Schwellenländer-Nebenwertefonds: Starke Boutiquen, schwächelnde Favoriten

Wir blicken nun auf die Bilanz der Fonds am Markt. Große Schiffe von Ashmore, Pioneer und Aberdeen schwächeln. Britische Boutique Polunin liegt mit institutionellem Fonds weit vorn, Templeton und JPMorgan schlagen sich wacker.

Ali Masarwah 25.05.2016
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In unserer Werkschau zu Schwellenländer Nebenwertefonds haben wir uns zunächst mit den allgemeinen Charakteristika der Kategorie befasst (lesen Sie hier weiter), sind anschließend auf die Branchen- und Länderstruktur der Kategorie eingegangen (lesen Sie hier weiter), bevor wir uns mit dem Rendite-Risiko-Profil der Kategorie beschäftigt haben (lesen Sie hier). 

Aberdeen-Dickschiff war schon mal noch dicker

Im Folgenden steigen wir eine Ebene tiefer ein und kommen auf die Fonds und ETFs zu sprechen. Dabei gehen wir auf die Produkte ein, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind und zeigen bei Fonds mit multiplen Tranchen, falls vorhanden, die Version, die Privatanleger typischerweise zeichnen können. Allerdings führen wir auch solche Fonds auf, die nur mit hohen Mindestanlagesummen zu erwerben sind; solche Produkte werden typischerweise von Dachfonds und im Wealth Management eingesetzt. (Die vollständige Liste aller in Europa zum Vertrieb zugelassenen Fonds finden Sie hier; bitte beachten Sie die Spalte "Country AFS", in der sich die Länder finden, in denen die Fonds zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind.)

Kommen wir zunächst zu den größten Fonds, die in einem der drei Länder Deutschland, Schweiz und Österreich zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, hat der britische Schwellenländer-Spezialist Aberdeen den größten Fonds im Angebot. Der bereits 2007 aufgelegte Aberdeen Global Emerging Markets Smaller Companies ist gut eine Milliarde Euro schwer. Ein Blick weiter rechts in der Tabelle zeigt allerdings, dass er vor einigen Jahren noch deutlich größer war: Ihm flossen seit Mai 2013 knapp 1,5 Milliarden Euro ab.

Ursache für den Schwund beim Aberdeen-Fonds dürfte nicht nur die Tatsache sein, dass Schwellenländer-Investments außer Mode geraten sind. Vielmehr zeugt das Zwei-Sterne Morningstar Rating von einem unterdurchschnittlichen Rendite-Risiko-Profil im Vergleich zu den anderen Fonds der Kategorie. Mit 7,65% zählt der Tracking Error zu den höchsten in der Kategorie. Taiwan ist im Aberdeen Smaller Companies überhaupt nicht, China nur mit rund 2,5% vertreten; dafür sind die Türkei und Brasilien jeweils doppelt so stark im Aberdeen-Fonds gewichtet wie im Kategorie-Index. Mit laufenden Kosten von 2,07% zählt er zudem zu den teureren Produkten. 

Tabelle: Schwellenländer-Nebenwertefonds nach Größe sortiert

Largest EMSC DE 

Der mit deutlichem Abstand zweitgrößte Fonds ist der JPMorgan Emerging Markets Small Cap, der per Ende April ein Vermögen von 578 Millionen Euro aufwies. Er hat im quantitativen Morningstar Rating eine Bewertung von drei Sternen. In den vergangenen drei Jahren war das Risiko durchschnittlich, die Rendite allerdings überdurchschnittlich. Volatilität, maximaler Verlust und auch der Tracking Error sind tiefer als beim Aberdeen Small Cap. 

Ebenfalls mit drei Sternen ist der Templeton Emerging Markets Smaller Companies Fund bewertet. Als einziger Fonds der Kategorie verfügt er auch über ein qualitatives Morningstar Analyst Rating. Er ist derzeit mit „Bronze“ bewertet, die drittbeste Note, die unsere Fondsanalysten vergeben. Gemäß der Templeton Value-Philosophie setzt der Fonds auf relativ günstig bewertete Aktien, denen die Templeton Manager Chetan Sehgal und Vikas Chiranewal ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum zutrauen. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds deutlich outperformt. Allerdings fallen die sehr hohen laufenden Gebühren von 2,5% jährlich negativ ins Gewicht. 

Dass die größeren Produkte nicht die besten sein müssen, illustrieren der Pioneer Emerging Markets Equity und der (nur in Österreich und der Schweiz zugelassene) Ashmore Emerging Markets Global Small Cap Equity, die jeweils nur ein Ein-Sterne-Rating haben. Sie weisen damit das schwächste Rendite-Risiko-Profil der Kategorie auf. 

Auch der iShares MSCI Emerging Markets Small Cap ETF, der zu den größeren Produkten zählt, schneidet unterdurchschnittlich ab, wie das Zwei-Sterne-Rating illustriert. Wir haben bereits skizziert, dass in dieser Kategorie ETFs gegenüber aktiv verwalteten Fonds einen schweren Stand haben. 

Tabelle: Die Dreijahres-Bilanz von Schwellenländer-Nebenwertefonds

Perf threeyears de 

Kommen wir nun zur Bilanz der vergangenen drei Jahre. Von den 26 Produkten mit Vertriebszulassung in der Region D-A-CH haben 16 aktive Fonds und zwei ETFs eine Dreijahres-Historie. Der mit Abstand beste Fonds war der Polunin Emerging Markets Small Cap Fund,  der ein Plus von 12,74% pro Jahr erzielte, gut 11,5 Punkte jährlich mehr als der MSCI Emerging Markets SMID. Auch in den vergangenen fünf Jahren lag der von Polunin Capital Partners verantwortet Fonds meilenweit vor der Benchmark. Ein Wermutstropfen für Privatanleger ist die sehr hohe Einstiegshürde. Je nach Vertriebskanal beläuft sich die Mindestanlagesumme zwischen 250.000 und eine Million EUR. Dieser Fonds dürfte sich also ausschließlich bei Dachfonds und in Private Wealth Mandaten wiederfinden.

Der Tracking Error von gut 8,7% zeigt, dass der Polunin Small Cap Fund vollkommen anders tickt als die Benchmark. Auf Länderebene ist Lateinamerika deutlich untergewichtet, in Osteuropa, vor allem Russland, Türkei und Polen, ist der Polunin-Fonds dagegen deutlich übergewichtet gegenüber der Kategorie-Benchmark. 

Auf Branchenebene ist der Fonds vor allem im Bereich IT, Energie und Rohstoffen unterwegs, derweil die Finanzbranche am stärksten untergewichtet ist. 

Polunin-Gründer kommt von Pictet Asset Management

Seit Auflage Ende 2007 managen Aditya Mehta und Douglas Polunin diesen Fonds, den die Service-KAG Alceda in Deutschland als Publikumsfonds anbietet. Bevor er Polunin Capital Partners 2001 gründete war Douglas Polunin 13 Jahre bei Pictet Asset Management, wo er am Aufbau des Schwellenländer-Geschäfts des Asset Managers der Schweizer Privatbank beteiligt war und dort etliche Fonds verantwortete.   

Der zweitbeste Fonds in den vergangenen drei Jahren war der oben bereits erwähnte Templeton Emerging Markets Smaller Companies, der Benchmark und Peer Group deutlich hinter sich ließ. In diesem Fonds liegen die Schwergewichte auf den Branchen Luxusgüter, Basiskonsum und Health Care. In letzterer Branche wurde im vergangenen Jahr die höchste Outperformance erzielt, während das Team bei der Auswahl von Aktien aus dem Basiskonsumgüter-Sektor kein gutes Händchen hatte. Finanzen waren leicht untergewichtet, was der Performance zugutekam, ebenso wie die starke Untergewichtung der Branchen Energie und Versorger. 

Selektive Replikation und tiefen Kosten bringen SPDR-ETF nach vorn

Interessant ist auch, dass die beiden ETFs unserer Auswahl zwar nicht die Schlusslichter bilden, aber in der Dreijahreswertung doch recht weit abgeschlagen sind. Dabei konnte der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap ETF den deutlich größeren iShares ETF seit 2013 um jährlich gut 70 Basispunkte übertreffen. Ein Grund ist der Kostenunterschied. Der iShares ETF bringt Kosten von 0,74% jährlich auf die Waage, 19 Punkte mehr als der SPDR ETF. Hinzu kommt, dass der iShares ETF einen sehr großen Anteil des MSCI Emerging Small Cap Index physisch abbildet (1.793 von 1.850 Aktien). Das zieht Umschichtungskosten nach sich. Der SPDR ETF hingegen setzt im Zuge der statistischen Sampling-Methode nur auf knapp 800 Aktien, was die Handelskosten reduziert. Dass diese Replikation sehr effizient sein kann, zeigt, dass der SPDR ETF einen Tracking Error von nur 2,63% hat gegenüber 3,11% beim Produkt von iShares. 

Der dritte ETF unserer Auswahl ist der WisdomTree Emerging Markets Small Companies Dividend ETFs, der einen hauseigenen Index von WisdomTree abbildet und in dividendenstarke Aktien investiert. Es handelt sich um einen so genannten Strategic Beta ETF, der einer anderen Gewichtungslogik folgt als marktkapitalisierungsgewichtete Indizes. Dieser ETF ist nach Dividenden-Strömen gewichtet. Er wurde Ende 2014 aufgelegt und verfügt entsprechend nicht über eine Dreijahreshistorie. Die Bilanz der letzten 12 Monate fiel etwas besser aus als die Index-Performance. Freilich lag er meilenweit hinter den besten – aktiven - Produkten der Kategorie. 

 

 

STICHWÖRTER
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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich