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Sägezahn-Märkte treiben Investoren im September in Aktienfonds

Mischfonds stabilisieren sich, derweil „Hedgefonds light“ noch durch das tiefe Tal der Tränen gehen. Der Morningstar Fonds-Absatzbericht für Europa im September.

Ali Masarwah 28.10.2019

Anleger in Europa haben im September Aktien zu einer Erholung mitverholfen. Die Mittelflüsse in Aktienfonds stiegen im vergangenen Monat auf 13,7 Milliarden Euro und markierten damit ein Jahreshoch. Zuletzt hatten die Zuflüsse in Dividendentitel im Februar 2018 ein höheres Absatzniveau erreicht.  Auch ansonsten waren Anleger in Kauflaune: Rentenfonds erreichten ein Absatzniveau von 23,7 Milliarden Euro – deutlich weniger als in den Vormonaten, als die Nachfrage nach Bond-Produkten teilweise schwindelerregende Höhen erreichte. Im Juli dieses Jahres wurden mit Zuflüssen von gut 47 Milliarden Euro ein Rekordmonat bei Bondfonds verbucht. 

Mischfonds erzielten mit Netto-Neuzugängen von 5,1 Milliarden Euro den zweiten positiven Monatsabsatz in Folge. Zugleich war damit der September für Mischfonds der beste Monat seit August 2018. 

Mit der Aktienmarkterholung sank auch der Appetit der Anleger nach Edelmetallfonds, die im September das tiefste Absatzniveau seit Mai markierten. 

Indes erlitten alternative Fonds den 13. Monat in Folge Abflüsse. Die Rückgaben von 2,7 Milliarden Euro waren fast doppelt so hoch wie die Abflüsse im Vormonat, womit sich andeutet, dass die Krise der regulierten Hedgefonds beileibe nicht zu Ende ist. Erneut mussten Equity Market Neutral Fonds und Multistrategie-Produkte die höchsten Abflüsse hinnehmen. 

Parallel zur sich verbessernden Stimmung für Risiko-Assets flossen gut 17 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds ab.

Tabelle: Die Zuflüsse in europäische Publikumsfonds im September 2019

Mit Blick auf die Aktiv-Passiv-Bilanz lagen im September Indexfonds im Vertrieb vorn. ETFs und nichtbörsen-notierte Indexfonds verbuchten Zuflüsse in Höhe von 24,7 Milliarden Euro, derweil aktiv verwaltete Fonds Abflüsse in Höhe von 1,6 Milliarden hinnehmen mussten. Der Marktanteil von Indexfonds am europäischen Fondsmarkt insgesamt stieg auf 16,2 Prozent nach 14,7 Prozent im September 2018. 

Allerdings fiel die Bilanz der aktiven Fonds nur wegen der hohen Abflüsse aus Geldmarktfonds negativ aus. Lässt man Geldmarktfonds aussen vor, belief sich der Nettoabsatz bei aktiv verwalteten Fonds auf 15,8 Milliarden Euro. Allerdings trug der Umstand, dass Langfrist-Indexfonds mit einem Absatz von 24,7 Milliarden (Geldmarkt-ETFs fallen kaum ins Gewicht) erneut auch absolut höhere Zuflüsse als aktive Fonds hatten, dass der Marktanteil der Indexfonds in Europa auch im September stieg. Inzwischen liegt ihr Marktanteil an Langfristfonds per Ende September bei 18,5 Prozent nach 16,7 Prozent ein Jahr zuvor. 

Ein Blick auf die einzelnen Asset Klassen zeigt, dass die hohen Zuflüsse bei Indexfonds von der hohen Nachfrage nach Aktienfonds getrieben wurde. Ihnen gingen netto 16,2 Milliarden Euro zu. Hier waren vor allem Indexfonds der Kategorien Aktien Welt und Aktien USA Standardwerte sowie – deutlich weniger – Aktien Eurozone gefragt. Indes mussten aktiv verwaltete Aktienfonds Abflüsse von 2,6 Milliarden Euro hinnehmen, was vor allem auf Rückgaben von Eurozonen-Standardwertefonds sowie flexibel anlegenden globalen und europäischen Aktienfonds zurückging. 

Punkten konnten aktiv verwaltete Fonds dagegen auf der Rentenseite, die Zuflüsse von 16,2 Milliarden Euro anzog. Global und US-anlegende flexible Rentenfonds waren gefragt, die jeweils gut zwei Milliarden an Nettoneugeldern anzogen. Bei den „Passiven“ waren vor allem US-Staatsanleihen und EUR Unternehmensanleihen gefragt, aber auch Indexfonds mit Anlageschwerpunkt Renten Schwellenländer, die im August noch hohe Abflüsse im Zuge der Argentinien-Krise erlitten. 

Die Zuflüsse in Mischfonds waren – naturgemäß – eine recht einseitige Sache. Aktiv verwaltete Mischfonds sammelten gut fünf Milliarden Euro ein, während Index-Mischfonds nur Zuflüsse von 40 Millionen Euro verbuchten. Auch beim verwalteten Vermögen ist die Diskrepanz immens. Während aktiv verwaltete Mischfonds ein Vermögen von 1,45 Billionen Euro aufweisen, bringen es passive Mischfonds auf nur rund vier Milliarden Euro. Dass es kaum Aktien-Renten-Indexfonds am europäischen Markt gibt, liegt daran, dass Indexfonds typischerweise als Bausteine für Asset-Allocation Mandate verwendet werden, kaum aber als Asset-Allocation-Instrumente an sich, was, angesichts der guten Performance der wenigen Exemplare am Markt, bedauerlich ist.  

Umgekehrt verhält es sich bei Rohstoff-Produkten. Hier dominieren passive Produkte mit einem Vermögen von 72 Milliarden Euro, während aktiv verwaltete Rohstoff-Fonds nur auf ein Vermögen von 15 Milliarden kommen. Im vergangenen Monat wurden die Zuflüsse bei passiven Rohstoff-Produkten von Edelmetall-ETFs und -ETCs getrieben.

Tabelle: Zuflüsse in ausgewählten Asset Klassen nach dem Aktiv-Passiv-Schema

Im zweiten Teil des Artikels beschäftigen wir uns mit den Zuflüssen nach Fondskategorie, der Absatzbilanz der Fondsanbieter und mit der Vertriebsbilanz der großen Fonds am Markt.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.