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Europas Fondsanleger meiden Aktienrisiken – und können von Risiko-Bonds nicht genug bekommen

Morningstar Mittelfluss-Statistik für europäische Fonds zeigt eine geteilte Welt. Indexfonds weiter auf der Überholspur. Während Mischfonds-Absatz sich wieder erholt, bleiben alternative Fonds im Tal der Tränen.

Ali Masarwah 24.05.2019

Im April haben die steigenden Aktienmärkte und die freundlichen Rentenmärkte Anleger zumindest in gewisser Hinsicht zu mehr Kauflaune bei Fonds verholfen. Die Zuflüsse in Langfristfonds in Europa haben sich im April erholt und verzeichneten Nettozuflüsse in Höhe von 11,6 Mrd. EUR. Dies ist auf die starke Nachfrage nach Rentenfonds zurückzuführen, die mit 27,2 Mrd. EUR ihren drittbesten Monat seit Juli 2017 verbuchten. Ein weiterer Grund für die steigende Nachfrage nach Fonds war die Erholung bei Mischfonds, die mit 2,2 Mrd. EUR den ersten Monat mit einer positiven Nachfrage seit September 2018 sahen. 

Indes waren Aktienfonds weiterhin höchst unbeliebt. Sie mussten Abflüsse von 11,2 Mrd. EUR hinnehmen, deutlich geringer zwar als die Netto-Rücknahmen von 18,1 Mrd. EUR vom Vormonat, aber angesichts der weiter steigenden Aktienkurse bemerkenswert antizyklisch. 

Es war auch ein weiterer schwarzer Monat für alternative Produkte, die den achten Monat in Folge unter Abflüssen litten. In den letzten 12 Monaten verloren diese regulierten Hedgefonds aufgrund von Abflüssen mehr als 10% ihres Vermögens. Die negative Performance dieser Fonds trug allerdings zum Abschmelzen der Vermögensbasis bei. Seit Mai 2018 ging das verwaltete Vermögen in alternativen Fonds von 489 Mrd. EUR auf 423,5 Mrd. EUR per Ende April zurück. 

Aufgrund der hohen Zuflüsse in Frankreich-domizilierte Produkte verzeichneten Geldmarktfonds im April mit 10,5 Mrd. EUR eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage. 

Tabelle: Die Mittelzuflüsse nach Asset-Klasse

Kommen wir zur Vertriebsbilanz aktiver und passiver Fonds im Detail. Indexfonds - offene Indexfonds und ETFs – konnten im April 9,5 Mrd. EUR einsammeln, was 43% aller Nettozuflüsse in Fonds mit Sitz in Europa ausmachte. Rechnet man Geldmarktfonds aus der Absatzbilanz heraus, dann sammelten Indexfonds sogar mehr als 80% aller Zuflüsse in Langfristfonds ein. Der Marktanteil von Indexfonds lag zum 30. April bei 17,7% des verwalteten Vermögens in europäischen Fonds gegenüber 16,0% im Vorjahr. 

Den dramatischen Vertrauensverlust von Investoren in aktiv verwaltete Fonds wird einmal mehr beim Vergleich der Absatzbilanz von aktiv verwalteten Aktienfonds versus Aktien-Indexfonds widergespiegelt. Passive Fonds verbuchten im April Netto-Neugelder in Höhe von 2,9 Mrd. EUR, während ihre aktiv verwalteten Pendants 14,2 Mrd. EUR netto verloren. In den vergangenen 12 Monaten verzeichneten Aktienindexfonds Zuflüsse von 25,4 Mrd. EUR, während aktiv verwaltete Aktienfonds Abflüsse von 68,5 Mrd. EUR erlitten. Diese Divergenz spiegelt sich in dem steigenden Anteil von Index-Aktienfonds in Europa wider. Per 30. April machen Aktienindexfonds 28,2% des gesamten Aktienfondsvermögens in Europa aus gegenüber 26,4% im Vorjahr. 

Anders die Lage bei aktiv verwaltete Rentenfonds. Sie konnten Zuflüsse von 20,0 Mrd. EUR verbuchen - mehr als in jedem anderen Monat seit Januar 2018. Während passive Rentenfonds absolut gesehen deutlich geringere Zuflüsse verzeichneten - 7,2 Mrd. EUR -, so war die Wachstumsrate im Verhältnis zu ihrer Größe doppelt so hoch wie bei aktiv verwalteten Rentenfonds. In den letzten 12 Monaten verzeichneten passive Rentenfonds ein organisches Wachstum von 17,7%, gegenüber negativen 1,2% bei aktiv verwalteten Fonds. (Das organische Wachstum zeigt die Rolle von Mittelzuflüssen bei der Entwicklung des verwalteten Vermögens; hier wird der Markteffekt also ausgeschlossen.) 

Die Abflüsse aus alternativen Fonds gingen auf hohe Rückgaben bei Fondskategorien zurück, die aktiv verwalteten Fonds vorbehalten sind. Alternative Multistrategiefonds verzeichneten Abflüsse von 2,6 Mrd. EUR, der 11. aufeinanderfolgende Monat mit negativen Vertriebszahlen. Fonds der Kategorie Equity Market Neutral verloren 1,7 Mrd. EUR. Die einzige alternative Kategorie mit signifikanten Zuflüssen waren Event-Driven Fonds, die Zuflüsse von 400 Mio. EUR verbuchten. 

Tabelle: Mittelflüsse nach Aktiv-Passiv-Schema 

Ein Blick auf die Absatzbilanz nach Morningstar Fondskategorie zeigt eine starke Nachfrage nach flexiblen Rentenfonds. Fast 90% der Nettozuflüsse in dieser Kategorie (2,4 Mrd. EUR) gingen dabei einem Fonds zu, dem PIMCO GIS Income. Schwellenländer-Rentenfonds verzeichneten ebenfalls eine starke Nachfrage und erzielten Zuflüsse von fast 2,4 Mrd. EUR. Trotz Turbulenzen in einigen Regionen und politischer Risiken suchen Anleger nach höherrentierlichen Papieren in Zeiten, in denen die Notenbanken in vielen Industrieländern die Renditen auf Tiefstniveaus drücken. Hauptnutznießer auf Produktebene waren der Ashmore SICAV Emerging Markets Short Duration Fund und der Wellington Blended Opportunistic Emerging Markets Debt Fund mit 485 Mio EUR bzw. 287 Mio EUR an Nettozuflüssen. 

Zuflüsse verbuchten auch globale Anleiheprodukte und EUR-Unternehmensanleihenfonds, was eine weitere Bestätigung des Risikoappetits von Anleiheinvestoren im Jahr 2019 ist. Nach einer zwischenzeitlichen Risik-off-Phase im Zuge der Straffung der Politik der Notenbanken markierte der Jahreswechsel 2018/19 eine Rückkehr zur akkommodativen Linie bei FED und EZB. Was die Renditen drückt und den Risikoappetit von Investoren weiter anfacht!

Tabelle: Die Fondskategorien mit der höchsten Nachfrage 

Indes scheuen Investoren weiterhin das Aktienrisiko. Vor allem Eurozonen-Fonds waren mit Nettoabflüssen von 4,3 Mrd. EUR höchst unbeliebt. Der vergangene April war sogar der schlechteste Monat für diese Kategorie in den letzten zehn Jahren. Es wurden sowohl aktive als auch passive Produkte erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Investoren zogen 731 Millionen Euro aus dem UBS ETF MSCI EWU heraus, gefolgt vom Schroder ISF Euro Equity mit 432 Millionen Euro an Netto-Rückgaben. 

Multistrategie Fonds wurden erneut stark verkauft. Die Rückgaben wurden zu einem großen Teil durch den Ausstieg aus dem Fonds SLI Global Absolute Return Strategies Fund motiviert, der mehr als 923 Millionen Euro an Abflüssen im April hinnehmen musste. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit den höchsten Abflüssen

Bei den Zuflüssen konnte sich bei den aktiven Managern PIMCO an die Spitze schieben und erreichte das zweitbeste Monatsergebnis bei den Zuflüssen in den letzten 17 Monaten, was vor allem auf die starken Absatzbilanz seiner flexiblen Anleihenfonds zurückzuführen ist. 

Mit einem Netto-Absatz von EUR 1,5 Mrd. war der April ein guter Monat für Royal London, einem britischen Asset Manager, der sich auf UK-Investments konzentriert. 

Unter den Anbietern von Indexfonds wurde das Ranking von iShares dominiert. Die ETF-Tochter von BlackRock verzeichnete beachtliche Zuflüsse in seinen Rentenfonds. Der meistverkaufte Fonds war der iShares € High Yield Corporate Bond ETF mit einem Zugang von 743 Mio. EUR im April. 

Amundi verzeichnete kräftige Zuflüsse in seine US-Aktien-ETFs (903 Millionen Euro), während UBS bei globalen Bond-Indexfonds punkten konnte. 

Tabelle: Die Fondsanbieter mit den höchsten Zuflüssen 

Unter den Anbietern aktiv verwalteter Fonds erlitt die Londoner Fundsmith im April fast 2,4 Mrd. EUR an Nettoabflüssen. Der Fundsmith Aktienfonds, der in globale Standardwerte investiert, erlitt dabei erstmals in einem Monat derart hohe Abflüsse. Die schwedische Swedbank verzeichnete hohe Rückgaben aus ihren Aktienfonds, was hohe Umschichtungen bei schwedischen Pensionsfonds widerspiegelt. Invesco litt unter Abflüssen aus seinen europäischen und britischen Large-Cap-Aktienprodukten, wobei der Invesco Pan European Structured Equity Fund fast 204 Millionen Euro verlor. 

Auf der passiven Seite verlor Lyxor am meisten, was auf Abflüsse aus seinem S&P 500 ETF zurückging. Bei der UBS belasteten Rückgaben bei Aktienindexfonds für Eurozonen-Standardwerte. 

Tabelle: Die Fondsanbieter mit den höchsten Abflüssen 

Europas größter Langfristfonds, PIMCO GIS Income, der ein Morningstar Analyst Rating of Silver hält, konnte seine Aufwärtsentwicklung im vierten Monat in Folge fortsetzen und zog im April 2,4 Milliarden Euro an Zuflüssen an. Das erinnert an die enorme Nachfrage im Jahr 2017, bevor im Zuge der steigenden Nervosität bei Bond-Investoren die Dämme brachen und 2018 eine zweistellige Milliarden-Euro-Summe aus dem Fonds abgezogen wurden. Auch wenn die abrupte Kehrtwende in diesem Jahr überraschen mag, so zeigt die erneut starke Nachfrage, dass viele Anleger die Outperformance des PIMCO Income zur Kenntnis genommen haben, auch wenn der Risiko-Appetit vieler Anleger zwischenzeitlich zurückgegangen war.  

Der schwedische Pensionsfonds AP7 Aktiefond, die Standardoption für die Privatrente von Arbeitnehmern in Schweden, zeigte mit Zuflüssen von 235 Mio. EUR weiterhin eine konstante Absatzbilanz. 

Der Allianz Income and Growth, ein ausgewogener Mischfonds, litt weiter unter Abflüssen und verlor 318 Millionen Euro. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten aktiv verwalteten Langfristfonds 

Die beiden größten Indexfonds in Europa, iShares Core S&P 500 ETF und Vanguard S&P 500 ETF, litten im April unter Abflüssen. Das spiegelt die Anlegerflucht aus USA-Standardwertefonds wider, die sich auch bei passiven Fonds bemerkbar machte.

Es war ein geteiltes Bild für die beiden größten MSCI World Tracker. Während der iShares Core MSCI World ETF im April beachtliche Zuflüsse verzeichnete, musste sein nicht-börsennotiertes Pendant, der iShares Developed World Index Fund, Abflüsse von 168 Millionen Euro hinnehmen. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten Indexfonds

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.