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De Ali Masarwah| 8-28-2018 12:00 AM

Ist der Nasdaq 100 risikofrei?

Anleger stoßen europäische Fonds ab und kaufen stattdessen Growth-Aktienfonds und stürzen sich vor allem auf US-Technologie-Aktien. Ein Blick auf das Kaufverhalten europäischer Fondsinvestoren im zweiten Quartal.

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Auch wenn das Wort „Anlegerflucht“ eine dramatische Konnotation hat, so trifft es doch das Verhalten von Investoren in Europa im vergangenen Monat. Jedenfalls zu einem guten Teil. Der Verkauf risikoreicher Anlagen prägte im Juni den europäischen Markt. Zum einen wurden Emerging-Markets-Investments auf breiter Front veräußert. Das lässt sich mit der Aussicht auf steigende Zinsen in den USA recht gut erklären und hat sich als typisches Muster etabliert: Wenn Zinsanlagen in den Industrieländern, vor allem in den USA, attraktiver werden, ziehen Anleger ihr Geld aus den Märkten ab, die mit hohen Prämien (bei überdurchschnittlichen hohen Risiken) locken: aus den weniger entwickelten Ländern also.

Zum anderen wurden neben Emerging Markets Fonds zwei weitere Kapitalmarktsegmente in signifikantem Umfang verkauft: Anleger zogen in großem Stil Geld aus Fonds ab, die in europäische und japanische Aktien investieren. Hier greift das Zinsargument nur eingeschränkt. Zwar ist es angesichts der Zinsdifferenz zwischen USA und der Eurozone bzw. Japan nicht unwahrscheinlich, dass auch europäische Investoren die gestiegenen Renditen von Treasuries in diesem Jahr US-Bonds als attraktiv ansehen, zumal sich die Risikobereiten unter ihnen angesichts der Aussicht auf einen weiter steigenden Greenback frohen Mutes einen Währungshedge bleiben lassen können.

Allerdings gibt es etliche Punkte, die für ein aktives Abstoßen europäischer und japanischer Assets sprechen. Hier ließe sich die These aufstellen, dass die Regierungsbildung in Italien, die Gefahr populistischer Strömungen in Europa sowie die Gefahr einer protektionistischen US-Handelspolitik Investoren vor den exponierten europäischen und japanischen Märkten zurückschrecken ließ.

Blieben als Default-Option nur die USA. Und tatsächlich bewirkte der Run auf USA-Fonds, dass die Mittelabflüsse aus Fonds mit Domizil in Europa nicht dramatische Ausmaße annahmen. Gefragt waren neben USA-Standardwertefonds vor allem Technologie-Aktien (Stichworte: Nasdaq 100 Tracker, in denen die so genannten FAANGs besonders stark vertreten sind.) sowie global anlegende Aktienfonds, in denen die USA einen Anteil von durchschnittlich rund 50 Prozent haben. Das ist erstaunlich angesichts der historisch hohen Volatilität von Technologie-Aktien, doch die Erinnerung an die Verluste zur Jahrtausendwende ist offenbar in den vergangenen Hausse-Jahren bei vielen Anlegern verblasst. "Sorglosigkeit" ist in diesem Kontext ein passendes Stichwort!

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