch begründen könnten. Jedoch stoßen Hedgefonds-Manager das Edelmetall im großen Stile ab.

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.