Goldminenaktien schützen nicht vor Inflation

Die weltweite Staatsverschuldung und Diskussionen um Vermögensblasen rücken den Schutz vor Geldentwertung auf die Agenda von Investoren. Goldminenaktien sind für den Kapitalschutz ungeeignet.

Werner Hedrich 15.04.2005
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Der Goldpreis wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Der Aussenwert des US-Dollars bestimmt den Preis für das begehrte Edelmetall am stärksten: Fällt der Dollar gegenüber dem Euro und Yen, tendiert der Preis für die Feinunze an den Terminmärkten höher (Währungsrisiko für Euro-Anleger). Die Zentralbankverkäufe und das globale Output der Goldminen bestimmen die Angebotsseite. Industrie und Schmuckindustrie treten als Käufer auf. Spekulanten und Investoren versuchen diese Marktkräfte zu analysieren. Gemeinhin gilt Gold in physischer Form – also keine Goldminenaktien – bei Kriegen und Instabilität als „sicherer Hafen“.

Einflüsse auf Goldminenaktien

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Preis für das Edelmetall und der Bewertung von Goldminenaktien. Mittel- und langfristig sollte die Bewertung von Minengesellschaften im Trend dem Preis für Gold folgen. Als Daumenregel gilt: Steigt der Goldpreis um 10%, sollte dies eine Hausse der Edelmetallförderer um 30% zur Folge haben (und umgekehrt bei fallenden Notierungen). Dennoch scheint die Analyse dieser Industrie besonders schwierig, weil neben der Prognose des Goldpreises noch die Bewertung der Minengesellschaften sich als äußerst komplex erweist. Goldminengesellschaften sind in ihrem operativen Geschäft besonders für Schwankungen ihrer Heimatwährung gegenüber dem Dollar anfällig (Handelswährung Feinunze Gold). Die südafrikanischen und australischen Minen haben 2004 unter der Stärke ihrer Heimatwährungen gelitten und sich schlechter als ihre Konkurrenten aus Südamerika oder USA (Nevada) an den Börsen entwickelt. Aufwertende Landeswährungen der Goldschürfer wirken negativ auf Erlöse und Gewinnmargen, weil das Gold in US-Dollar fakturiert wird, die Erlöse aber in der Heimatwährung bilanziert werden.

Goldminenaktien sind kein Inflationsschutz

In den letzten drei Jahren lag die Schwankungsbreite für Goldminenportfolios in der Morningstar Datenbank zwischen 30 und 35% (zum Vergleich MSCI World Index: 16%). Mit Blick auf die Volatilität eignen sich Goldminenaktienfonds nicht für eine inflationsgeschützte Anlage. Zudem ist die ausgleichende Wirkung von Investments in Goldminenaktien und Geldentwertung empirisch nicht nachweisbar. Selbst der Goldpreis korreliert nur schwach positiv mit historischen Inflationsentwicklungen.

Wette mit Hebel auf steigenden Goldpreis

Der Merrill Lynch IIF World Gold Fund ist der größte globale Goldminenaktienfonds mit einem Anlagevolumen von mehr als 2 Milliarden Euro, der hauptsächlich in Goldminenwerte aus aller Welt investiert. Das Fondsmanagerduo Graham Birch und Evy Hambro mischen auch andere Edelmetall-, Grundmetallaktien und minenbezogene Werte bei (aktuell weniger als 20%). Im Vergleich zu anderen in Deutschland zugelassenen Goldminenaktienfonds weist das Produkt die besten Performance- und Volatilitätskennziffern auf. Trotzdem hat der Investmentfonds 2004 im Umfeld schwacher Minenaktien mehr als 13% verloren (2003: +28%, 2002: +66%) Der Fonds ist die beste Wahl für eine reine Wette auf Goldminenaktien, eine Spekulation mit Hebel auf einen anziehenden Goldpreis.

Investment in physisches Gold

Wer Kapitalschutz sucht und diesen im Gold vermutet, sollte sich den DWS Gold plus näher ansehen. Das Basisportfolio besteht aus kürzer laufenden Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität. Darüber hinaus investiert der Fondsmanager Pierre Martin in Edelmetallkonten, Terminkontrakte und Optionen auf Gold - also keine börsennotierten Minengesellschaften. Der Fonds hält augenblicklich 35 000 Unzen physisches Gold und Terminkontrakte auf weitere 32 000 Feinunzen. Das aktiv gemanagte Edelmetallportfolio der DWS kann als eine Art Inflationsschutz für ein Rentenportfolio genutzt werden. Eine Geldentwertung sollte durch die Partizipation an steigenden Notierungen für die Feinunze Gold kompensiert werden. Anleger konnten 2004 lediglich eine Wertentwicklung von 1,8% verbuchen. In den beiden Vorjahren freuten sich Anleger über eine jährliche Performance von mehr als 15%. Das Portfolio hat sich in den letzten vier Jahren besser als der Goldpreis entwickelt. Die Volatilität der letzten drei Jahre betrug durchschnittlich 15%.

Goldinvestments sind was für Pessimisten

Die Prämisse für erfolgreiche Investments in Goldminenaktien ist ein steigender Preis für das Edelmetall. Reine Investments in Goldminenaktienfonds zeichnen sich durch einen Hebel auf den Goldpreis aus. Sie sind kein Basisinvestment, sondern Beimischung für ein breit gestreutes Depot und haben einen stark ausgeprägten spekulativen Branchencharakter. Der Anleger sollte hier von mittelfristig steigenden Goldnotierungen überzeugt sein und ein stark schwankendes Investment nicht scheuen. Wer ruhig schlafen möchte, sollte die Finger von Goldminenaktienfonds lassen.
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Werner Hedrich  

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