Die Highlights der Indexwoche: ETF Times
Unsere Kolumne zu börsengehandelten Indexprodukten für die Woche 23. bis 27. Januar 2012.
Willkommen zu unserer neuen Ausgabe der ETF Times! In unserer wöchentlichen Publikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz fassen wir die Highlights der Märkte zusammen. Wir stellen die Gewinner und Verlierer der Woche unter den in Europa gelisteten ETPs vor und geben einen Überblick über die neugelisteten Produkte in Europa.
Marktbericht
Nach gut zehn scheinbar sorglosen Tagen an der Börse ist es schon fast überraschend, dass die Schuldenkrise der Euroländer wieder den Ton an den Märkten angibt. Es herrscht Verunsicherung, zumal die Gespräche über den Schuldenschnitt mit Griechenland - erneut - abgebrochen wurden. Die EU-Finanzminister fordern Zinsen von maximal 3,5% für die neuen griechischen Staatsanleihen. Bisher haben Banken 4% als Schmerzgrenze gesehen. Dies belastete vor allem Finanzwerte, da nun eine höhere Belastung durch den Schuldenschnitt erwartet wird als zunächst angenommen. Aber auch die Diskussion um die Rettungsmechanismen EFSF und ESM brechen nicht ab. Nachdem der italienische Regierungschef Mario Monti erneut vorgeschlagen hatte, die Schlagkraft des ESM zu verdoppeln, keimte Hoffnung auf, den EFSF und den ESM parallel laufen zu lassen. Bundeskanzlerin Merkel bleibt dem ESM weiterhin offen gegenüber gestellt, hält aber nicht allzu viel von einer Verdoppelung des ESM. Diese Meinung teilt auch IWF-Chefin Christine Lagarde.
Zu den Konjunkturdaten: In Deutschland konnte der Ifo-Geschäftsklimaindex diese Woche überraschend auf 108,3 Zähler klettern, erwartet wurden lediglich 107,6. Im Dezember stand der Index noch bei 107,2 Punkten. Auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte, dass die Deutschen ungeachtet von Schuldenkrise und Konjunkturflaute kräftig Geld ausgeben. Zuletzt war die Stimmung im März 2011 so gut. Angesichts sinkender Arbeitslosenquote ist das auch wenig verwunderlich. Bei einem sicheren Arbeitsplatz sitzt das Geld eben etwas lockerer. Bevor jetzt die Ökonomen aufschreien, mir ist bewusst, dass die Zahlen auch anders interpretierbar sind. Aber in der momentanen Wirtschaftslage verfahre ich lieber frei nach dem Motto: „Always look on the bright side of life.“ Zumal der deutsche Fiskus im Dezember Steuereinnahmen in Rekordhöhe verbuchen konnte. Finanzminister Schäuble darf sich über 70,8 Milliarden Euro freuen, soviel wie noch nie zuvor in einem einzelnen Monat.
Die Wirtschaft in England ist im vierten Quartal 2011 dagegen um 0,2% geschrumpft. Das schürt neue Ängste vor einer „double-dip“ Rezession. Der PMI für den Dienstleistungssektor ist hingegen im Dezember auf 54,0 Punkte gestiegen, weit über der Wachstumsschwelle von 50. Die Inflation liegt zwar noch bei 4,2%, es wird aber erwartet, dass diese im laufe des Jahres wieder sinkt und damit der Konsum gestützt wird.
Die Rating-Agentur S&P setzte ihrer Abstufungsrunde fort und senkte die Bonität von mehreren französischen Banken.
In den USA konnte Apple mit Rekordzahlen auf sich aufmerksam machen. Die Aktie verteuerte sich zwischenzeitlich auf 454 US-Dollar, ein neues Altzeithoch.
Notenbankchef Ben Bernanke gab Mitte der Woche bekannt, die Nullzinspolitik bis mindestens Ende 2014 vortführen zu wollen. Die derzeit schwierige Wirtschaftslage macht eine frühere Zinserhöhung unwahrscheinlich. Die Nullzinspolitik soll die Investitions- und Ausgabenfreude von Unternehmen und Konsumenten anregen und damit der US-Wirtschaft zu mehr Wachstum verhelfen. Die Zentralbank erwartet ein Wirtschaftswachstum zwischen 2,2% und 2,7% für das laufende Jahr. Die Arbeitslosenquote wird Ende 2012 zwischen 8,2% und 8,5% erwartet. Jedenfalls konnte die US-Industrie im Dezember ein überraschend starkes Auftragsplus registrieren. Enttäuschend waren hingegen die Zahlen vom Immobilienmarkt. Die Zahl der verkauften Eigenheime fiel im Dezember um 2,2%. Auf Jahressicht wurden Schätzungen zufolge 307.000 Neubauten verkauft, erwartet wurden jedoch 320.000.
Die japanische Notenbank geht davon aus, dass die Wirtschaft im Fiskaljahr 2011/2012 um 0,4% schrumpfen wird. Die japanische Automobileindustrie konnte jedoch etwas Aufwind durch bessere Konjunkturdaten aus den USA gewinnen. Zudem stand der angeschlagene Energiekonzern Tepco in den Schlagzeilen, da Gerüchte einer Verstaatlichung kursieren.
ETP Markt
Die Diskussion um synthetische versus physische ETFs ist doch eine sehr interessante, und sie ist wieder um eine Wendung bereichert worden: iShares, immerhin der größte Verfechter physischer Indexreplikation hat offenbar einmal mehr eingesehen, dass es ganz ohne synthetische Replikation nun doch nicht geht und hat diese Woche vier swap-basierte ETFs auf Rohstoffe auf den Markt gebracht.
Gewinner – Verlierer der Woche
Auf der Gewinnerseite finden wir diese Woche einmal mehr griechische Aktien und Rohstoffe, insbesondere Industriemetalle, die von relativ guten Konjunkturdaten profitiert haben dürften.
Auf der Verliererstraße finden wir vor allem Volatilitätsprodukte die überwiegend unter der Beruhigung der Aktienmärkte gelitten haben dürften.

ETP Markt – Neuemissionen
Es scheint, als sein die ETP-Anbieter erst in dieser Woche aus dem Winterschlaf erwacht. Insgesamt gab es 34 Neuemissionen beziehungsweise neue Listings in Europa.
Die Commerzbank hat 16 ETCs an die Deutsche Börse gebracht. Anleger bekommen dadurch Zugang zu der einfachen, gehebelten und inversen Wertentwicklung von Öl, Naturgas und Kupfer.
Der französische Anbieter Lyxor hat diese Woche sechs Produkte an der Deutschen Börse listen lassen. Mit dem Lyxor ETF Thailand (SET50 TR) und dem Lyxor ETF MSCI Indonesia bekommen Anleger zugriff auf zwei Schwellenländer im asiatischen Raum. Der Lyxor MSCI All Country World bietet Zugriff auf globale Aktien. Außerdem hat Lyxor ETFs an der Deutschen Börse gelistet, die die Wertenentwicklung amerikanischer Märkte abbilden. Mit dem Lyxor Russell 2000 werden amerikanische Small Caps abgebildet und der Lyxor ETF Russell 1000 Value und der Lyxor ETF Russell 1000 Growth bieten Zugriff auf Standardwerte und mittelgroße US-Unternehmen.
db X-trackers hat sich den Aktivitäten angeschlossen und zwei Produkte an der Deutschen Börse auf den Markt gebracht. Mit dem db x-trackers S&P Equal Weight ETF können Anleger eine Gleichgewichtungsstrategie beim S&P 500-Index fahren. Jedes Unternehmen ist mit 0,2% gewichtet. Der db x-trackers ATX ETF bildet die Wertentwicklung der 20 größten österreichischen Unternehmen ab.
Wie oben kurz angerissen, hat iShares eine Reihe von (synthetischen) Rohstoff-ETFs auf Agrarprodukte, Energie, Industriemetalle und einen breit aufgestellten Rohstoffindex an der Londoner Börse gelistet.
Amnudi hat in Paris den Amundi ETF Eurozone Highest Rated Government EuroMTS 1-3 gelistet. Dieses Produkt gibt Investoren Zugriff auf Euroländer mit der Bonität AAA von allen drei Ratingagenturen. Nach dem letzten Rundschlag von S&P sind aber nur noch Deutschland, Holland und Finnland in dieser Elite vertreten.
Außerdem hat RBS fünf ihrer Produkte auf Schwellenländer an der Borsa Italiana gelistet.








