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Emerging Markets: Outperformer statt Chimären!

Wir haben jüngst über die schwache Performance von Emerging Markets Aktien berichtet. Heute stellen wir Ihnen drei Schwellenländerfonds vor, die über gute langjährig gute Track Records verfügen – und liefern die Hintergründe für die positive Langfristbilanz.  

Ali Masarwah 04.06.2019

Wir haben jüngst die These, wonach Schwellenländer aufgrund ihres rasanten Wirtschaftswachstums ein besonders lohnenswertes Investment seien, überprüft und haben festgestellt, dass die These eher ins Reich der Legenden gehört. Ein Vergleich zwischen dem Kurvenverlauf der beiden Indizes MSCI Emerging Markets (Schwellenländer) und MSCI World (Industrieländer) hat für die vergangenen Jahre zwar ganz passable Diversifikationseffekte gezeigt. Doch diese gingen vor allem darauf zurück, dass Emerging Markets Aktien in den vergangenen Jahren deutlich schlechter gelaufen sind. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Index der entwickelten Länder um jährlich zwölf Prozent, während der MSCI Emerging Markets nur um jährlich 8,6 Prozent zulegte. In den vergangenen zehn Jahren lag der jährliche Rendite-Abstand jährlich bei gut 400 Basispunkten. Risikoadjustiert war die Performance der Schwellenländer noch schlechter. 

Doch dies bedeutet nicht, dass man Anlegern grundsätzlich von Schwellenländer-Investments abraten sollte. Zum einen können ESG-Ansätze einen Teil der Governance- und Umweltprobleme vieler Schwelländer-Unternehmen einhegen. Zum anderen gibt es bei Schwellenländern – wie auch in allen Anlageregionen – Gewinner und Verlierer. Unser qualitatives Fonds-Research, das zu unseren Morningstar Analyst Ratings führt, hat das Ziel, die Spreu vom Weizen zu trennen – bei Indexfonds wie bei aktiv verwalteten Produkten. 

Heute wollen wir Ihnen drei aktiv verwaltete Fonds vorstellen, die das Zeug haben, den breit aufgestellten Vergleichsindex MSCI Emerging Markets zu übertreffen. Alle drei Fonds halten ein positives Morningstar Analyst Rating – jeweils die zweitbeste Note „Silver“. Darüber hinaus weisen alle drei Fonds eine Performance-Historie von mindestens zehn Jahren auf. Last but not least haben wir dem quantitativen Aspekt dergestalt Rechnung getragen, dass alle drei Fonds seit 2009 eine Überrendite gegenüber dem MSCI Emerging Markets erzielt haben und sich besser in Aufwärts- als in Abwärtsphasen geschlagen haben. Wer nach unten hin nicht vollumfänglich die Marktverluste „mitnimmt“, muss in den nachfolgenden Aufwärtsphasen weniger wieder gut zu machen.

Weiter unten finden Sie eine Tabelle mit den wichtigen Rendite-Risiko-Kennzahlen und Rating-Informationen. Wir haben neben den Privatanleger-Tranchen auch die Tranchen aufgeführt, die keine Kickbacks enthalten. Letztere sind typischerweise nur über Honorarberater und Beratern mit ähnlichen Geschäftsmodellen vorenthalten. Wir führen sie deshalb auf, um zu illustrieren, dass Fondstranchen, die nur Produktkosten enthalten, deutlich günstiger sind als Tranchen, die Kickbacks inkludieren. Entsprechend haben erstere deutlich bessere Performance-Aussichten. Sie finden weitere Details zu den Fonds hinter den Hyperlinks, mit denen wir die fettgedruckten Fondsnamen unterlegt haben.

Doch kommen wir nun zu unseren drei Favoriten: 

Fidelity Emerging Markets

Dieser Fonds wird seit Juli 2009 von Nick Price verantwortet, der bereits seit 1998 bei Fidelity ist, zunächst als Analyst, und danach, wie es bei Fidelity Praxis ist, als Fondsmanager, zunächst im Team des Fidelity European Growth, danach ab 2005 als Manager von EMEA-Mandaten. Doch er ist keinesfalls alleine auf weiter Flur. Price stehen drei regional ausgerichtete Portfoliomanager zur Seite, die mit Modelportfolios als Ideengeber fungieren. Diese profitieren wiederum vom Input von 45 Analysten. Diese Konstellation illustriert die vorzügliche Ausstattung des Portfoliomanagements bei Fidelity.

Das Team setzt auf eine Growth-lastige Strategie, in der es vor allem um wachstums-typische Kennzahlen geht, etwa überdurchschnittliche wie nachhaltige Renditen auf das eingesetzte Kapital, aber auch um solide Bilanzen, sowie aktionärsfreundlichen Praktiken bei den Unternehmen. Zugleicht achtet das Team um Price auf die Bewertungen. Im Ergebnis landen 60 bis 70 Unternehmen im Portfolio. Typischerweise ist die Abweichung gegenüber dem Index recht ordentlich; der Active Share, der den Grad der Übereinstimmung von Portfolio und Index misst, liegt bei über 80 Prozent.

Derzeit setzt das Fondsmanagement auf Finanztitel, die mit 37 Prozent (per Ende März) deutlich höher gewichtet sind als im Index. Auch Luxuskonsumgüter sind stark übergewichtet.

Die Performance in den vergangenen zehn Jahren war beeindruckend. Seit Juni 2009 hat der Fidelity Emerging Markets jedes Jahr den Index um 1,55 Prozentpunkte outperformt. Seit 2014 waren es pro Jahr 0,6 Punkte. In Aufwärtsphasen gelingt es dem Fonds zwar nicht, mit dem Index mitzuhalten. Wichtiger ist aber, dass der Fonds in Abwärtsphasen mit einer Capture Ratio von 0,79 deutlich weniger nachgibt als der Index MSCI Emerging Markets, was bedeutet, dass Price in Aufwärtsphasen weniger stark das Beta-Gaspedal durchtreten muss. Das schließt natürlich nicht aus, dass der Fonds nicht auch ruppige Phasen durchläuft. 2016 wurde er von der Value-Rally auf dem falschen Fuß erwischt, und 2018 litt der Fonds unter anderem unter der Untergewichtung von Energietiteln.

Bedauerlich ist, das Privatanlegern im deutschsprachigen Raum nicht die günstigen „Y“-Tranchen zur Verfügung stehen, die ein ungleich bessere Bilanz aufweisen als die „A“-Tranchen, die wegen der saftigen Kickbacks eine wesentlich ungünstigere Bilanz aufgrund der hohen Kosten haben. Während die „Y“-Tranche, die nur Honorarberatern und anderen Vertriebskanälen, die keine Kickbacks vereinnahmen dürfen, offenstehen, nur 1,09 Prozent pro Jahr an laufenden Gebühren kostet, ist die „A“-Tranche mit 1,93 Prozent an Jahresgebühren sehr viel teurer. Allerdings gelang auch hier die, oben bezifferte, deutlich Outperformance gegenüber dem MSCI Emerging Markets.

T. Rowe Price Emerging Markets Equity Fund

Wie auch der Fidelity Emerging Markets profitiert dieser Fonds von einem erfahrenen Manager. Gonzalo Pangaro verantwortet den Fonds seit Anfang 2009. Er war bereits zuvor auf Emerging Markets Aktien spezialisiert und war seit den 1990ern für Lateinamerika-Aktien dieser Strategie verantwortlich. Pangaro wird von 28 Analysten unterstützt, von denen Malik Asif seit vergangenem Jahr als Co-Manager fungiert. Unterstützung für Makro-Einschätzungen kommt auch vom Bond-Team von T. Rowe Price. Dem Fonds kommt zugute, dass T. Rowe Price in fundamentales Research investiert. CEO Bill Stromberg, der selbst als Analyst seine ersten Meriten verdiente, sorgt dafür, dass Research und Portfoliomanagement weiter gut versorgt sind in Zeiten, in denen T. Rowe Price seine Expansion außerhalb den USA forciert.

Zurück zum T. Rowe Price Emerging Markets Equity Fund: Das Management hat das Thema Konsum in Schwellenländern als Hauptfokus identifiziert und setzt typischerweise auf Aktien aus den Sektoren Basiskonsumgüter, Technologie und Finanzdienstleister, während Rohstoffe und Energie-Unternehmen keine Rolle spielen. Zuletzt machten die erstgenannten Branchen (plus Unternehmen aus der Luxusgüterkonsumgüter-Branche) 90 Prozent des Fondsvermögens aus. Pangaro investiert vor allem in Marktführer mit starken Wachstumsaussichten und gibt typischerweise großkapitalisierten Unternehmen den Vorzug.

Die Strategie kann eine signifikante Abweichung gegenüber der Benchmark mit sich bringen, etwa 2018, als die Rally im Energiesektor verpasst wurde. Die Gebühren der Privatkunden-Tranche („A“) ist mit 2,02 Prozent sehr teuer, derweil die Q-Tranche, die nicht mit Kickbacks belastet ist, nur 1,11 Prozent kostet. Dennoch konnten auch Privatkunden von der sehr guten Performance profitieren. Die A-Tranche lag seit Juni 2009 jährlich um 61 Basispunkte vor dem MSCI Emerging Markets. In den vergangenen fünf Jahren war die Outperformance mit jährlich 1,80 Prozentpunkten sogar noch beeindruckender. Auch wenn die Capture Ratio in Abwärtsphasen mit 0,99 ungünstiger ist als beim Fidelity-Fonds, so gelingt es dem Fonds – im Gegensatz zum Fidelity Fonds – in Aufwärtsphasen eine überdurchschnittliche Partizipation.

Ein Wermutstropfen für Anleger ist, dass der Fonds seit September 2018 wegen der Verwässerungsgefahr bei weiteren Zuflüssen zurzeit keine Neu-Investments annimmt, was wir positiv werten, da dies im Interesse der Bestandsanleger ist. Potenzielle Interessenten sollten diesen Fonds im Blick behalten.

JPMorgan Emerging Markets Equity

Erst jüngst wurde das Morningstar Analyst Rating des JPMorgan Emerging Markets Equity von „Bronze“ auf „Silver“ erhöht. Fondsmanager Leon Eidelman ist bereits seit 2002 bei JPMorgan, verantwortet den Fonds formal allerdings erst seit Juli 2016, wobei er faktisch bereits seit Anfang 2015 den bisherigen Manager, Austin Forey, ablöste, der als Co-Manager dem Fonds weiter zur Verfügung steht. Auch dieser Fonds profitiert von einer sehr guten Ausstattung auf der Research- und Portfolio-Managerseite: Das JPMorgan Aktienteam für Emerging Markets / Asien Pazifik umfasst 100 Investment-Profis.

Es kommt ein sogenannter Quality Growth-Ansatz zum Tragen, was in der Praxis einen Fokus auf säkular wachsende Unternehmen mit hohen Renditen auf das eingesetzte Kapital mit sich bringt. Auch Unternehmen mit guten Management-Teams, soliden Cash-flow-Perspektiven, die typischerweise auf fünf Jahre geschätzt werden, werden bevorzugt gekauft. Allerdings umfasst das Portfolio, das typischerweise 60 bis 80 Namen umfasst, auch Trading-Kandidaten, bei denen kurzfristiges Performance-Potenzial im Vordergrund steht. Auch wenn es keine Restriktionen auf Sektor- und Länderebene gibt, so werden Einzelaktien nicht mehr als fünf Punkte gegenüber dem Index über- oder untergewichtet.

Typischerweise werden Energie- und Rohstoff-Unternehmen untergewichtet, was der Fondsmanager damit begründet, dass Unternehmen aus diesen Branchen typischerweise keine Preissetzungsmacht haben und auch eine schwache Corporate-Governance-Bilanz aufweisen. Governance-Schwäche ist auch der Grund, warum Eidelman Aktien aus Südkorea untergewichtet. Financial sind indes mit knapp 40 Prozent sehr deutlich übergewichtet, was auch an der Bevorzugung einiger indischer Banken liegt. Eidelman hat jüngst auch bei einigen Unternehmen aus China nachgekauft, deren Kurse 2018 stark gefallen waren, etwa New Oriental Education und Alibaba Group.

Der Preisunterschied zwischen der Clean Share Class („C“), die keine Kickbacks enthält, und der „A“-Tranche ist nicht ganz so groß wie bei den Fonds von Fidelity und T. Rowe Price, aber dennoch müssen Investoren in der A-Tranche mit 1,73 Prozent an laufenden Gebühren deutlich mehr berappen als Investoren in der C-Tranche, die jährlich nur 1,06 Prozent kostet. In den vergangenen zehn Jahren lag der JPM Emerging Markets A jährlich 0,45 Prozentpunkte über der Benchmark, in den vergangenen fünf Jahren lag die Outperformance sogar bei jährlich 1,77 Punkten. 

Tabelle: Drei Emerging Markets Favoriten in der Übersicht

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.