Fonds für Krisenzeiten

Wir haben unsere Datenbank nach Fonds durchsucht, die in fallenden Märkten deutlich besser waren als ihre Kategorie.

Simon Nöth 11.04.2008
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Fonds für Krisenzeiten! Wir haben unsere Datenbank nach Fonds durchsucht, die in fallenden Märkten deutlich besser waren als ihre Kategorie. In den letzten Monaten wurden die Nerven der Aktienanleger strapaziert. Das Marktumfeld war von immer neuen Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche geprägt. Die negativen Renditen der Aktienfonds erstrecken sich seit Jahresbeginn über alle Kategorien. Auffällig ist die überdurchschnittlich schlechte Performance von Fonds mit Schwerpunkt Schwellenländer. Besonders Fonds mit osteuropäischen und asiatischen Aktien im Portfolio verzeichnen seit Jahresanfang einen Verlust von über 18%. Einen vergleichsweise moderaten Verlust zeigen die Standardwerte und MidCaps aus der Schweiz. Die Schweizer Pharma- und Konsumwerte dienen seit jeher als sicherer Hafen. <

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In den kommenden ein bis zwei Jahren erwarten Experten anhaltend volatile Märkte. In diesem Marktumfeld sollten es Exchange Traded Funds (ETFs) oder indexnahe Fonds schwer haben, überzeugende Renditen zu liefern. Die Finanzwerte sind in den Indizes noch stark vertreten, allerdings mit Unterschieden. Im DJ Stoxx 600 haben Finanzaktien noch ein Gewicht von 28%, während sie im S&P 500 nur noch mit 17% vertreten sind.

Im Mittelpunkt der Fondsselektion steht daher der Kapitalerhalt für den Privatanleger in besonders turbulenten Zeiten. Im ersten Schritt des Auswahlprozesses wurden Fonds nach der Rendite im Bärenmarkt 2000 bis 2002 ausgesucht. Es wurden nur Fonds gewählt, die sich in jedem Kalenderjahr des Bärenmarktes im oberen Drittel ihrer Kategorie befanden. Im zweiten Schritt mussten die Fonds im 1. Quartal 2008 zum oberen Drittel ihrer Kategorie nach Rendite gehören. Drittens wurden nur Fonds ausgewählt, deren Manager seit mindestens acht Jahren den Fonds verwalten (bzw. in dessen Management-Team das älteste Mitglied mindestens acht Jahre dabei ist). Das Kriterium soll sicherstellen, dass sich die Investmentstrategie nicht grundlegend verändert hat. Als letztes Auswahlkriterium wurde der Zugang für Privatanleger festgelegt. Die Mindestanlagesumme für einen Fonds durfte 10.000 Euro nicht überschreiten. Leider riss der Tweedy Brown International Value Fund diese Hürde, da die erforderliche Mindestanlagesumme 25.000 Euro beträgt. Auch der First State Street Asia Pacific ist derzeit für Neuanleger nicht zugänglich.

In Märkten mit starken Kursschwankungen können unserer Meinung nach Stockpicker eine Basis für steigende Märkte liefern. Aber auch Market Timer und konservative Dividendenstrategien können sich behaupten.

Es gibt 27 Aktienfonds aus dem deutschen Fondsuniversum, die die oben beschriebenen Kriterien erfüllen. Das Angebot reicht von einem finnischen Aktienfonds über Globale Aktienfonds bis hin zu Sektorfonds. Die Performance der Fonds wurde im Vergleich zu ihrer Kategorie untersucht. Eine absolut negative Performance ist daher möglich. Wir stellen drei Fonds aus unterschiedlichen Kategorien vor.

ING (L) Invest Euro High Dividend

Der Fonds wird seit Auflage im März 1999 von Nicolas Simar verwaltet. Es werden Unternehmen aus der Eurozone mit einer hohen Dividendenrendite ins Portfolio gekauft. Anleger, die Ende 1999 in den Fonds 10.000 Euro investierten, konnten ihr Kapital auf 15.000 erhöhen. Ein durchschnittlicher Fonds dieser Kategorie kann heute 11.000 Euro aufweisen. Der Fonds gehörte in der Baisse von 2000 bis 2002 zu den besten seiner Kategorie. Auch seit Jahresbeginn findet man den Fonds unter dem ersten Fünftel seiner Kategorie nach Rendite.

Diese Performance lässt sich natürlich nicht durch das Kleben an der Benchmark erreichen. Deshalb verwundert es nicht, dass man im letzten vorhandenen Portfolio vergebenes nach einer Nokia, Eon, Siemens oder Daimler sucht, die im 330 Aktien umfassenden MSCI EMU zusammen ein Gewicht von 10% haben. Ende Dezember war zum Beispiel der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica mit 1,5% im Fonds gewichtet. Im MSCI EMU hatte das Unternehmen in den letzten drei Monaten aber durchschnittlich einen Anteil von 2,7%. Seit Anfang des Jahres wurde die Position ausgebaut, so dass Telefonica Ende Februar schon ein Gewicht von 3% im Fonds hatte.

Die Hälfte der im Portfolio enthaltenen Unternehmen stufen wir als Mega-LargeCaps ein. Dazu ist eine Marktkapitalisierung von über 26 Mrd. Euro nötig. Der Fonds findet sich in der Morningstar Stylebox im Standardwerte Value Bereich wieder. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11, mit den erwarteten Gewinnen als Grundlage, verdeutlicht die günstig bewerteten Aktien im Portfolio. Wir mögen die verhältnismäßig günstigen Verwaltungsgebühren von 1,2% pro Jahr. Auch die Total Expense Ratio (TER) von 1,5% hält sich in Grenzen.

Pro Fonds (Lux) Emerging Markets Acc

Der Fonds wurde 1994 aufgelegt und seitdem von Gottfried Heller betreut. Der Fonds schlägt seine Kategorie und den MSCI Emerging Market (EM) seit Dezember 1999 deutlich. Um das Risiko breiter zu streuen, darf das Management auch Aktien aus den Hauptmärkten ins Portfolio kaufen. Es erstaunt deshalb nicht, das derzeit Berkshire Hathaway, Warren Buffets Investment Holding, mit 4% das größte Gewicht im Portfolio hat.

In der Länderaufteilung ist China nicht vertreten. Im MSCI EM hat China ein Gewicht von 14%. Polnische Unternehmen sind mit 14% im Fonds gewichtet, während diese im MSCI EM nur 2% ausmachen. Für die Länderauswahl ist Keppler Asset Management verantwortlich. Sie basiert auf einem quantitativen Ansatz. Anhand von Unternehmenskennzahlen wird beurteilt, ob ein Land aus dem MSCI EM Universum „günstig“ oder „teuer“ ist. Steht die Ländergewichtung, werden die Aktien nach Value-Kennzahlen gepickt. Keppler Asset Management ist auch für die Länderauswahl des Global Advantage Emerging High Value Fund zuständig, der in den Krisenzeiten ebenso zum oberen Drittel seiner Kategorie zählte.

Ein Wermutstropfen am Pro Fonds Emerging Markets sind seine zur Kategorie relativ hohen Verwaltungsgebühren von 2% im Jahr. Auch die TER von 2,6% ist nicht ohne. Allerdings gehört der Fonds im Zeitraum (12/1999 bis 4/2008) zu den vier Besten seiner Kategorie (umfasst ca. 440 Fonds) nach Rendite.

DWS Vermögensbildung I

Klaus Kaldemorgen ist seit 1994 für den Fonds verantwortlich. Das Vermögen wird thematisch und weltweit in Blue Chips angelegt. Themen wie der Aufbau der Infrastruktur in den Schwellenländern oder der globale Energiehunger lassen sich in der Sektorgewichtung ablesen. Energiewerte haben mit 15% ein überdurchschnittliches Gewicht. Schlumberger, ein Unternehmen das Dienstleistungen für Öl-Explorationsunternehmen und Ölproduzenten anbietet, ist mit 4% die größte Position. Vor sechs Monaten betrug der Anteil nur 2,8% und das bei einem höheren Aktienkurs. Das Fondsmanagement scheint, von der Story des Unternehmens überzeugt zu sein. Aber auch der Anteil von Gazprom zeigt, dass Kaldemorgen weiter an das Energiethema glaubt.

Mit der Allianz und der Münchener Rück hat er zwei deutsche Schwergewichte im Portfolio. Auch historisch hat der Fonds ein starkes Deutschland Gewicht, was in den letzten Jahren sicherlich geholfen hat. Gleiches gilt für das Untergewicht von US-Aktien im Vergleich zum MSCI World. Der zur Kategorie vergleichsweise hohe Anteil des Gesundheitssektors von 13% spricht für eine teilweise defensive Ausrichtung. Auch die hohe Cash-Quote von 14% zeigt eine abwartende Haltung des Managements bezüglich der Marktentwicklung.

Die Verwaltungsgebühr von 1,45% pro Jahr ist in der Kategorie üblich. Einerseits ist der Fonds wegen seiner oft hohen Cashquote nichts für Anhänger einer Investitionsquote von 100%. Andererseits ist diese hohe Cashquote in fallenden Märkten die Performancequelle. Der Fonds hat bereits gezeigt, dass er als Basisinvestment für Privatanleger geeignet ist. Klaus Kaldemorgen gibt vorübergehend sein Mandat aus privaten Gründen ab, bleibt aber für die Investmentstrategie (Investitionsgrad und Themenauswahl) verantwortlich.



Alle 27 Fonds:

Name und Kategorie

Aberdeen Global Asia Pacific Asia-Pacific ex-Japan Equity
First State Glb EmerMkt Emerging Markets Equity
Pro Fonds (Lux) Emerging Markets Emerging Markets Equity
Sarasin EmergingSar-Global Emerging Markets Equity
Russell Cont Euro Equities Europe ex-UK Equity Large Cap
Threadneedle European Ret Net Europe ex-UK Equity Large Cap
BBV Invest Union Europe Large-Cap Value Equity
First Private Europa Aktien ULM Europe Large-Cap Value Equity
Vitruvius European Equity Eur Europe Mid-Cap Equity
Ennismore European Smaller Comp Europe Small-Cap Equity
BWI Dividenden-Strategie Euro Eurozone Large-Cap Equity
Dexia Eqs B EMU Value C Eurozone Large-Cap Equity
ING (L) Invest Euro Hi Dividend Eurozone Large-Cap Equity
FIM Fenno Finland Equity
Agressor France Small/Mid-Cap Equity
DWS Akkumula Global Large-Cap Blend Equity
DWS Vermögensbildungsfonds I Global Large-Cap Blend Equity
UBS (Lux) SF-Equity (CHF) Global Large-Cap Blend Equity
MFS Meridian Glob Growth A1 USD Global Large-Cap Growth Equity
Seligman Horizon Japan-Fd Japan Large-Cap Equity
KBC Eq Fd Food & Beverages Sector Equity Consumer Goods and Services
Jupiter Financial Opportunities Sector Equity Financial Services
MLIIF World Mining A2 EUR Sector Equity Industrial Materials
JB US Leading Stock A Inc U.S. Large-Cap Blend Equity
Vontobel US Value Equity A1 Inc U.S. Large-Cap Value Equity
Callander Fd Asset C1 Acc U.S. Mid-Cap Equity
U.S. Special Equity A Inc U.S. Small-Cap Equity
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Über den Autor

Simon Nöth  ist Fondsanalyst bei Mornigstar