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Mario Draghis letzter Streich - und wie ETF-Anleger davon profitieren können

In Zeiten negativer Renditen am Markt für Euro-Staatsanleihen gewinnen Unternehmensanleihen die Funktion eines Basisbausteins in vielen Rentenportfolios. Eine Übersicht über Corporate Bond ETFs für Euro-Anleger.

Jose Garcia Zarate 20.11.2019

Das Jahr 2019 erweist sich als ein höchst erfreuliches für Euro-Bond-Investoren. Dass die meisten Staatsanleihen der Eurozone negative Renditen aufweisen, liefert beredtes Zeugnis darüber ab. Doch auch Unternehmensanleihen waren Profiteure. Per Ende Oktober erzielten Fonds für Euro-Unternehmensanleihen im Schnitt ein Jahresplus von gut 5,6 Prozent, breit diversifizierte Euro-Rentenfonds, die einen hohen Anteil an Staatsanleihen aufweisen, lagen mit einem Plus von knapp 5,3 Prozent nicht weit dahinter.

Wir leben in bemerkenswerten Zeiten. Angesichts der niedrigen Zinsen haben in vielen Portfolios Investment-Grade-Unternehmensanleihen faktisch die Rolle von Staatsanleihen als Basis-Baustein eingenommen. Doch auch dort sind die Renditen niedrig. Auch bei Euro-Unternehmensanleihen wird es für aktive Fondsmanager immer schwieriger, Mehrwert zu schaffen. Daher werden ETFs auch auf der Rentenseite zur ersten Wahl für immer mehr Anleger. Allein in diesem Jahr haben Investoren in Europa gut 40 Milliarden Euro in Renten-ETFs investiert; nur 13 Milliarden Euro steuerten demgegenüber Aktien-ETFs an. 

ETF ist nicht gleich ETF. Vor allem nicht bei Anleihen 

IShares gilt als der erste Profiteur des ETF-Bond-Runs. Hat der Marktführer bei ETFs insgesamt einen Marktanteil von knapp 45 Prozent, so ist die Dominanz mit Blick auf Bond-ETFs noch ausgeprägter; die BlackRock-Tochter weist in Europa einen Marktanteil von 60 Prozent bei festverzinslichen ETFs auf. Und vertriebsseitig hat iShares 2019 starke Erfolge erzielt. iShares Bond-ETFs gehen über den Tresen wie geschnitten Brot – per Ende September im Wert von knapp 26 Milliarden Euro in diesem Jahr. Inzwischen weist der iShares Core EUR Corporate Bond ETF ein Vermögen von 12,5 Milliarden Euro auf – bei Mittelzuflüssen von 4,5 Milliarden Euro bisher in diesem Jahr. Er ist inzwischen der größte Renten-ETF in Europa. 

Die Rahmenbedingungen für ein Investment in Bond-ETFs sind also günstig, und die hohe Nachfrage treibt das Angebot an verfügbaren Renten-ETFs, und die gestiegene Konkurrenz unter den Anbietern drückt wiederum die Preise der Neuemissionen, was die Sache für Anleger interessant macht. Allerdings müssen Investoren ihre Hausarbeiten machen. Sie müssen beachten, dass sich die Konstruktionsweise von ETF zu ETF bei Rentenprodukten stark voneinander unterscheidet. Während sich die Indizes, die Standard-Aktien-ETFs zugrunde liegen, typischerweise nach dem Prinzip der Marktkapitalisierung zusammengesetzt sind und sich die darauf basierenden ETFs entsprechend ähneln, ist das bei Renten-Indizes anders. Daher stellen wir Ihnen einige Unterschiede bei einigen bei ETF-Anbietern beliebten Indizes dar. 

Fangen wir beim Marktführer iShares an. Der oben erwähnte iShares-ETF bildet den Bloomberg Barclays EUR Corporate Bond Index ab. Diese Benchmark setzt die relativ niedrige Emissionsgrenze von 300 Millionen Euro für einzelne Anleihen fest. Auch die Anzahl der Anleihen ist nicht begrenzt. In Praxi ist die Hälfte des Indexgewichts in Financials konzentriert, 40 Prozent in Industrie-Emissionen und 10 Prozent in Versorgern. Die flexiblen Konstruktionskriterien des Index ermöglichen eine breite Diversifikation nach Emittenten und machen ihn somit zu einer interessanten Option für Anleger, die einen Indexfonds für Unternehmensanleihen als Kern-Investment suchen. Der ETF verfügt wegen seiner Vorteile über das zweitbeste Morningstar Analyst Rating „Silver“.  Und Anleger sind nicht nur auf iShares angewiesen. Der identische Index wird auch vom Xtrackers EUR Corporate Bond, dem SPDR Barclays Euro Corporate Bond und dem Vanguard EUR Corporate Bond abgebildet. 

Ähnlich ist auch der Amundi Prime Euro Corporates ETF ausgestaltet. Er bildet einen Index des Frankfurter Anbieters Solactive ab, der ähnlich konstruiert ist wie sein Bloomberg-Pendant – mit dem Unterschied, dass er ein höheres Mindestvolumen von 500 Millionen Euro als Eintrittsschwelle ansetzt. Dieser ETF ist mit einer Jahresgebühr von nur 0,05 Prozent sehr attraktiv gepreist. Andere Unternehmens-Anleihe-ETFs konzentrieren sich auf Segmente mit größerer bzw. liquiderer Schuldenkapitalisierung und haben daher eine defensivere Ausrichtung, was bedeutet, dass sie zwar weniger stark schwanken, aber dafür weniger Rendite einfahren.  

Tabelle 1: Unternehmensanleihe-ETFs für alle Laufzeiten Auch wenn die Jagd nach Rendite beliebt ist, gibt es Investoren, die sich besorgt darüber äußern, dass sie im aktuellen Umfeld übermäßig hohe Kreditrisiken eingehen oder die langen Laufzeiten das Durationsrisiko ungebührlich erhöhen. Das ETF-Menü bietet in Europa Optionen, um einer Vielzahl von Bedürfnissen gerecht zu werden. 

Beispielsweise können einige Anleger zwar mit dem Risiko einer Unternehmensanleihe dann leben, wenn sie nicht aus Finanzsektor stammt, da dort in der Regel das höchste Kreditrisiko getragen werden muss. Diese Anleger können aus mehreren ETFs wählen, die Benchmarks verfolgen, die Financials, also vorwiegend Banken, ausschließen. 

Tabelle 2: Unternehmensanleihe-ETF ohne Financials 

Andere Investoren wiederum mögen zu der Einschätzung gelangen, dass die erwartete Rendite von ETFs, die alle Laufzeitensegmente abbilden, im heutigen Umfeld niedriger Renditen nicht das Risiko wert sind. Für solche Anleger gibt es mehrere ETFs, die nur ein Engagement in Kurzläufern vornehmen. 

Tabelle 3 – Unternehmensanleihe-ETFs mit kurzen Laufzeiten

Dieser Beitrag ist ein Teil der Themenwoche zu Anleihen und Anleihefonds 2019. Hier kommen Sie zum Übersichtsartikel, der auch auf alle Artikel verlinkt

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

Über den Autor

Jose Garcia Zarate  is an ETF analyst with Morningstar UK.