Skandinavier rücken Fidelity auf den Pelz

Elf Fonds der Kategorie Aktien Europa mittelgroß verfügen zurzeit über ein Fünf-Sterne-Rating, davon sind drei in Deutschland verfügbar. Das Fidelity-Flaggschiff European Growth gehört seit einiger Zeit nicht mehr dazu.

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Zwar weist der mittlerweile riesige Fonds noch die beste Wertentwicklung über fünf Jahre auf, aber seit Graham Clapp die Verantwortung übernahm wurde viel Boden gegenüber der Konkurrenz verloren. In diesen gut eineinhalb Jahren hat Clapp den Fonds von einem Valueprodukt in einen moderaten Growth-Fonds umgewandelt. Die hervorragenden Renditen der Vergangenheit verlieren dadurch natürlich an Relevanz. Fairerweise sollte man aber auch erwähnen, dass die hohe Gewichtung von Standardwerten in Zeiten einer starken Überschussrendite von Nebenwerten niedriger Qualität geschadet hat. Sollte sich diese Situation ins Gegenteil verkehren, wie viele Experten vermuten, würde Fidelity European Growth profitieren.

Spitzenwerte sowohl bei der Rendite als auch der Volatilität erzielte in den vergan

genen drei Jahren der Nordea European Value. Er ist der drittplatzierte von nur fünf Fonds, die über diesen Zeitraum schwarze Zahlen erwirtschafteten. Und die Standardabweichung weist mit 15,92 Prozent den drittniedrigsten Wert auf. Doch eine detaillierte Betrachtung der Wertentwicklung zeigt, das nach exzellenten Ergebnissen in den Baissejahren 2000 bis 2002 seit gut einem Jahr Sand im Getriebe ist.

Irreführender Fondsname

Ein Blick ins Portfolio zeigt, dass dieser Fonds fast überhaupt keine großen Titel besitzt. Dass diese klare Nebenwerteorientierung aus dem Fondsnamen nicht hervorgeht, kann für Anleger verwirrend wirken. Dieses Produkt dürfte eigentlich nicht als Basisanlage positioniert werden. Fondsmanager Stubbe-Olsen ist nur zu 45 Prozent in der Eurozone investiert. Die Branchenaufteilung favorisiert Industriematerialien und Konsumgüter, hingegen sind Technologiewerte untergewichtet, und Energietitel und Versorger praktisch gar nicht vorhanden.

Der zweite Skandinavier unter den Fünfsternlern, der Carlson European Small Cap, hat einen klaren Fokus auf wirkliche Mid-Caps (61%). Aktien aus der Informationswirtschaft meidet der erst seit November 2003 verantwortliche Manager Peter von Sivers fast völlig. Er setzt vielmehr auf Finanzpapiere, die mit 27 Prozent stark übergewichtet sind. Bislang geht die Strategie noch nicht auf, nach hervorragenden Zahlen in 2002 und 2003 hinkt der Fonds in diesem Jahr bislang dem Kategoriedurchschnitt hinterher.

Das Trio wird vervollständigt durch den Vitruvius European Equity. Die Tessiner Bank lagert alle Mandate an Spezialisten aus, in diesem Fall an die britischen Vermögensverwaltungshäuser Odey und Hambro. Den Heimatmarkt haben die Fondsmanager dabei im Kategorievergleich stark übergewichtet, acht der zehn größten Positionen stammen von der Insel. Das Fondsvermögen verteilt sich recht gleichmäßig auf die drei Marktkapitalisierungssegmente, und ist mit 158 Einzeltiteln weitaus stärker diversifiziert als die vorgenannten Fonds. Die größten positiven Branchenwetten werden im Industriesektor eingegangen, vor allem bei Energiewerten. Hingegen sind alle Bereiche der Dienstleistungen und Informationswirtschaft untergewichtet, insbesondere Hardware, Software und Finanzen.

Und auch dieser Fonds hat in diesem Jahr zu kämpfen, liegt schon sieben Prozentpunkte hinter dem Kategoriedurchschnitt zurück. Dabei waren 2001 und 2002 noch Spitzenresultate gelungen. Störend ist zudem die hohe Verwaltungsgebühr von 1,9 Prozent.
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Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BezeichnungKursVeränderung (%)Morningstar Rating
Fidelity European Growth A-Dis-EUR16,02 EUR2,70Rating
Vitruvius European Equity B EUR356,35 EUR-1,71Rating

Über den Autor

Morningstar Europe Editor  .