Fondsstandort Deutschland könnte steuerlich attraktiver sein

Unsere weltweite Vergleichsstudie zu den Rahmenbedingungen für Fondsinvestoren GIE sieht einige Schwächen.

Natalia Wolfstetter 27.04.2020
Facebook Twitter LinkedIn

Wir haben in der Global Investor Experience (GIE) Studie untersucht, wie 26 Länder in punkto Regulierung und Besteuerung von Investments abschneiden. Die besten Noten haben Großbritannien, die Niederlande und Schweden erhalten. Deutschland liegt im globalen Vergleich im breiten Mittelfeld, zusammen mit zahlreichen anderen Ländern wie Frankreich, Hongkong, Italien, der Schweiz und Singapur.

Besteuerung

Die Fondsanlage ist in Deutschland weiterhin wenig verbreitet. Stand Juni 2019 machten Direktinvestitionen in Fonds nur 10% des finanziellen Vermögens der deutschen Haushalte aus. Dies schließt zwar indirekte Investments über private Versicherungsprodukte oder die berufliche Altersvorsorge nicht ein. Gleichzeitig wurden aber mehr als 40% des Vermögens auf kaum verzinsten Sparkonten und Einlagen gehalten. Somit könnte für die langfristige Fondsanlage von steuerlicher Seite durchaus mehr getan werden. 

Zwar gibt es eine Reihe von Fördermaßnahmen (z.B. die vermögenswirksamen Leistungen) und steuerlichen Anreizen, die jedoch auf bestimmte Produkte beschränkt sind (z.B. berufliche Altersversorge, private Rentenversicherungen oder die Riester-Rente), was die Auswahl und Flexibilität für Anleger einschränkt und zu Verzerrungen führen kann. Eine private Altersvorsorge ist in Deutschland zudem nicht verpflichtend, allerdings sei hier hinzugefügt, dass die staatliche Altersvorsorge im internationalen Vergleich relativ auskömmlich ist.

Außerhalb der oben genannten Anlageformen fällt in Deutschland eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25% auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne (z.B. aus Verkäufen von Aktien oder Fondsanteilen) an. Das kann für Anleger günstiger sein als die Besteuerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz, falls dieser höher ausfällt. Zudem sind Erträge unter 801 Euro (bei Ehepaaren 1602 Euro) von der Besteuerung befreit, auch wenn diese Freistellungsbeträge im internationalen Vergleich nicht besonders hoch ausfallen. Zudem werden durch die Reform der Steuerregeln 2018 mittlerweile auch nicht ausgeschüttete und realisierte Kursgewinne innerhalb von Fonds durch eine Pauschalbesteuerung erfasst. Diese Gemengelage führt dazu, dass Deutschland in Bezug auf steuerliche Anreize im Vergleich mit vielen anderen Ländern unterdurchschnittlich abschneidet.

Regulierung

Die Regulierung von Kapitalanlagen in Deutschland ist eng an die EU-Regulierung angelehnt. Die Finanzmarktrichtlinie MiFID II brachte wichtigste Neuerungen, darunter verschärfte Anforderungen zur Produktgestaltung, Kostentransparenz und Zahlung von Provisionen. Provisionen müssen offengelegt werden und darauf ausgelegt sein, die Qualität der für den Kunden erbrachten Dienstleistung (z.B. Anlageberatung) zu verbessern. Zwei EU-Länder, die Niederlande und Großbritannien, stechen hier positiv heraus, indem sie in Fonds enthaltene Vertriebsprovisionen komplett abgeschafft haben, was wir im Sinne einer Vermeidung von Interessenkonflikten begrüßen.

Fonds mit Sitz in anderen EU-Staaten können problemlos in Deutschland registriert und verkauft werden, wodurch Anleger eine reichhaltige Auswahl an Fonds vorfinden. Dies gilt auch für ETFs. Diese haben jedoch weiterhin einen begrenzten - wenn auch wachsenden - Marktanteil. Vertriebsprovisionen machen aktive Fonds für viele Vertriebskanäle allerdings weiterhin attraktiver als ETFs.

Für alle Märkte dieser Umfrage, einschließlich Deutschland, müssen Fonds von einer unabhängigen Partei mindestens einmal im Jahr geprüft werden. Investmentfonds sind zudem insolvenzgeschützt. Das Anlagevermögen gehört nicht der Fondsgesellschaft, sondern wird durch Depotbanken separat verwahrt. Die Depotbank muss unabhängig vom Fondsmanager sein, Fondsgesellschaft und Depotbank können jedoch Tochterunternehmen ein und derselben Holdinggesellschaft sein, was wir kritisch sehen.

Das Fondsmarketing muss fair, klar und nicht irreführend sein. Es gibt detaillierte technische Anforderungen und Richtlinien darüber, was im Marketing zulässig ist.

Deutsche Fondsgesellschaften veröffentlichen in der Regel eine allgemeine Beschreibung ihrer Engagement-Richtlinien und -Aktivitäten und ihrer Maßnahmen zur Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten, doch geht dies in der Regel nicht über die Mindestanforderungen hinaus. In dieser Hinsicht ist bspw. Schweden führend.

Facebook Twitter LinkedIn

Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar