Glänzt Gold noch?

Fondsmanagerinterview über die Vorteile und Risiken von Gold.

31-01-10 | Artikel schicken

Unsere US-Kollegen sprachen mit Rachel Benepe, Fondsmanagerin des First Eagle Gold Fund, über den Wert von Gold als Investment, welche Anleger in Gold investieren sollten und die drei wichtigsten Risiken, vor denen Gold heute steht.

Ist Gold nach seiner Preisrallye weiterhin attraktiv?

Wir sehen Gold als potentielles Wertaufbewahrungsmittel in Zeiten großer Unsicherheit. In solchen befinden wir uns sicherlich. Weltweit setzen die Regierungen auf massive Konjunkturprogramme und die Zentralbanken überdenken die Zusammensetzung ihrer Währungsreserven. Unserer Meinung nach kann Gold zumindest teilweise gegen die unbeabsichtigten Folgen dieser Politik schützen. Während man darüber streiten könnte, ob wir kurz vor einer Inflation, Deflation oder Abwertung (des US-Dollars) stehen, halten wir solche Prognosen gar nicht für nötig. Gold könnte in jedem dieser Szenarien dabei helfen, das Portfolio vor Verlusten zu bewahren. Falls sich die Konjunkturerholung als nachhaltig erweist, dürfte der Goldpreis sinken, doch Goldaktien könnten dennoch steigen.

Die Investmentnachfrage ist der Schlüssel für die Entwicklung des Goldpreises. Sie überlagert tendenziell alle anderen Angebots- und Nachfragefaktoren. Im Lauf der Zeit hat Gold zwischen seinem Status als Schmuck und monetäres Instrument hin und her gewechselt. In jüngerer Zeit hat sich gezeigt, dass der Goldpreis steigt, wenn Gold als Ersatzwährung angesehen wird. Gegenwärtig zögern die Zentralbanken, Gold zu verkaufen. Viele (inkl. Russland und Indien) kaufen sogar. Wenn sich Zentralbanken und Investoren nicht von ihren Goldbeständen trennen wollen, nimmt die Verfügbarkeit von Gold ab und der Preis steigt tendenziell.

Tatsächlich hat sich der Goldpreis – gemessen in US-Dollar - seit der Lehman-Krise sehr stark entwickelt. Wir haben aber noch nicht die Hochs der späten 1970er und frühen 1980er Jahre gesehen. Für den Fall, dass sich die Welt nicht halbwegs problemlos von den Konjunkturprogrammen lösen kann, halten wir es für sinnvoll, dem Portfolio Gold beizumischen.

Wie stehen Gold und Goldaktien gegenüber einem globalen Aktienportfolio da? Wie sollten sich langfristig orientierte Anleger positionieren?

In unserem globalen Aktienfonds haben wir Gold und Goldaktien derzeit mit 11% beigemischt. Auf jeden Fall sollte man nicht allein in Gold investieren. Gold ist keine risikofreie Anlage. Der Goldpreis hat in der Vergangenheit 50% und mehr verloren. Daher sollte Gold immer in einem diversifizierten Portfolio eingesetzt werden.

Es gibt eine Fülle von Rohstoff-Fonds. Warum sollte man darunter ausgerechnet Gold wählen?

Gold ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Es bewegt sich außerhalb des Konjunktur- und Kreditzyklus. Es hat gegenüber anderen Rohstoffen aufgrund seiner Dichte relativ günstige Lagerkosten. Das gesamte Gold, das jemals abgebaut wurde, würde in etwa in zwei Schwimmbecken mit olympischen Maßen passen. Gold ist nahezu unzerstörbar. Fast all das Gold, das jemals abgebaut wurde, befindet sich in oberirdischer Lagerung. Das liegt daran, das Gold die meisten Katastrophen wie Kriege, Feuer oder Schiffbruch überstanden hat. Es wird weltweit akzeptiert und kann nicht gefälscht werden. Gold entwickelt sich auch nicht wie die Industriemetalle, die vom Konjunkturzyklus abhängig sind. In Krisenzeiten gilt Gold als sicherer Hafen.

Für welche Anlegertypen eignet sich Gold?

Wir denken da vor allem an vorsichtige Anleger. Eine Beimischung von Gold kann dabei helfen, das Portfolio gegen unvorhergesehene Katastrophen oder schwere Krisen zu schützen. Zwar haben solche Katastrophen eine geringe Wahrscheinlichkeit. Gold dürfte jedoch in einem derartigen Umfeld einen besseren Werterhalt bieten als andere Anlagen.

Vor welchen Risiken stehen Goldinvestoren gegenwärtig?

Unserer Meinung nach gibt es drei wichtige Risiken.

Erstens könnten die Regierungen es schaffen, die Konjunktur wieder anzukurbeln und die Geldpolitik so zu managen, dass es nicht zu unbeabsichtigten Folgen kommt. In diesem Fall würden Zentralbanken und Investoren Gold verkaufen. In einem solchen Umfeld würden sich Aktien gut entwickeln, weshalb wir eine begrenzte Beimischung von Gold für sinnvoll halten.

Das zweite Risiko sehen wir darin, dass die USA es für ihre Bürgern (wie bereits in der Vergangenheit geschehen) für illegal erklären konnten, Gold zu halten. Dies ist zwar extrem unwahrscheinlich, spricht aber dafür, neben Gold auch in Goldaktien zu investieren.

Das dritte Risiko liegt darin, dass Rohstoffe volatil sein können. Rohstoffaktien haben zudem oft einen Hebel auf den zugrunde liegenden Rohstoffpreis. Die Kurse von Goldaktien hatten in der Vergangenheit einen Hebel von 2-3 auf den Goldpreis. Dieser Zusammenhang gilt natürlich in beide Richtungen, also auch wenn der Goldpreis sinkt!

Dieses Interview erschien ursprünglich am 29. Januar 2010 auf www.morningstar.com.

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