Interview: „Bei Faktor-Investments bauen sich Zielkonflikte auf“

Warum ist Value derzeit so mega-out? Wie teuer können Qualitätsaktien noch werden? Was ist das Performance-Potenzial von Strategic Beta Ansätzen? Bei Faktor-Investments sind viele Fragen offen. Höchste Zeit also mit Dr. Christian Jasperneite, CIO bei M.M. Warburg & CO., über Chancen und Tücken des aktuell heißesten Themas am Fondsmarkt zu sprechen. 

Ali Masarwah 07.07.2017

Wer mit Dr. Christian Jasperneite über Märkte und Investments spricht, bekommt schnell mit, dass hier ein systematischer Denker und zugleich wacher Geist am Werke ist. Aktuell beschäftigt sich der Investment-Profi vor allem mit Faktor-Investments, die sich im Finanz-Jargon als „Smart Beta“ etabliert haben (wir bei Morningstar bevorzugen den weniger bombastischen Begriff „Strategic Beta“). Wir sprachen mit Jasperneite über die langfristige Tragfähigkeit von diesen Renditequellen, die zwar keinesfalls neu sind, aber dennoch erst seit wenigen Jahren so erbarmungslos abgeschöpft werden, dass einem angst und bang werden kann. Christian Jasperneite ist auch deshalb eine Autorität, weil er sich bereits seit Jahren mit quantitativen Investments befasst. Er studierte an der Universität Passau Volkswirtschaftslehre und promovierte dort anschließend am Lehrstuhl für Wirtschaftpolitik. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Harvard University begann er im Jahr 2000 als Analyst im Makro-Research von M.M.Warburg & CO, bevor er im Family Office der Warburg-Gruppe Chief Investment Officer wurde. Seit Anfang 2009 ist er Chief Officer bei M.M. Warburg & CO.  

Herr Jasperneite, wir sind heute, gut sechs Monate nach Beginn des Jahres, wieder an dem Punkt, an dem wir in den vergangenen Jahren immer wieder waren: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Substanzwerte erneut hinter Growth-Aktien liegen. Die zweite Jahreshälfte 2016 schien eine Trendwende zugunsten von Value zu signalisieren, doch die Hoffnung war verfrüht. Haben Sie eine Erklärung, warum der Value-Stil so unbeliebt ist?

Value-Aktien laufen dann gut an der Börse, wenn sich die Konjunkturdaten deutlich verbessern. Diese Unternehmen sind zumeist deshalb günstig bewertet, weil sie, salopp gesagt, eine Macke haben. Sie haben typischerweise eine geringere Profitabilität als der Durchschnitt, eine geringere Bilanzqualität, und die Gewinnrevisionen sind oftmals negativ. Das sind alles Punkte, die diese Aktien unbeliebt machen. Kommt nun der Konjunkturaufschwung, nimmt die Häufigkeit von Insolvenzen ab, weil viele Unternehmen von der expandierenden Wirtschaft profitieren. Dann sind die negativen Eigenschaften von Value nicht so relevant, und die Angst der Investoren vor einem Scheitern der Unternehmen von geringerer Qualität nimmt ab. Entsprechend sind Value-Aktien in der zweiten Jahreshälfte 2016 bis Anfang 2017 gut gelaufen. Heute brummt die Konjunktur, die Einkaufs- und Stimmungsindikatoren sind auf sehr hohen Niveaus, sodass viele Investoren in ihrem Ausblick auf die nächsten zwölf bis 18 Monate hinterfragen, ob sich das so fortsetzen wird. Viele erwarten vermutlich, dass irgendwann der Wendepunkt kommt und das Gewinnwachstum wieder nach unten zeigt. Solche Anleger gehen dann wieder zu Unternehmen mit höherer Bilanzqualität zurück, zu stabilen Geschäftsmodellen, die sich auch in einem ungemütlichen Konjunkturumfeld ordentlich schlagen.

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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